2012 für Deutschland beim ESC und jetzt auf der weltweit größten Theaterbühne

© Roman Lob Pressearchiv
Die Standardfrage vorweg: Warum machst du überhaupt Musik? Um Dinge zu verarbeiten? 
Musik war für mich schon immer eine Leidenschaft. Früher als Kind habe ich mit Freunden Musik gemacht und in Bands gespielt. Ich habe einfach das gemacht, was mir Spaß bereitet und das war eben die Musik. So ist es heute tatsächlich immer noch – nur mit dem Unterschied, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Wenn dies nicht der Fall wäre, würde ich aber trotzdem weiter Musik machen – ob mit Freunden oder alleine zuhause. Früher habe ich dann noch Schlagzeug gespielt und durch meinen Opa habe ich sechs Jahre lang klassischen Klavierunterricht gehabt und bin bis heute noch ein bisschen traurig, dass ich dann in der Pubertät so ein bisschen die „Null-Bock-Einstellung“ bekommen habe. Fortan habe ich mich dann auf das Singen konzentriert. Ich kann zwar noch spielen, doch habe nicht die Sicherheit, um wirklich auch auf der Bühne einen Song am Flügel rauszuhauen. An meinem Gesang habe ich dann stetig gearbeitet und meinen eigenen Stil gefunden.
 
Aktuell hast du als Solist bei der „The One Grand Show“ im Friedrichstadtpalast mitgewirkt. Wie kam es dazu und wie hat es sich angefühlt, Teil einer derartig großen und pompösen Show zu sein?
Das war eigentlich so der klassische Weg, denn mein Manager hat mich angerufen und gesagt, dass es eine Anfrage gibt, die mit dem Theater zu tun hat. Im ersten Moment war ich erstmal perplex und habe nicht verstanden, warum die Show mich als möglichen Solisten ausgesucht hatte. Erst war ich dann jedoch drauf und dran, das Angebot abzusagen, weil ich einfach noch nie Theater gespielt hatte und auch mit Schauspiel keine Erfahrung hatte. Außerdem war ich auch zu der Zeit im Songwriting zu meinem neuen Album und hatte dementsprechend ganz andere Pläne. Als ich es mir jedoch in der darauffolgenden Nacht nochmal überlegt habe, wollte ich diese Chance dann doch ergreifen, denn der Friedrichstadtpalast ist wohl die größte Theaterbühne Europas und an sich reizte mich diese Erfahrung schon, weil es ja auch etwas völlig Neues für mich war und ich mich der Ehrgeiz gepackt hatte. Also bin ich zum klassischen Vorsingen gegangen, hatte zwei Songs vorbereitet und offensichtlich hat das dann auch ausgereicht. Der Regisseur meinte zu mir, dass ich exakt in die Rolle passen würde und ja, nun stehe ich auf der Bühne. Zunächst war alles für mich Neuland und dementsprechend auch spannend, aber ungewohnt. Ich habe mit Choreographen zusammengearbeitet, Tanzschritte einstudiert und mein Kostüm wurde, wie alle anderen auch, von Jean Paul Gaultier entworfen und angepasst. Insgesamt eine tolle Erfahrung und jetzt jeden Abend eine Show zu spielen, fühlt sich auf fantastisch an. Bis Sommer 2018 läuft die Show noch und so werde ich bis dahin dabei sein. Ich schätze es sehr, Teil dieser Show zu sein, denn es ist immer wieder ein großartiges Erlebnis.
 
Wie war rückblickend das Erlebnis in Baku beim ESC? Was ist die verrückteste Erinnerung daran?
Insgesamt ist es für mich eine sehr schöne Erinnerung, denn ich war damals noch relativ frisch im Musikbusiness und hatte die Chance, meinen Song den ungefähr 120 Millionen Zuschauern auf der ganzen Welt vorzustellen. Außerdem natürlich auch für mein Land zu singen und zu wissen, dass so viele Zuschauer mit einem mitfiebern, hat mir viel gegeben. Für mich war die Situation extrem verrückt, denn man ist zwar zehn Tage vorher da, aber der Moment, wenn man dann kurz vor seinem Auftritt hinter der Bühne steht, der war schon sehr aufregend. Zum Glück hat alles geklappt und wir haben den achten Platz belegt, was mich persönlich sehr gefreut hat und im Vergleich zu den letzten Jahren auch sehr weit vorne war. Mir tun jedoch die Künstler leid, die beim ESC alles geben und auch sehr gute Songs mitbringen und dann auf den hintersten Plätzen landen, da es eben auch viel mit politischen Interessen zu tun hat.

Siehst du in der ESC-Teilnahme 2012 mittlerweile nur Positives, da ein 8. Platz im Vergleich zu den letzten Jahren eine große Leistung war, oder hat es auch Schattenseiten, weil man immer sofort mit dem ESC in Verbindung gebracht wird?
Der ESC ist sicher der Grund, warum ich auch jetzt nach wie vor von der Musik leben kann und dafür bin ich sehr dankbar. Man hat die Gelegenheit, seinen Song vor so vielen Nationen vorzustellen und erreicht damit natürlich ein sehr breites Publikum. Dennoch muss man dazu sagen, dass es jeder Künstler selbst in der Hand hat, was er daraus macht. Nur weil man beim größten Musikwettbewerb der Welt mitgemacht hat, läuft auch nicht alles von alleine. Andersrum hätte ich jetzt bestimmt anders geredet, wenn ich auf den hinteren Platzierungen gelandet wäre. Insgesamt war es also eine positive Erfahrung, ich kann nach wie vor Musik machen und bin sehr happy.
 
