„An der Kufe eines Helikopters über Köln geflogen“

Tom Beck im Gespräch

Du machst Musik und Schauspiel. Sind das gut kombinierbare Leidenschaften oder teilweise auch ein Spagat, der nur schwer zu bewältigen ist?

Vielmehr ist das Ganze ein organisatorischer und zeitlicher Aufwand, also ein logistisches Problem. Weniger ist es ein inhaltliches Problem, wenn du A vor der Kamera stehst und in eine Rolle schlüpfst und B auf der Bühne stehen kannst, wo du dein eigenes Publikum hast und ganz du selbst bist – deine eigenen Texte, deine eigene Show und dein eigenes Drehbuch schreibst. Dabei kann man sich auf unterschiedliche Art und Weise verwirklichen.

Zwei Leidenschaften

Organisatorisch ist es manchmal schwer – wenn ein Dreh ansteht, ist es schwierig, nebenbei noch Gigs zu spielen, deshalb muss man auch eine Tour gut abgestimmt planen. Im Endeffekt sind es zwei Leidenschaften. Eigentlich heißt es immer, wenn ein Schauspieler eine Platte rausbringt: „Ach du scheiße, muss das denn sein?“ Mein Leben bestand jedoch schon immer aus Musik (und Sport) und ich habe auch früher schon in einigen Bands gespielt. Ich habe Musical studiert, weil ich nichts Anderes wusste – es war für mich aber, wie sich herausstellte, genau das richtige Studium. In Zuge der Ausbildung hatte ich dann natürlich auch Schauspielunterricht – daher liegt mir die Musik und die Schauspielerei gleichermaßen.

Aktuell sehen wir dich in der Serie „Einstein“ als den unehelichen Urenkel des berühmten Albert Einsteins. Hast Du dich dafür auch mit der Relativitätstheorie und Co. beschäftigt?

Ganz grob natürlich schon, denn das, was ich in der Serie als Professor immer so zitiere, muss ja auch Hand und Fuß haben, auch wenn es immer nur kurz angerissen wird. Allerdings gibt es in der Physik Bereiche, wo es für unsereins schwer ist alles zu begreifen. Ich selbst google die Sache dann hin und wieder mal. Nur mit der eigenen Schulphysik kommt man auch nicht wirklich weit, man müsste es ein paar Semester studiert haben, um die Theorie wirklich nachvollziehen zu können. Außerdem muss man auch immer darauf achten, dass es den Zuschauer nicht überfordert, sondern unterhält.

Die Rolle des Einstein vereint Arroganz, Genialität und Verrücktheit. Wie bereitet man sich auf solch eine Rolle vor? Wie schwer war es dann tatsächlich den Einstein zu spielen?

Ja, es war tatsächlich nicht einfach, sich in die Rolle reinzufinden. Mir wurde damals das Buch und die Rolle für diese Serie angeboten. Eigentlich wollte ich nach Alarm für Cobra 11 nicht direkt wieder eine Serienhauptrolle spielen, fand das Buch dann aber gut und dachte mir, warum denn nicht. Das ist aber die eine Sache und der andere Part ist, wie man die Figur dann tatsächlich gestaltet. Ich habe mir dann einiges überlegt und wir haben der Figur ja doch viel Mut und Extravaganz mitgegeben. Außerdem ist sie sehr überzeichnet.

Erstmal an die Rolle herantasten

Sie sollte auf jeden Fall polarisieren und ich habe von vielen Leuten gehört, dass sie die Figur entweder total abfeiern oder total hassen. Das war auch unser Ziel, denn nur so kann man eine Fanbase aufbauen. Anfangs musste ich mich aber auch an die Rolle herantasten und nach einiger Zeit hat das sehr gut geklappt. Es steht nun fest, dass eine zweite Staffel produziert wird. Was ist das Erfolgsrezept der Serie „Einstein“? Das liegt an der Story und eben auch an dem tollen Cast, den wir haben und wir verstehen uns alle untereinander richtig gut. Dieses Gefühl überträgt sich dann auch so auf den Zuschauer. Die Themen Physik und verschrobener Professor kennt man ja schon aus anderen Formaten. Wir haben mit dem Stil der Serie offenbar den Zeitgeist getroffen. Wir waren auch relativ mutig und ahnten schon beim Dreh, dass die Serie polarisieren würde, das hat sie am Ende auch – und der Erfolg freut uns natürlich sehr.

