Hüttentour in der Tramuntana auf Mallorca

Fünf Etappen auf dem Trockenmauerweg (GR 221)

Als meine beiden Freunde und ich nach einem geeigneten Termin für unsere nächste Wandertour Ausschau hielten, fanden wir nur einen Termin, an dem alle drei konnten. Es war Ende März Anfang April. Wo sollte die Tour hingehen? In den Alpen liegt noch Schnee, das Wetter in den deutschen Mittelgebirgen ist um diese Jahreszeit noch recht unbeständig und die Anreise sollte nicht zu lang sein. Ein Kollege erwähnte: „Geht doch den Trockenmauerweg auf Mallorca, einer der schönsten Wanderwege Europas“. Mallorca und wandern?

Mir ist Mallorca eher durch Pauschaltourismus, Sauftouren von Kegelclubs und Fußballvereinen oder Fahrradtourismus bekannt – aber wandern? Ein wenig recherchiert und ich war begeistert, die Bilder und Filme, die im Internet zufinden sind, haben mich und meine Freunde überzeugt. Schnell waren die Flüge und die Hütten gebucht (die Hütten müssen vorab gebucht werden, da Wanderer, die nicht gebucht haben, abgewiesen werden), die Rucksäcke gepackt und los ging es auf eine fünftägige Tour durch Tra- muntana, einer Gebirgskette an der Westküste Mallorcas immer entlang der Trockenmauern und der Olivenhaine. Auf der einen Seite das Mittelmeer und auf der anderen Seite das Landesinnere Mallorcas – einfach traumhaft. Der Trockenmauerweg, der of ziell GR 221 heißt, verläuft zum großen Teil über alte gep asterte Pfade, die früher die Besitztümer und Bergdörfer miteinander verbunden haben und Handel auf Mallorca ermöglichten.

Der gesamte GR 221 führt von Port d’Andratx bis Port de Pollença. Wir haben uns für die fünf Etappen von Valldemosa nach Pollenca entschieden. Vorweg dachten wir, dass es auf Grund der in den Wanderführern und auf Internet- seiten gemachten Angaben zu den Tourenzeiten eher eine entspannte Wanderung werden würde, aber weit gefehlt. Die dort gemachten Angaben sind die reinen Wanderzeiten ohne Pausen zum Ausruhen, Essen, Fotografieren oder die Landschaft zu genießen und so wurden es fünf mehr oder weniger lange Tagestouren. Nach einem spanischen zweiten Frühstück in der Frühlingsonne Mallorcas begannen wir unsere erste Etappe von Valldemossa nach Deià, wo wir über schlecht ausgeschilderte Wege nach sechs Stunden unser Refugi (Berghütte) Can Boi in Deià erreicht haben. Das Refugi wurde von einer jungen Spanierin betreut, die vom Empfang bis zur Küche alles alleine gemanagt hat und dementsprechend el das Abendessen für ca. 30 hungrige Wanderer aus – matschige, tiefgekühlte Pommes und schuhsohlenartige Schnitzel, aber egal, wir waren hungrig und müde. Auf der Hütte hatten wir ein Vierbettzimmer mit Jörg aus Nürnberg und so schliefen wir müde und voller Erlebnisse vom ersten Tag ein.

Am zweiten Tag ging es dann nach einem spanischen Frühstück (Weißbrot, Schinken, Käse, O- Saft und Kaffee) gestärkt auf die zweite Etappe von Deià nach Port de Sóller. Unsere Route führte uns auf dem Piratenweg immer entlang der Steilküste zu unserer Berghütte Muletta, wo wir von der Terrasse aus einen traumhaften Sonnenuntergang genießen konnten.

Auf der Hütte trafen wir Carolin (28 Jahre aus Friedrichshafen) wieder, die wie wir und einige andere auf dem gleichen Weg unterwegs war. Sie fragte uns, ob wir die nächste und mit zehn Stunden Wanderzeit längste Tour gemeinsam gehen können: „Na klar, du kannst dich uns anschließen, Abmarsch ist um 06:30 Uhr.“ Nach einer kurzen Nacht mit 28 Personen in einem großen Schlafsaal, in der ich wenig Schlaf fand, begannen wir unsere Tour von Port de Sóller bis zum Refugi Tossals Verds noch in der Dämmerung Mallorcas. Als wir gegen 08:00 Uhr in Sóller ankamen, tobte in dem kleinen Ort, der für seine Holzstra- ßenbahn und seinen samstäglichen Wochenmarkt bekannt ist, schon das Leben. Kau eute waren mit dem Aufbau des berühmten Marktes beschäftigt. Von einer kleinen spanischen Kaffeebar direkt am Markplatz schauten wir bei einem Toast und einem Café con leche dem hektischen Treiben zu und genossen entspannt unseren Urlaub. Nach der Pause ging es dann so richtig los. Wir nahmen den langen Aufstieg über 2000 Treppen zum Coll de l’ofre und wanderten danach auf einem Pfad zum Cúber-Stausee. Nach einer längeren Mittagspause bei spanischer Eselssa- lami und Bergkäse am See machten wir uns zu unserem Refugi Tossals Verds direkt in der Bergwelt Mallorcas auf. Bei Hähnchen und spanischem Rotwein ließen wir den Abend auf der Hütte ausklingen. Auf unserer nächsten Etappe zum Kloster Lluc stiegen wir auf zum höchsten Pass Mallorcas, dem Coll de ses Cases de Neu mit 1.200 Metern. Von da aus ging es mehr oder weniger bergab zum Kloster Lluc und weiter zu unserem Refugi Son Amer.

Nach einer Dusche mit eiskaltem Bergwasser saßen wir an unserem letzten Abend mit den anderen Wanderern der Tour zusammen und ließen die schöne Tour Revue passieren. An unserem letzten Wandertag lag die Strecke nach Pollenca vor uns. Wir sind früh aufgebrochen, um gegen Mittag unser Ziel in Pollenca zu erreichen. Der Weg führte uns auf circa 17 Kilometer fast ausschließlich bergab hinunter zum Ziel. Auf dem Markplatz von Pollenca genossen wir unser Mittagessen in der warmen Frühlingssonne, bevor es mit dem Linienbus nach Palma und von dort zum Flughafen ging. Eine wunderschöne Wandertour durch die Tramuntana ging zu Ende und es war bestimmt nicht meine letzte Wandertour auf Mallorca.

von Frank Krüger (auf einer Wandertour zusammen mit Uwe Kaczmarek und Andreas Diekmeyer)

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