Bisher hast du zwei eigene Alben rausgebracht und dein drittes ist ein Akustik Cover Album. Wie kam es dazu? 
Ich hatte mit einem Kumpel angefangen so ein, zwei Cover zu spielen, weil mir ganz viele auf Instagram und Facebook geschrieben haben, dass ich mal ein Akustikcover machen soll. Das haben wir dann auf YouTube hochgeladen und abgewartet, wie die Resonanz ist. Im Endeffekt war die Begeisterung der Zuhörer groß und sie haben das total angenommen. Mein Kumpel kam dann tatsächlich auf die Idee, so ein Akustikalbum aufzunehmen und ich selbst hatte auch Bock drauf und so haben wir das eingespielt, sodass die Leute es auch im Auto oder Wohnzimmer auf CD hören können. Die Hörer des Albums waren dann auch total begeistert.
 
Wie liefen die Aufnahmen für dein neues Album und in welche Richtung wird es gehen? Was hatte Thomas D damit zu tun?
2015 habe ich die erste Session gemacht und wir haben uns hingesetzt, weil ich mich dazu entschieden habe, noch ein drittes Studioalbum zu veröffentlichen. Ich habe mich musikalisch weiterentwickelt und weiß jetzt genau, wohin ich will. Thomas D, mein erster Produzent von „Standing Still Farren“ und mein bester Kumpel, der Gitarrist ist – wir haben uns dann für vier Tage ins Tonstudio gesetzt und geguckt, was dabei rauskommt. Wir haben alle Ideen in den Raum geworfen und in vier Tagen lief die Session so gut, dass wir zehn Songs geschrieben haben – also meist mit erster Strophe und Refrain. Wir haben dann noch eine Session gemacht und an den Songs weitergeschrieben. Dann kam es dazu, dass Tomas D gesagt hat, dass wir das Album wieder bei ihm produzieren, wieder bei ihm im Studio mit dem selben Produzenten wie schon bei Standing Still, welchen ich auch auf dem ESC gespielt habe. Wir haben dann eine Woche im Studio verbracht und die Platte ist soweit fertig. Es sind wieder großartige Musiker darauf, zum Beispiel auch Die Fantastischen Vier und die spielen auch bei The Voice of Germany mit. Ich hoffe, dass wir die Platte dann im Herbst 2017 veröffentlichen können. Thomas D ist dabei Mitproduzent und Singer/Songwriter und nicht nur über die Jahre mein Mentor geworden, sondern auch ein guter Freund. Er gibt mir eine Richtung, weil er schon alles im Musikbusiness erlebt hat und somit ein „alter Hase“ im Geschäft ist.
 
In deinem ersten eigenen Album „Changes“ gibt es zum großen Teil energischere oder kräftigere Songs wie „Call out the Sun“ oder „Make you Smile“, nur ein paar („Day by Day“ oder „Standing Still“) sind eher emotional und gefühlvoll. Woran liegt das? Bei welcher Art von Songs fühlst du dich wohler?
Diese Mischung bei der Musik entwickelt sich bei mir, da es immer davon abhängig ist, über was man schreiben möchte und vor allem auch, wann man den Text schreibt. Wenn wir nachts an den Songs arbeiten, werden diese eher deeper, also gehen in Richtung Ballade. Tagsüber kommen dann auch mehr Sonnenstrahlen ins Studio und dann werden die Songs auch automatisch anders. Das neue Album wurde mit einer Band aufgenommen und es geht so ein bisschen in die „John Mayer – Richtung“. Es sind wieder beide Arten von Songs mit dabei – sowohl die schnellen Songs als auch die Balladen. Dieses Mal habe ich das Gefühl, es passt besser zusammen und ist insgesamt homogener. Ich bin sehr happy und zufrieden, was man vor allem daran gemerkt hat, dass ich auf dem Flug nach Hause sehr ausgelassen war. Man konnte mir ansehen, dass irgendwas Schönes passiert war.
 
Was willst du unbedingt noch mal machen? Hast du eine Bucket List?
Ich wollte schon immer mal nach Kanada fliegen und habe es bis heute nicht geschafft. Das liegt an dem Zeitproblem, da ich mir denke, dass ich die Wochen in einer Holzhütte in der Wildnis fernab der Zivilisation verbringen möchte, wenn ich schonmal drüben bin. Ich hoffe, dass ich das jetzt im Sommer in meinen spielfreien Zeit schaffe. Allerdings habe ich jetzt erfahren, dass da schon wieder irgendwelche Aufnahmen stattfinden und so sehe ich das ein wenig schwinden, aber der Traum ist nach wie vor da. Ich möchte dann selbst draußen Holzhacken und Feuer machen.

Was bereust du, getan zu haben?
Ich bin eher so ein Typ, der sagt, dass man aus Fehlern lernt. Ich bereue eigentlich selten irgendwas, was nicht heißen soll, dass ich nicht auch mal Fehler mache, aber ich versuche eigentlich eher das Positive daraus zu ziehen. Ganz nach dem Motto „Shit happens“ und beim nächsten Mal weiß man dann besser Bescheid. Wenn alles immer gut laufen würde, dann kommt irgendwann der große Hammer und dann bricht alles zusammen. Man bereut hin und wieder mal Kleinigkeiten, aber ingesamt nichts Großes, sondern man lernt daraus.
Über Florian Krüger 63 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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