„Die beste Vorbereitung auf die Zukunft ist eine produktive Gegenwart“

©Fitnap

Simon Mathis, zarte 20 Jahre auf dem Buckel und waschechter Österreicher, betreibt einen der erfolgreichsten Online-Fitness-Kanäle im deutschsprachigen Raum. Auf Video- und Fotoplattformen wie Instagram und YouTube konnte er inzwischen Hunderttausende Abonnenten von sich überzeugen und somit auch die klassischen Medien auf sich aufmerksam machen. Wie er diesen rasanten Aufstieg geschafft hat, welche Vor- und Nachteile sich aus dem Leben als Person des öffentlichen Lebens ergeben und was ihm am Sport so liegt, erzählt uns der Gleichaltrige im WANTED-Interview.

Fangen wir mal ganz von vorne an. Aus welchem Grund hast du mit Instagram und YouTube angefangen und wie haben die Dinge dann ihren Lauf genommen?
Instagram habe ich aus der Motivation gestartet, meine Trainingsfortschritte zu dokumentieren und den Zuspruch von Leuten zu erhalten, der einen ja wiederum motiviert. Mit einem Business hatte das erstmal gar nichts zu tun. Mit YouTube habe ich angefangen, um meine Fitness-und Ernährungstipps weiterzugeben, die ich mir als Personal Trainer aneignen konnte und um mehr neue Leute auf mich aufmerksam zu machen.

Du hast Hunderttausende Follower auf unterschiedlichen Plattformen. Was sind deiner Meinung nach die Vorzüge und Nachteile des Fames und dieses Lebens?
Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass man viel flexibler und mit mehr Spaß und Motivation arbeiten kann. Solange ich einen Internetanschluss habe, kann ich von jedem Teil der Welt aus arbeiten. Als Nachteil würde ich nennen, dass man oftmals nur schwer von der Arbeit wegkommt und dass die Privatsphäre oftmals unter dieser Bekanntheit leidet.

Ist ein explosionsartiger Aufstieg in den sozialen Netzwerken aus deiner Sicht planbar oder kommt das einem Sechser im Lotto gleich?
Geplant war es auf jeden Fall nicht (lacht). Man muss, wie bei jedem anderen Unternehmen auch, extrem viel Zeit und Herzblut reinstecken, damit es auch funktionieren kann. Täglich probieren sich neue Leute daran, sich in dieser Nische breitzumachen, deswegen musst du kontinuierlich dranbleiben. Ein guter Freund und erfolgreicher Unternehmer hat einmal zu mir gesagt: „Es ist komisch – je mehr ich arbeite, desto mehr Glück habe ich auch.“

Was ist aus deiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg?
Das ist schwer zu sagen. Ich denke, auf die Fitnessszene bezogen liegt mein Vorteil sehr stark darin, dass ich diesen Sport mit sehr viel Spaß und Lockerheit vermitteln kann. Ich bin der Meinung, dass Fitness – wie jeder andere Sport – als Hobby gesehen werden sollte und nicht so, als ob sich das ganze Leben darauf dreht. Dieser Sport lässt sich auch ohne große Verzichte sehr erfolgreich ausüben.

Als Blogger mit einer solch großen Reichweite lebt man vornehmlich von Produktplatzierungen. Wie viele Werbungsanfragen bekommst du pro Woche und kannst du es dir leisten, Angebote auszuschlagen?
Mittlerweile kommen beinahe täglich neue Angebote rein und dadurch, dass ich neben der Arbeit als Blogger noch als Personaltrainer und Online-Coach arbeite, kann ich mir meine Werbepartner sehr gut aussuchen.

Der Job als YouTube oder Blogger ist nicht gerade konventionell und gilt nicht unbedingt als sicherer Job. Machst du dir jetzt schon Gedanken, was in fünf oder zehn Jahren sein könnte?
Nein (lacht). Ich denke, dass kein Job sicher ist. Wir könnten auch morgen alle von einer Maschine verdrängt werden. Ich sage mir immer: „Die beste Vorbereitung auf die Zukunft ist eine produktive Gegenwart“. Wie ich vorhin schon angemerkt habe, gibt es oftmals kleine Dinge, durch die sich neue Möglichkeiten ergeben. Durch meine Aktivitäten auf YouTube bin ich jetzt mit dem Fernsehsender Sport1 in Kontakt und mache da von nun an wöchentlich die SportNews. Da kann man also von jetzt auf gleich ins Fernsehgeschäft gespült werden oder man macht zum Beispiel seine eigene Klamotten-Marke auf. Wenn man Leute hat, die das sehen, was man macht, dann hat man extrem viele Möglichkeiten, irgendwas zu machen. Ich will aber auch nicht mehr in 20 Jahren YouTube-Videos machen (lacht). Wie auch immer, ich habe das jetzt nicht ewig lange geplant, ich will auch irgendwo variabel bleiben.

