Es kommt, wie es kommt – und es kommt gut! (Neuseeland/Australien)

© Alica Maria Welzel
Die letzte Zeit in Neuseeland hat mir viel gezeigt. Ich habe nicht nur neue, interessante Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt – vielmehr habe ich Erfahrungen gesammelt, Sichtweisen und auch Perspektiven geändert.
Die letzten zwei Monate war ich auf Durchreise in Neuseeland und auch durch Teile Australiens. Für mich war diese Art zu reisen Neuland. Es war kein Urlaub, in dem man tagelang faul am Strand lag. Wir hatten jeden Tag etwas auf dem Zettel. Natürlich hatten wir uns das auch so ausgesucht, aber trotzdem war es nochmal etwas Anderes. Der Plan, wann wir wo sein wollen, war bereits grob organisiert. In der nächsten Zeit mussten wir aber unseren deutschen Plandrang ablegen und haben gelernt, spontan zu sein, spontan zu entscheiden und uns fiel auf, wie viel Spaß Spontanität machen kann.
Das heimische Bett bei der Gastfamilie wurde für alles Mögliche eingetauscht. Als Backpacker versuchten wir, an jeder Ecke zu sparen und so schliefen wir in Hostels (die sich später noch als Luxus entpuppten), im Auto, im Zelt ohne Isomatte und Schlafsack, in einem Campervan oder auf dem Boden bei Couchsurfern. Während der Reise haben wir doch recht viel Couchsurfing praktiziert. Dabei wird man von Einheimischen im Haus aufgenommen und darf dort kostenlos übernachten. Auch dadurch haben wir viele unterschiedliche, aber durchaus interessante Menschen kennengelernt.
Es ist viel passiert. Vieles auch unerwartet. So wollten meine Freundin und ich uns ein Auto in Tasmanien mieten. Wir hatten alles überprüft und hatten schließlich auch unsere Buchungsbestätigung. In Hobart angekommen, bekamen wir das Auto aufgrund geänderter Geschäftsbedingungen und unseres Alters dann doch nicht. Mit der Zeit haben wir gelernt, aus jeder Situation das Beste zu machen. Schließlich kann man die meisten Dinge nicht ändern und sich unnötig darüber aufzuregen, macht auch keinen Sinn. Nach einigen Minuten Gedenkpause haben wir uns noch am selben Tag dazu entschlossen, per Anhalter durch Tasmanien zu reisen. Alles andere wäre für uns zu teuer gewesen und hätte sich nicht mehr gelohnt. Und so stürzten wir uns in das wohl bisher größte Abenteuer, das wir beide nie vergessen werden. Lange warten mussten wir nie. Zudem haben uns so viele unterschiedliche Menschen mitgenommen, vom Großvater mit seinem Enkel bis hin zu Amerikanern, die selbst gerade dabei waren, durch Australien zu reisen. Mit ihnen haben wir uns super verstanden und haben bis heute noch Kontakt zu der kleinen Familie. Wir wussten, was wir sehen wollten, kamen sogar besser durch als mit dem Auto geplant und haben dabei vieles zu schätzen gelernt.
Mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt, die deutsche Muffigkeit abgelegt zu haben und an jede Sache positiv ranzugehen. Unsere Pläne haben sich manchmal stündlich, wenn nicht sogar sekündlich, geändert. Dinge kommen und gehen und manchmal rechnet man nicht damit. Aber egal wie es kommt, es soll so kommen und wenn man mit einer positiven Haltung an die Sache geht, kommt es gut.
Jetzt, nachdem ich wieder im kalten Deutschland angekommen bin, fällt mir auf, wie sehr mir die Offenheit der Neuseeländer fehlt. Ein kleines Gespräch mit dem Sitznachbarn im Flugzeug entwickelte sich nach einiger Zeit zur Freundschaft oder das einfache Feierabendgespräch mit der Kassiererin im Supermarkt lernt man erst wieder richtig zu schätzen.
– Alica Maria Welzel | www.fashionfighter.net
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