Feuerwehrarbeit lehrt für das Leben auf vielen Ebenen

© Feuerwehr Weyhe
Welche Aufgaben sind als Gemeindebrandmeister zu erfüllen?

Zunächst muss man festhalten, dass alle, die in der freiwilligen Feuerwehr arbeiten, normale Berufe haben. Es ist dann üblich, dass jeder Kamerad während des Alltags und auch nachts einen Pager bei sich hat, der im Einsatzfall ausgelöst wird und denjenigen über den Einsatz informiert. Ich als Gemeindebrandmeister habe meine Ausrüstung in meinem Privatwagen, welchen ich im Einsatzfall zu einem Einsatzwagen machen kann, indem ich Blaulicht und Martinshorn anbringe. Im Einsatz gibt es dann eine klare Hierarchie, denn jede Sekunde zählt. Ich organisiere größtenteils das Geschehen vor Ort, muss die Entscheidungen treffen und beschäftige mich auch mit der Opferbetreuung am Einsatzort. Ich bin jetzt in meiner Funktion als Gemeindebrandmeister seit dem 1. Januar 2017 tätig und seitdem ich 12 bin, Mitglied in der Feuerwehr. Ich habe also den klassischen Weg durchlaufen. Ich war Zugführer und Einsatzleiter – nur den Ortsbrandmeister habe ich sozusagen übersprungen.

Wie sehen die Einsätze aus?

Grundsätzlich werden wir über Funk alarmiert, wenn ein Feueralarm losgeht oder ein Notruf eingegangen ist. Oft fahren wir nur mit wenig Informationen los und haben in der Regel zwei Wagen dabei. Vor Ort entpuppt sich dann die tatsächliche Lage und ab da ist es unterschiedlich. Mal ist es größer als gedacht und oft ist es auch relativ leicht einzudämmen. Einmal hatten wir auch einen Fall, da sind wir mit zwei Wagen ausgerückt und im Endeffekt hat nur ein Spielzeug in der Dusche angefangen, nach Rauch zu riechen. Aber natürlich ist es besser, uns zu alamieren, als abzuwarten oder es selbst zu versuchen. Sicher ist sicher. Wir hatten im Jahr 2016 insgesamt 57 kleine Brände, 15 mittlere Brände und 19 große Brände. Es gab 45 technische Hilfeleistungen (Verkehrsunfälle, Baum umgeknickt, etc.), 11 Gefahrstoffeinsätze auf Kreisebene, da wir in der Gemeinde dafür eine Einsatztruppe haben. Außerdem hatten wir 84 sonstige Einsätze, die von „Katze auf dem Baum“ bis Fehlalarm reichen. Des Weiteren verzeichnen wir 42 Brandmelder und 13 Alarmübungen.

Aufwandsendschädigung steigen für freiwillige Feuerwehr 

Welcher war der größte bisherige Einsatz?
Das ist schwer zu sagen, da wir so viele Einsätze haben und jeder ist auf eine andere Art und Weise schwierig. Es ist immer schwer, wenn man die betroffenen Personen kennt. Aber auch bei anderen Personen ist es psychisch belastend, wenn man es mit Schwerverletzten oder im schlimmsten Fall mit Toten zu tun hat. Wir machen es zwar alle als Hobby, aber im Endeffekt tragen wir eine riesige Verantwortung, derer wir uns bewusst sind. Es geht ja häufig auch um das Hab und Gut der Betroffenen, wenn es sich etwa um einen Wohnungs- oder Hausbrand handelt. Hier versuchen wir, uns auch mit den Betroffenen abzustimmen und eine Schwertrettung durchzuführen. Das bedeutet, dass wir versuchen, persönliche Gegenstände oder Bargeld zu bergen. Die Rettungsleute am Einsatzort arbeiten dafür Hand in Hand. So ist es wichtig, dass sich Notarzt, Feuerwehr und Polizei abstimmen. Wir trainieren zwar viel und üben die einzelnen Szenarien, aber alles kann man einfach nicht üben und so ist auch viel Organisation vor Ort gefragt. Manchmal zählt dann jede Sekunde. Wir hatten zum Beispiel ein Auto, welches hochkant im Graben stand und wo wir den Fahrer und den Beifahrer mit einem Gerüst aus dem Auto schneiden mussten. Beide hatten einen Hüftbruch erlitten. Kurios war, dass sich am Ende rausstellte, dass die beiden Schwerverbrecher waren, die von Interpol gesucht wurden. Aber wir hatten auch schon Einsätze, in denen wir schwer übergewichtige Menschen aus ihren Häusern befördern mussten. Wenn diese etwa einen Herzanfall erleiden und die Notärzte sie nicht aus dem Haus bekommen, müssen wir schnell handeln und das erzeugt natürlich auch einen gewissen Druck. Nach den Einsätzen reden wir in der Regel darüber und verarbeiten das Erlebte gemeinsam.

