„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“

WANTED im Gespräch mit GReeeN

© Arthur Rewak - Visual Design

GReeeN steht nicht nur für die Farbe, sondern für einen ganzen Lifestyle, wie uns der Musiker Pasquale Denefleh erklärt. Der Künstler aus Mannheim, der vor allem durch Teilnahmen an Online-Battleturnieren wie dem JBB deutschlandweit Bekanntheit erlangte, veröffentlichte letztes Jahr sein erstes Album „Vergessenes Königreich“, in dem er HipHop-Reggae mit gutgelaunten Texten verknüpft. Mit diesem Album stieg er auch direkt auf Platz 33 der deutschen Charts ein. Nun hat er die EP Frei veröffentlicht, zu der es im August live in Thedinghausen schon einen Einblick gab. Wie GReeeN über das Leben, gute Laune und seine Zukunft nachdenkt, erfahrt ihr jetzt.


 

Seit wann machst du Musik?

Als ich 18 war, habe ich aus Spaß und Leichtsinn in meinem Kinderzimmer angefangen. „Sei stark“, mein erstes richtiges Lied, habe ich für meine Schwester geschrieben, als sie eine Herz-OP hatte. Dieser Song hat ihr so viel Kraft gegeben, dass ich gemerkt habe, dass man mit Musik nicht nur unterhalten, sondern auch ’therapieren’ kann. Das war so der Moment, an dem ich dachte: „Geil, das lohnt sich ja nicht nur für mich“. Ein Jahr später habe ich eine Band namens „Die Zwei“ mit einem Freund gegründet, die sich 2013 wieder aufgelöst hat. Ab da ist aus dem Hobby mein Beruf geworden.

Was wärest du geworden, wärest du nicht Musiker?
Ich wusste als Jugendlicher schon sehr genau, dass ich Archäologe, Tierforscher oder Biologe werden wollte – irgendein Berufsbild, bei dem man die ganze Zeit durch die Welt reisen kann.

Warum nennst du dich „GReeeN“?
Erst hieß ich „Der Grüne“, aber das klang irgendwie zu politisch, da habe ich mich dann umbenannt. Ich war schon immer sehr naturverbunden und grün war schon immer meine Lieblingsfarbe. Aber ich begreife diese Farbe auch als Lifestyle und um diesen Lifestyle geht es ja auch in meiner Musik.

Die meisten kennen dich aus dem JuliensBlogBattle. Wie kommst du als positiver Künstler zum „bösartigen“ Battlerapper?
Ich habe bis 2013 mit meiner Band immer nur Gute-Laune-Musik gemacht. Als wir uns dann getrennt haben, hatte ich auf einmal richtig Bock zu battlen. Erst habe ich beim VBT mitgemacht und bin darüber dann zum JuliensBlogBattle (JBB) gekommen. Julien hatte ich vorher gar nicht gekannt. Ich hatte mich da dann einfach beworben und bin ins kalte Wasser gesprungen.

„JuliensBlog“ hat mit Auschwitz-Witzen zuletzt negative Schlagzeilen gemacht und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Wie ist dein Verhältnis zu ihm?
Natürlich habe ich ein paar verwerfliche Videos von ihm gesehen – schwarzer Humor, lässt sich drüber streiten. Was ich an ihm aber sehr sympathisch fand, war, dass man ihn in der Qualifikation beleidigen musste. Er teilt also nicht nur aus, sondern kann auch einstecken. Deswegen fand ich das cool, damals einzusteigen.

Du hattest battletechnisch ja eine Menge mit SpongeBozz zu tun gehabt. Wer steckt hinter der Maske und wie ist dein heutiges Verhältnis zu ihm?
Aus verlässlichen Quellen weiß ich, dass es SunDiego ist. Ich finde, dass man das aber auch sehr gut am Doubletime feststellen kann. Doubletime ist wie ein Fingerabdruck im Rap-Game. Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm, weil er mir übelgenommen hat, dass ich neben ihm auch für Gio eine Hook gemacht habe. Er scheint eine kleine Zicke zu sein – ich verstehe nicht, wie man so etwas jemandem übelnehmen kann …

Deine Musik besteht aus zwei Teilen: GReeeN und Grinch Hill, die sich unterschiedlicher nicht sein könnten. Wie vereinbarst du beide Stile miteinander?
Grinch Hill ist nur meine Fantasie, ein Schauspiel, das nichts mit meiner Persönlichkeit zu tun hat. Das macht mir einfach Spaß, ist ein Hobby. Und GReeeN bin ich halt, das ist meine reale Welt.

