aufMUCKEn gegen Rechts

Antilopen Gang setzt Zeichen gegen Rassismus

Es scheint dieser Tage, als könnte man der politischen Diversifikation in Deutschland durch die einfache Aufteilung in links und rechts gerecht werden. Demnach könnte man darauf vertrauen, dass bei einer Veranstaltung namens „aufMUCKEn gegen Rechts“ fast ausschließlich linke Demonstranten erscheinen, die ihren Unmut über rechtsextremes Gedankengut kundtun. Doch das ist nur die halbe Wahrheit – und das Schwarz-Weiß-Bild in Zeiten von farbenfroher 4k-Auflösung. Auch Besucher aus der bürgerlichen Mitte, Sozialdemokraten, Konservative und Liberale zeigten am Wochenende Flagge und bekannten sich in Weyhe zu einem weltoffenen Denken.

An einem sonnigen Freitag Mitte Juni stehen die Zeichen gut für einen coolen Festival-Tag. Alle Bands sind eingetroffen, die 60 Quadratmeter große Bühne ist aufgebaut, die Sonne scheint und das Bier ist kaltgestellt. Keine schlechten Voraussetzungen für ein Festival, das seit 2001 in regelmäßigen Abständen in Weyhe bei Bremen abgehalten wird. Und doch ist alles anders. Es ist irgendwie größer – und zum ersten Mal unter freiem Himmel. Den Auftakt am späten Nachmittag machen die Bands „Anne.Fuer.Sich“ und „Maelføy“ und setzen erste Zeichen gegen Rassismus. Auf die beiden Acts folgen „Watch Out Stampede“, die die Fans und Zuschauer mit Post-Hardcore das Rocken lehren und schon alte, aber überaus beliebte Bekannte der Festival-Reihe sind. Mit „Sookee“ ist erstmals eine Berliner Rapperin zu Gast, die für ihren Einsatz gegen Homophobie und Sexismus bekannt ist. Während sich die Menge zu ihren Beats bewegt, appelliert sie nicht zuletzt an die Hip-Hop-Szene, insgesamt toleranter zu denken. Ihre Worte werden von den 1.500 Zuschauern erhört und begrüßt, die ihren Weg selbst aus entlegenen Ecken nach Weyhe gefunden haben. So feiern Studenten und Senioren zusammen, Arme wie Gut-situierte, Männer wie Frauen, Weyher wie Nicht-Weyher, Inländer wie Ausländer – allesamt weltoffene Menschen, die geeint sind in ihrer Antipathie gegenüber Rassismus und Diskriminierung. Sie alle wollen wie die Veranstalter und umliegenden Info-Ständen dem rechtsextremen Denken einen Riegel vorsetzen. Es ist nicht insofern kaum verwunderlich, dass das Festival friedlich verläuft. Auf die Hauptstädterin folgen die Jungs von „Montreal“ – ebenfalls eine Band, die quasi mit dem aufMUCKEn mitgewachsen ist und Spaß in die Bude bringen. Sie rocken bis zur Dämmerung, in der sich sogar tanzende Maikäfer zu den Besuchern gesellen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der in erster Linie Tonprobleme behoben werden, steigt die Antilopen Gang fast grazil auf die Bühne. Mit ihrem Song „Pizza“ haben sie letztes Jahr die deutschen Charts erobert. Neben diesem Smash-Hit sind die Musiker aber vielmehr für ihre gesellschaftskritischen Texte bekannt, die sie anlässlich des Festivals-Mottos auch zum Besten geben. „Beate Zschäpe hört U2“ gröhlt die feierwütige Menge im Moshpit und hellem Scheinwerferlicht. Zu ruhigeren Klavier-Balladen lässt sich ein musikalischer Freitag mit noch wichtigerer Message entspannt ausklingen.

Wir freuen uns auf das nächste aufMUCKEn!

Über Joshua Brauns 23 Artikel
Der Lektor, der sich für Sport, Reisen und Musik begeistert - und darüber auch gerne schreibt. Viel Spaß beim Lesen!

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