Der Fitness-Lifestyle basiert auf der Idee der Selbstoptimierung. Wie hoch ist der eigener Druck, sich auch in weiteren Bereichen zu verbessern? Was wirst du tun, wenn es mal nicht so läuft? Hast du einen Plan B?
Plan B wäre es, dass ich meine Selbstständigkeit als gelernter Personal Trainer aufrechterhalte. Der eigene Druck ist sowieso nur dann da, wenn es nicht so gut läuft. Derzeit habe ich also gar keinen Druck. Es hat auf jeden Fall aber schon Zeiten gegeben, wo ich mir dachte: „Wow, die Klicks gehen runter, die Abos stagnieren und es funktioniert nicht, wie ich es mir gedacht habe“. Aber solange es läuft … (lacht).

Was entgegnest du auf den Vorwurf, Instagram ist ein reines Medium der Zurschaustellung von Oberflächlichkeiten?
Dass Instagram oberflächlich ist, da gebe ich dir auf jeden Fall recht. Es ist wirklich schwierig, seine ganze eigene Persönlichkeit auf dieses Medium zu übertragen. YouTube ist dabei ganz klar der Punkt, wo sich die Spreu vom Weizen trennt: Auf Instagram ist man erfolgreich, wenn man gute Bilder schießt und gut aussieht. Um auch auf YouTube Erfolg zu haben, muss man charakterlich auf einem Level sein, mit dem sich Leute mit dir identifizieren können. Da zeigt sich schneller, wer wirklich was auf dem Kasten hat.

Und wie gehst du mit Hatern um?
Am Anfang fällt einem das besonders schwer, sich davon loszumachen. Wenn man zehn positive und nur zwei negative Kommentare hat, konzentriert man sich auf die zwei negativen. Ich weiß nicht, wieso der Mensch so programmiert ist, aber man lernt – wie mit anderen Dingen im Leben – damit umzugehen. Konstruktiver Kritik nehme ich mich auf jeden Fall an, aber wenn es nur Beleidigungen sind, blende ich das inzwischen aus.

Du lebst den Fitnesssport. Was gefällt dir so gut daran und wann kommst du auf das MensHealth-Cover?
Man lernt seinen Körper sehr gut kennen und spürt genau. was einem selber gut tut und was weniger. Durch eine dem Fitnesssport entsprechende gesunde Ernährung hat man auch viel mehr Power für den gesamten Tag. Und der „Pump“ danach ist auch was Cooles (lacht). Mittlerweile ist es so, dass ich das Gefühl habe, mir fehlt irgendwas, wenn ich mal eine Woche nicht trainiere.

Liegen dir neben Sport1 weitere Angebote im Sportbereich vor?
Im Sportbereich kommen regelmäßig neue Angebote rein, über noch offene Angebote darf ich allerdings nicht sprechen.

Du gibst dich sehr familiär in deinen Videos. Wie stehen deine Familie und deine Freunde hinter dem, was du tust?
Meine Mutter hat immer dahintergestanden, weil sie ein Mensch ist, der sagt: „Mach das, was dir Spaß macht. Und wenn du dein Hobby zum Beruf machen kannst, ist das das Beste, was dir passieren kann“. Die Großeltern waren etwas verhaltener, als ich ihnen das erzählt habe und meinten: „Was? Geh arbeiten, Junge!“. Sie konnten da auch lange nichts mit anfangen, aber als ich ihnen meine Beiträge auf ProSieben, Sat.1 oder in der Zeitung zeigen konnte, war das schon besser. Mein Vater war erstaunt, aber meinte, ich solle nur machen. Bei den Freunden war es so, wie es immer im Leben ist: Die einen finden es gut, die anderen weniger.

Wir sind am Ende angelangt. Willst du noch was loswerden oder jemanden grüßen?
Oh, bin ich im Fernsehen? (lacht) … Mach das, was dir Spaß macht und lass dich nicht von irgendwelchen Menschen beeinflussen, lebe deinen Traum und … (lacht) ja, mach einfach dein eigenes Ding, egal was andere Leute sagen!

Vielen Dank für das Interview!

Über Joshua Brauns 14 Artikel
Der Lektor, der sich für Sport, Reisen und Musik begeistert - und darüber auch gerne schreibt. Viel Spaß beim Lesen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*