Also bist du der Überzeugung, dass Grinch Hill wirklich gar nichts mit deiner Persönlichkeit zu tun hat?
Ich sag’ mal so: Jeder Mensch hat eine gute und ein böse, schlechte Seite. Jeder von uns könnte zum Mörder werden, den Spruch kennt man ja. Das Leben besteht immer aus Licht und Schatten und Grinch Hill wäre dann meine Schattenseite, die Abwesenheit von Liebe.

Aus welcher Überzeugung machst du Musik? 
Alleine wegen der Sache. Ich liebe es, mir Dinge von der Seele zu schreiben und motiviere mich dadurch. Ich habe sehr viele Lieder geschrieben, in denen ich mir selbst Mut zuspreche – und das macht mir Spaß. Das Veröffentlichen mache ich, weil ich festgestellt habe, dass ich Menschen mit meiner Musik helfen und glücklich machen kann.

GReeeN wirkt durchweg gutgelaunt. Bist du selbst auch immer happy oder lässt du dich von dunklen, grauen Tagen nach unten ziehen?
Ja, auch ich habe meine Regentage – das ist immer so eine komische Stimmung. Aber ich bin mir dann auch dessen bewusst und versuche meinen Geist zu formen. Ich denke mir dann immer: „Hey, es gibt doch gar keinen Grund – die Pflanzen brauchen ihr Wasser, für die ist das was Positives“. Ich versuche also aus jeder negativen Situation, etwas Positives rauszuziehen – das ist mein Motto. Ich bin ein unverbesserlicher Optimist.

Woraus schöpfst du deine Kraft bei so viel Elend in der Welt?
Da gibt es viele Faktoren. Einerseits mache ich mir bewusst, dass ich gesund bin und ein Dach über dem Kopf habe. Aber auch die kleinen Dinge, an denen muss man sich erfreuen. Musikhören und Joggen sind auch sehr gute Mittel. Und das beste sind wahrscheinlich Freunde und Familie.
Das Leid in der Welt versuche ich, aus Selbstschutz zu akzeptieren, ohne damit zu meinen, die schlechten Dinge vor meinen Augen einfach passieren zu lassen – ich wäre der Erste, der handeln würde. Aber soll man deswegen in seinem Zimmer hocken und Trübsal blasen? Das sind Dinge, bei denen wir lernen müssen, damit umzugehen. Wenn es z.B. Terroranschläge gibt, gucke ich mir die Nachrichten nicht an – aus Selbstschutz wie gesagt.

Was willst du in deinem Leben unbedingt nochmal machen?
Ich würde gerne um die ganze Welt reisen; eine schöne Frau an meiner Seite haben, mit der ich eine Familie gründe; ich will irgendwann ein Buch schreiben oder einen Film drehen; und irgendwann will ich ein alter, bärtiger Mann sein, der die Weisheit erlangt hat. Aber letztendlich versuche ich, das Jetzt und Hier zu erleben. Ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich nicht glücklicher werde, wenn ich Millionär werde oder irgendwann diese eine schöne Frau kennenlerne. Nein, ich versuch das Jetzt und Hier zu genießen, nur darum geht es. Deswegen sind die Zukunftsziele nicht ganz so wichtig.

Aber jeder Mensch wird ja wohl konkrete Ziele für die Zukunft haben? 
Ja, schon. Ich will erfolgreicher werden mit meiner Musik, große Tourneen spielen und viele CDs verkaufen. Wenn es einen Grund gibt, weshalb ich wirklich viel Geld besitzen möchte, dann um helfen zu können. Würde ich Millionär werden, würde ich Menschen und Tieren helfen. Geld bedeutet Macht und ich würde diese Macht sinnvoll nutzen.

Überträgt sich dein Verhältnis zu Tier und Umwelt auch auf dein Essverhalten?
Ich bin ein bewusster Esser, esse aber dennoch ein wenig Fleisch und fühle mich dadurch nicht schlecht. Das Sterben gehört ja irgendwie zum Leben dazu. Auf Massentierhaltung und Plastiktüten verzichte ich komplett. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, ganz auf Fleisch zu verzichten. Dennoch ist der Welt auch schon geholfen, würde jeder nur einmal pro Woche Fleisch essen – soll aber jeder so machen, wie er denkt.

