Der Aufbruch in die finanzielle Unabhängigkeit: Realität oder Fiktion?

ein Kommentar von Florian Krüger

Altersvorsorgelücke, Aktieninvestmentfonds, Rechnungszins … Begriffe, die für viele Leute einen abschreckenden Charakter haben. Vor allem in jungen Jahren möchte man diese Themen für sich selbst ausblenden und einfach auf das gute Ende vertrauen. Warum sollte ich mich schon so früh darum kümmern, später ausreichend versorgt zu sein? Der Blick in die Zukunft fällt oft schwer, weil so viele Ereignisse und Lebensphasen dazwischen liegen, sodass man eher „Step-by-Step“ denkt. Auf der anderen Seite stehen die Gesellschaften und deren Vertreter, die für eine finanziell unabhängige Zukunft werben und irgendwie kann man diesen Leuten nur schwer zuhören, da die Geldmünzen ständig in ihren Augen aufblitzen. Wie soll man in diesem Ungleichgewicht einen neutralen und rational durchdachten Plan für seine eigene finanzielle Zukunft aufstellen?

Wichtig ist zunächst, zur richtigen Einsicht zu gelangen. Nur, weil ich das Thema ausblende und zur Seite schiebe, heißt es nicht, dass die Sorgen verschwinden. Ganz im Gegenteil: In der Regel werden sie eher schlimmer. Der Satz könnte aus dem Mund einer der Finanzberater stammen – doch ist er im Kern wahrheitsgemäß: Je früher man anfängt, desto besser. Dennoch muss man sich auch bereit fühlen und sollte sich aus eigenem Antrieb mit dem Thema befassen.

Im Groben kann man sagen, dass ein Finanzkonzept wie eine Pyramide aufgebaut ist. Unten muss ein starkes Fundament stehen, damit nicht irgendwann einfach alles in sich zusammenstürzt. Hier kommt es darauf an, dass eine private Haftpflichtversicherung vorhanden ist, denn im Ernstfall kann diese Millionenschäden kompensieren. Auch hier kann man annehmen, dass einem ein selbstverschuldeter Schadensfall an Gegenstand oder Mensch eher nicht passiert. Das ist das Prinzip einer jeden Versicherung – sie bezieht sich auf die Ängste des Volkes und minimiert Risiken. Sich gegen alles zu versichern würde dafür sorgen, dass man keine Risiken mehr hat, aber dafür der Teller beim Abendbrot leer ist. Gewisse Risiken sollten eingegangen werden – bei der Haftpflichtversicherung sind die Summen im Schadensfall jedoch oft so hoch, dass man im Worst-Case-Szenario ein Leben lang Schulden hätte.

Der zweite Grundstein im Fundament der Pyramide wird durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gelegt. Hierdurch ist man bei Eintritt eines Unfalles oder einer Erkrankung abgesichert. Viele Menschen verweigern sich dem Beitritt dieser Art von Versicherung, da sie der festen Überzeugung sind, bereits durch ihre gesetzliche Rentenversicherung abgesichert zu sein. Das Problem hierbei ist, dass die staatlichen Leistungen in der Regel nicht ausreichen, um den eigenen Standard weiter aufrechtzuerhalten: In den ersten sechs Wochen ist der Arbeitgeber verpflichtet, weiterhin den Lohn zu zahlen. Danach greift die gesetzliche Krankenversicherung und muss für weitere 72 Wochen mindestens 70% des letzten Netto-Lohnes zahlen. Der Knackpunkt hierbei ist, dass die Krankenkasse ganz genau hinschaut – sobald man durch seine Krankheit bzw. Verletzung noch eine andere Tätigkeit ausüben kann, greift diese eventuell nicht mehr. Dann droht ein finanzieller Abstieg, dem man mit der BU vorbeugen kann. Die Policen sind nicht niedrig, da jeder Fünfte vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig wird. Mit über 30% sind dabei die psychischen Erkrankungen an der Spitze. Beim Abschluss einer BU ist darauf zu achten, sich das Leistungsspektrum von A bis Z erklären zu lassen, denn hier sind manchmal einige Erkrankungen ausgenommen. Zudem gilt: Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto weniger Police muss gezahlt werden. Es sollten außerdem keine abstrakten Verweisungsklauseln in der Versicherung enthalten sein, da man sonst auf einen anderen Beruf umgemünzt werden kann. Ganz nach dem Motto: „Kassieren im Supermarkt kann man auch mit der verletzten Nase.“ Diese Aussage ist natürlich ein wenig zynisch, beschreibt das Konzept aber treffend.