Viele kennen dich als Ben Jäger aus der Serie „Alarm für Cobra 11“, in der du von 2008 bis 2013 in 81 Folgen mitgespielt hast. Wie sind deine Erinnerungen an diese Zeit? Ein Resümee?

Es war für mich schon eine tolle Zeit mit einem klasse Team und prima Kollegen. Und war auch ein Türöffner für vieles Andere. Ich war einer der beiden Hauptdarsteller in einer der erfolgreichsten RTL-Formate der letzten Jahre.

9 Jahre Cobra 11

Da ich immer noch in Wiederholungen zu sehen bin, begleitet mich das Thema Cobra 11 schon seit 9 Jahren. Die Serie hat mir eine große Popularität verschafft und wenn ich heute durch die Stadt gehe, werde ich manchmal gefragt, wo Semir ist, aber die Leute müssen auch verstehen, dass ich Schauspieler bin, und der auch noch andere Pläne hat und andere Rollen spielen möchte. Aber ich kann mich wirklich nicht beschweren, denn seitdem habe ich schon viele Anfragen bekommen und andere Rollen gespielt. Rückblickend war es für mich also ein großes Geschenk.

Es flogen ständig Autos durch die Luft und häufg explodierte etwas. Was ist die verrückteste Geschichte am Set gewesen?
Da habe ich einiges zu erzählen, auch Sachen, die teilweise prekär waren. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Einmal bin ich auch bei einer Szene im Wald einen sechs Meter tiefen Abhang runtergefallen und habe mir die Schulter ausgekugelt. Ein anderes Mal habe ich mir bei einem inszenierten Autocrash aufgeschürfte Schienenbeine geholt, aber im Endeffekt ist zum Glück alles glimpliich ausgegangen.

Am Helikopter hängend über Köln

Wenn ich dran denke, wie ich damals an der Kufe eines Helikopters hing und über Köln geflogen bin, da dachte ich schon mal, hoffentlich hänge ich nicht gleich in der nächsten Straßenlaterne.

Musikalisch hast du seit der Erstveröffentlichung von Superficial Animal 2011 vier weitere Alben veröffentlicht. Es gab einige Chartplatzierungen und eine ausverkaufte Tour. Wo liegt der reizvolle Unterschied zum Schauspiel?

Erstmals spielt man in der Musik keine Rolle, sondern ich bin ganz ich selbst. In meinem Fall habe ich ja auch noch ein eigenes Label und kann vom Cover Artwork bis zum Setting der Bühne alles selbst bestimmen. Es hat, im Gegensatz zum Schauspiel, nichts damit zu tun einen anderen Menschen zu verkörpern. Man hat als Musiker auch direkten Publikumskontakt, das ist vor der Kamera ja auch nicht gegeben, da schaut ausschließlich das Filmteam zu. Das direkte Feedback auf der Bühne reizt mich jedoch, denn nicht umsonst heißt es: Der Applaus ist das Brot des Künstlers. Deshalb macht es einfach mega Spaß.

Jetzt kam zwei Jahre kein Album. Wann kann man mit einem neuen musikalischen Projekt rechnen? Vermutlich erst 2018. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich in 2017 schon etwas rausfeuern kann, aber ich bin noch nicht zufrieden. Nächstes Jahr werde ich 40 und vielleicht ist dies dann ein Omen. Das Album muss einfach gut sein und ich habe keinen Bock, mir eine Frist zu setzen. Ich feile auch noch an meinem Sound und weiß daher noch gar nicht, wo die Reise hingehen wird. Daher wird es wahrscheinlich erst nächstes Jahr soweit sein.

Ein Interview von Florian Krüger und Joshua Brauns.

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Über Florian Krüger 55 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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