Willst du dich mal umweltpolitisch engagieren?
Auf jeden Fall. Momentan gilt der Musik noch meine volle Energie, aber das Aktivisten-Dasein wird der zweite Abschnitt meines Lebens. Dann soll es nicht nur um die Umwelt, sondern auch um Menschen gehen. Da hätte ich große Lust drauf: Einen Rucksack aufsetzen und um die Welt reisen, um zu sehen, wie man sich einbringen kann. Und bis dahin kann ich den Leuten mit meiner Musik ein gewisses Bewusstsein vermitteln.

Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal die Charts zu stürmen?
Ja, ich kann mir das vorstellen, aber das ist kein übergeordnetes Ziel von mir. Am wichtigsten ist meine Fanbasis und solange die da ist und wächst, ist alles gut. Ich war auch schon hier und da im Radio – nur noch nicht so häufig wie Cro (lacht). Ansonsten nervt mich das Radio auf Dauer, weil nur Evergreens laufen.

Wovon ist deine Musik inspiriert? 
Ich lasse mich gar nicht von anderen Künstlern inspirieren. Ich mache voll mein eigenes Ding. Nur von Beats lasse ich mich „inspirieren“ – die liebe ich. Wenn ich Musik mache, gibt es nur mich und die Beats – da denke ich nicht: „Wie macht der oder der das denn?“.

Okay, also müsstest du erstmal überlegen, wenn ich dich frage, wer der beste Rapper der Welt ist? 
Naja, also früher habe ich viel von Sido und Bushido gehört, damit bin ich großgeworden. Ich feier auch DMX, Eminem und Cypress Hill. Und in der heutigen Deutschrap-Szene finde ich Cro, Marteria und Casper ziemlich gut. Und Nimo ist ein klasse Newcomer mit außergewöhnlichem Flow, der hört sich einfach anders an.

Gut, und wer ist der Whackste überhaupt?
Ich finde fast alle Rapper klingen gleich, das stört mich am meisten. Das merkt man auch an einigen JBB-Rappern wie Johnny Diggson. Die Kiddies haben doch alle keine Peilung. Also wie Julien den so abfeiern kann, verstehe ich auch nicht. Der hat geschmacklich auch manchmal einen an der Klatsche.

Du hast dein eigenes Label gegründet. Warum?
Ich denke, dass die Musikszene voller Haifische ist, die mich wie ein Honigglas betrachtet haben – die wollen nur Geld mit dir machen, alles andere ist egal. Aber aus diesem Grund mache ich keine Musik. Da bin ich lieber ich selbst und veröffentliche auch gerne kostenlose Songs. Außerdem brauchst du heutzutage keinen Major-Deal mehr. Ich kann mich selbst am besten vermarkten.

Du meinst, man brauche keinen Major-Deal mehr, aber kooperierst trotzdem mit Sony? 
Ja, aber das ist auch weniger ein Label als ein Verlag. Ich bin da als Songwriter tätig und nutze das ganze bloß als Netzwerk.

Womit bist du zurzeit beschäftigt?
Ich schreibe gerade an vielen Songs. Allgemein finde ich auch, dass ich noch viel mehr Musik machen muss. Das habe ich in der Vergangenheit vielleicht falsch gemacht. Ich bin nicht der Typ, der drei Jahre an einem Album schreibt. Wenn ich die Ideen habe, dann schreibe ich die auch direkt auf und würde am liebsten einmal pro Woche ein Lied veröffentlichen. Das ist wie eine Blume, die verwelkt, wenn ich zu lange nichts veröffentliche. Es gibt für mich halt nichts Schlimmeres, als ein Lied zu schreiben, das dann für die nächsten zwei Jahre auf dem Rechner bleibt – dann geht der Zauber verloren.

Gehört zum „grünen“ Lifestyle auch Cannabis dazu?
Sagen wir mal so: Ich habe überhaupt nichts dagegen, da sind wir viel zu konservativ eingestellt. Zu dem Thema will ich auch noch einen Track schreiben. Ich finde, ab und zu berauscht zu sein, ob mit Alkohol oder Cannabis – solange man nicht übertreibt, ist doch alles in Ordnung. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei allen anderen Drogen und Chemiecocktails geht zu viel kaputt …
Über Joshua Brauns 12 Artikel
Der Lektor, der sich für Sport, Reisen und Musik begeistert - und darüber auch gerne schreibt. Viel Spaß beim Lesen!

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