Damit steht das Fundament der Pyramide. Ohne dieses sind alle weiteren Konzepte hinfällig. Auf jenes Fundament sollte dann eine private Altersvorsorge aufgebaut werden. Hierbei gilt wieder der Spruch, dass sich ein früher Einstieg lohnt, denn das Modell der Zinseszinsen führt zu sehr guten Resultaten. Das Geld vermehrt sich praktisch von alleine und das mit der richtigen Anlagestrategie sogar um 6-8%.

Natürlich sind diese Renditen auch nicht garantiert, denn vor allem kann man nie gefeit sein. Dennoch haben die größten Aktieninvestmentfonds in den letzten zehn Jahren relativ konstante Wertsteigerungen gehabt. Viele Modelle der Gesellschaften und Banken laufen ins Leere und führen im Endeffekt sogar zu einem Minus. Das liegt daran, dass die Inflationsrate, also der Wertverlust des Geldes, mit einberechnet werden muss.

Außerdem wird oft mit einem Garantiezins geprahlt, der allerdings mit Hilfe einer gesetzlichen Grundlage im Ernstfall ausgehebelt werden kann – nämlich dann, wenn es der Gesellschaft nicht mehr gut geht und sie vor der Insolvenz steht. Somit sinkt dieser Zins immer weiter. Im Jahr 2000 lag er noch bei 3,25% und Anfang des Jahres 2017 wurde er nochmal von 1,2% auf 0,9% herabgesenkt. Sinnvoll wäre es anhand dieser Entwicklungen noch zu reagieren, bevor der Zins im Nullbereich bzw. bei den bekannten Negativzinsen angekommen ist. Das kann einem in der Endabrechnung nämlich schonmal 100.000€ kosten. Man kann dass einfach mal selbst probieren,indem man im Internet mit einem Zinseszins-Rechner das Ganze durchrechnen.

Sich für das richtige Produkt zu entscheiden, ist elementar und so sollte hier ein kompetenter Berater aufgesucht werden, der sich wirklich Zeit für eine individuelle Beratung nimmt und nicht einfach nur einen Vertrag aus der Schublade „zaubert“.Oben auf der Pyramide steht dann noch ein wichtiger Faktor: Die Rücklagen. Es ist wichtig, immer gewisse Reserven zu haben, um im Zweifelsfall wichtige Ausgaben zu tätigen. Es ist realitätsfern, das ganze Geld in Anlagestrategien, Versicherungen und Vorsorge zu stecken. Natürlich sollte darin am Monatsende nur das investiert werden, was wirklich zur Verfügung steht. Die Reserve sollte ungefähr das Dreifache des Nettoeinkommens betragen und so behandelt werden, als ob sie gar nicht existieren würde. Nur im Notfall sollte sie angetastet werden, damit man nicht das Fundament der Pyramide im Nachhinein zerstören muss.

Über Florian Krüger 55 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

1 Kommentar zu Der Aufbruch in die finanzielle Unabhängigkeit: Realität oder Fiktion?

  1. Ein ganz wichtiges Thema, mit dem sich eigentlich jeder einmal auseinander setzen sollte, denn eine gewisse Unabhängigkeit in diesem Bereich ist für jeden gut.

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