Ein Auf und Ab bis zur Winterpause

Der eingefleischte Werder-Fan hatte diesen Herbst und Winter einige Male zu zittern. Ob nun vor Wut, Nervosität, Freude oder einfach den ungemütlichen Außentemperaturen geschuldet, sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass der Saisoneinstieg gründlich in die Hose ging. Da half ab einem gewissen Zeitpunkt auch nicht mehr das Vertrösten auf den nächsten Spieltag oder das Verweisen auf den starken Gegner. Die Bundesliga ist eng zusammengerückt und die Leistungsdichte ist ingesamt ziemlich gleichwertig. Richtige Prognosen vor der Saison zu machen, ist 2017 Jahr nur etwas für Hellseher gewesen. Wer hätte ahnen können, dass der Euopaligist Köln nun so schlecht dasteht. Man muss tief graben, um ähnliche schlechte Saisonstarts zufinden und stößt dabei nur auf Tasmania Berlin, die 1965/66 die schlechteste Saison überhaupt spielten. Am Ende kam man auf 8 Zähler (mit der 3-Punkte-Regel auf 10 Zähler) und kassierte 108 Gegentore.

Doch kann man solch einen Verein unter keinen Umständen mit dem 1. FC Köln in einen Topf werfen – es zeigt einfach nur die Klasse der Teams in der Bundesliga. Auch Werder blieb von dem fehlenden Spielglück nicht verschont und so platzte der Knoten erst beim ersten Heimsieg der Saison gegen den Rivalen aus Hannover – und dann gleich 4:0! Der Trainerwechsel von Alexander Nouri zu Florian Kohfeldt scheint der Mannschaft gut zu tun. Die 26 Taktik wird wieder offensiver ausgerichtet und die Resultate sind besser. Zwar gibt es in einem guten Spiel zunächst einen Dämpfer gegen die „Bullen“ aus Leipzig, doch gegen den VfB Stuttgart erkämpft sich die Elf des SV Werder-Bremen den zweiten Heimsieg. „Wir schauen immer zuerst auf unsere offensive Einstellung und leiten daraus die defensive Taktik ab“, meint Trainer Florian Kohfeldt.

„Unsere Fans sind ein großes Privileg“

– Florian Kohfeldt, Cheftrainer

Auch die gedrückte Stimmung der Mannschaft wird durch die Siege wieder lockerer. So berichtete Thomas Delany noch nach am Anfang der Saison: „Wir haben zu viel Angst, dass wir ein Tor kassieren und verlieren.“ Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund wirkt er dann in der Pressekonferenz wieder ausgelassener und betont, dass das Momentum nun wieder beim SV Werder und der Mannschaft liegt. Die Moral ist also wieder da und auch die Fans spüren diese Veränderung. Gab es noch Pfiffe bei der 0:2-Pleite gegen Borussia Mönchengladbach, so sind die SVW-Anhänger wieder besser gestimmt. „Unsere Fans sind ein großes Privileg und wir wissen dies sehr zu schätzen“, betont Werder-Coach Florian Kohfeldt. „Aber es ist auch so, dass es keine bedingungslose Unterstützung gibt, sondern die Fans ein feines Gespür dafür haben, wenn die Leistungen auf dem Platz nicht unserem Können entsprechen.“ Dennoch ist Werders Situation nach wie vor nicht entspannt, es muss weitergearbeitet werden. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, ist die klare und zugleich trockene Aussage von Florian Kohfeldt. Im Grunde hat er natürlich recht und beschreibt die Einstellung wie folgt: „Fußball ist ein Spiel und wenn wir auf dem Platz stehen, dann wollen wir gewinnen. Es geht nicht darum, auf dem Platz besonders gut auszusehen oder super schön zu spielen.“

Im Endeffekt geht es darum, zu punkten und das wissen auch die Spieler des SV Werder Bremen. Sportchef Frank Baumann antwortet vor dem Spiel gegen RB Leipzig auf die Frage, ob man sich mittlerweile schon an die Tabellensituation gewöhnt hätte: „Natürlich haben wir uns nicht daran gewöhnt, es wäre auch schlimm, wenn es so wäre.“ Dann sollte sich das angesprochene Momentum bewahrheiten und Werder erkämpft sich einen 2:1-Sieg gegen den BVB – eine starke Leistung! Sicher standen die Dortmunder neben sich und waren unter Trainer Bosch nicht mehr in der Spur, aber Werder lieferte dennoch ein engagiertes und couragiertes Spiel ab. Dabei schoss Maximilian Eggestein den Ball in der 26. Minute wunderbar in die lange Ecke und setzte Dortmund unter Zugzwang, die in der 57. Minute durch einen reingestocherten Ball von Pierre-Emerick Aubameyang antworteten. Doch Werder war heiß auf den Sieg und so köpfte Theodor Gebre Selassie zum 2:1-Endstand ein. Wer den BVB besiegt, der kann auch Bayer 04 Leverkusen schlagen, oder? Leider nicht zwangsläufig, denn in einer unspektakulären Partie unterliegt Werder der Werkself aus Lever- kusen mit 0:1 und setzt seine Talfahrt weiter fort. In der zweiten Halbzeit blieben Werders Chancen komplett aus und man spürte, dass die Elf aus Leverkusen einfach eine größere Spielsicherheit und Routine am Ball mitbringt. Es geht eben nicht alles auf einmal und dennoch zeigt vor dem letzten Spiel der ersten Saisonhälfte die Tendenz nach oben. Gegen Mainz geht es dann im eigenen Stadion nochmal hoch her: Bargfrede trifft gleich in der zweiten Minute und überrascht die Mainzer mit einem starken Antritt und einem tollen Abschluss. Ishak Belfoldil erhöht dann in der 17. Minute durch einen kunstvollen Kopfball auf 2:0. An der Stelle hätte die Partie durch sein müssen und so schien es auch lange – genauer gesagt bis zur 70. Minute, in der Robin Quaison ein bisschen reaktionsschneller als Werder-Kapitän Niklas Moisander ist. Dann ist wieder für lange Zeit wenig los und Werder verlässt sich auf die Führung und macht die Räume eng. Doch in der Nachspielzeit dann der Schlag: Fabian Frei netzt eine Flanke von der linken Seite ein und versetzt das Weser-Stadion damit in eine Schockstarre. Der Sprung von den Abstiegsplätzen war schon fast eingetütet und jetzt bleibt Platz 16, auf dem der SV Werder Bremen überwintern wird, um dann mit Sicherheit wieder anzugreifen!

von Florian Krüger

Über Florian Krüger 65 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*