Was war die schönste enstandene Geschichte?
Aus meiner Sicht ist es wirklich toll, dass die Gemeinde einmal im Jahr einen Empfang im Rathaus für neue und besonders verdiente Mitglieder veranstaltet. Diese Ehrung zeigt eine gewisse Würdigung, denn ohne dieses freiwillige Engagement wären wir aufgeschmissen. Für einige Posten gibt es zwar eine Aufwandsentschädigung, aber auch diese ist noch gering und auch nicht für jeden bestimmt. Zum Glück ist ein Antrag durch die erste Ratssitzung, der unsere Gelder auffüllt, damit wir zum Beispiel neue Ausrüstung kaufen können und auch mehr Geld bekommen, bereits gestellt. Ich würde dann als Gemeindebrandmeister 260€ Aufwandsentschädigung bekommen. Im Endeffekt ist es aber natürlich meine Leidenschaft und der Drang sich für andere einzusetzen und ihnen zu helfen, wenn es brenzlig wird.

Wie ist die Weyher Feuerwehr im Vergleich zu anderen Feuerwehren aufgestellt?
In Weyhe gibt es 321 aktive Mitglieder und das Gesamtpaket ist in Weyhe schon sehr gut.  Auch durch die mögliche Aufstockung des Feuerwehretats stehen wir im Vergleich zu den anderen Gemeinden gut da. bezüglich der Ausrüstung sind wir gemäß der gesetzlichen Vorschriften ausgestattet, was finanziell nicht immer ganz leicht zu regeln ist. Eine Ausrüstung pro Mann kostet 1000€. Die Ausrüstung besteht aus einer Jacke, der Hose, dem Helm, Stiefeln und Handschuhen. Allein in 2016 hatten wir 23 neue Leute, die wir ausrüsten mussten. Ganz wichtig ist für uns auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr. Zwischen 6 und 9 Jahren kann man in die Kinderfeuerwehr und ab 12 dann in die Jugendfeuerwehr. Mit 16 kann man dann in den aktiven Dienst wechseln. Dafür braucht man dann zwei Seminare, die „Truppmann 1 und 2“ heißen und absolviert werden müssen. Danach gibt es zahlreiche weitere Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die für bestimmte Einsatzgebiete benötigt werden.

Warum ist es toll, sich bei der Feuerwehr zu engagieren?
Wir bei der Feuerwehr sind eine Gemeinschaft und sehen uns wie eine große Familie. Unsere Türen sind für jeden offen, der sich engagieren und einsetzen möchte. Vor allem brauchen wir auch genau solche Leute, denn die Feuerwehr ist wie ein großes Zahnrad. Wenn es an einer Stelle hakt, dann läuft es an der anderen nicht. Bei der Feuerwehr gehört jeder Kamerad dazu – egal ob alt oder jung, dick oder dünn, beeinträchtigt oder topfit, männlich oder weiblich. Auch Flüchtlinge können sich bei uns gerne engagieren, denn bei uns kann jeder Aufgaben übernehmen. Man kann sich auch im Ausbildungsbereich engagieren, so wie ich es tue. In Barrier ist ein Ausbildungszentrum, wo jedes Jahr circa 1000 Leute geschult werden.

Wir bedanken uns bei für das Interview bei Bernd Scharringhausen, der von seinen Kollegen Steffen Wohlers (Gemeinde Pressesprecher), Marcel Balk (stellvertretender Gemeindepressesprecher) und Dennis Jacob (Pressesprecher Ortsteil Weyhe) unterstützt und ergänzt wurde.
Über Marie Hilken 14 Artikel
Die Fotografin und Designerin, die sich mit Begeisterung neuen Aufgaben annimmt und super gerne fotografiert.

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