Im Netz von Avacon ist die Energiewende bereits Realität

© Avacon AG

Rund 30 Haushalte haben nun sechs Jahre am e-home Projekt teilgenommen. Ein Resümee?
Das e-Home Projekt ist ein großer Erfolg. Sowohl von Seiten der Forschung als auch insbesondere in der Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Haushalten sowie den beiden Kommunen und weiteren Projektpartnern der Region. Wir sind stolz, die Energiezukunft bereits seit 2011 in der Praxis testen zu können und wichtige Erkenntnisse für uns als Netzbetreiber erhalten zu haben.

Das Projekt hat auch eine wissenschaftliche Komponente. Welche Erkenntnisse konnte man erlangen? Was ist wohl der wichtigste Erkenntnisgewinn im Bezug auf die zukünftige Energieversorgung?
Die Erkenntnisse aus dem e-Home Projekt sind dank der engen Begleitung durch forschende Universitäten in Niedersachsen zahlreich. Wir konnten Antworten auf wichtige Fragen für die Energiezukunft gewinnen: Wie verhält sich der Kunde im Haus der Zukunft? Welche Technologien setzen sich wirklich durch? Und wie können wir dem als regionaler Netzbetreiber nachhaltig und innovativ im Rahmen unserer Planung von Stromnetzen begegnen? Eine wichtige Erkenntnis hierbei ist die Tatsache, dass sich einfache und robuste Konzepte durchsetzen, wenn sie das Kundenbedürfnis in den Mittelpunkt stellen. Avacon versteht sich in diesem Zusammenhang als zuverlässigen Dienstleister für den Kunden und stellt mit innovativen und nachhaltigen Netztechnologien ein Stromnetz bereit, welches den Anforderungen der Kunden heute und auch in Zukunft gerecht wird.

Auf der Projektseite steht, dass diese Art der Energieversorgung 2020 in vielen Haushalten Realität sein wird. Ist man sich da sicher, denn es sind nur noch drei Jahre?
Wir haben wesentliche Bausteine in unseren „e-Homes“, welche wir seinerzeit im Jahr 2020 gesehen haben. Hierzu zählen insbesondere die eigene Stromerzeugung mittels Photovoltaikanlage und Elektroauto vor der Tür. Vor allem die eigene Stromerzeugung ist bereits heute in vielen Haushalten auch außerhalb des e-Home Projekts gelebte Realität. Auch das Thema Elektromobilität gewinnt seit letztem Jahr in der breiten Öffentlichkeit mehr und mehr an Gewicht. Hier steuern wir auf einen Marktdurchbruch zu. Zudem wird der intelligente Zähler bald in vielen Haushalten Einzug halten und so für noch mehr Transparenz und ein neues Bewusstsein beim Stromverbrauch sorgen. Auch weitere Schlüsseltechnologien, wie Klimatisierung und heimische Batteriespeicher haben wir untersucht. Bei der Klimatisierung sehen wir keinen nahen Marktdurchbruch. Bei den Batteriespeichern haben wir viel über die erste Generation von Hausspeichern lernen können und sehen in einigen Punkten noch Forschungsbedarf auf Herstellerseite, beispielsweise bei der Effizienz. Mittelfristig wird diese Technologie in den Haushalten unserer Kunden aber mit Sicherheit eine Rolle spielen.

Was konkret haben die Netze von Avacon mit einer Umstellung der Energieversorgung zu tun?
Unsere Netze sind die Lebensadern für die Energiewende. Bereits heute transportieren wir über unsere Stromnetze in Nieder-, Mittel- und Hochspannung mehr erneuerbare Energien als die Kunden insgesamt verbrauchen. Wir verstehen uns bei Avacon als Unterstützer der Energiewende und wesentliches Rückgrat für eine erfolgreiche Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien. Damit dies auch volkswirtschaftlich effizient gestaltet werden kann, forschen wir wie im e-Home Projekt intensiv an innovativen Netzkonzepten und neuen Technologien, um die Energiewende aktiv mitzugestalten.

Welche Umstellungskosten würden auf einen zukommen und würde es sich finanziell rentieren? Wenn ja, ab wann?
Die eigene Stromerzeugung mittels Photovoltaikanlage auf dem Dach ist bereits seit einigen Jahren rentabel – insbesondere wenn ein großer Teil des selbsterzeugten Stroms vor Ort direkt verbraucht wird. Ein Elektroauto ragt langsam aber sicher an die Rentabilität im Vergleich zu einem Verbrenner heran. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan! Einerseits was Reichweiten und Preise angeht, andererseits auch hinsichtlich finanzieller Zusatzanreize, wie die Bundesförderungen für den Kauf von Elektroautos oder unser e-Load Förderprogramm von Avacon, bei dem wir den Kauf eines Elektroautos ebenfalls finanziell unterstützen, wenn dieses nachhaltig mit grünem Strom aus der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach versorgt werden kann.

Warum war es nötig, das Projekt über einen so langen Zeitraum wie sechs Jahre durchzuführen?
Zu Beginn haben wir das Projekt auf drei Jahre angelegt. Im Laufe der Projektzeit haben wir in unserer Forschung viele Fragen beantworten können. Gleichzeitig sind neben den Ergebnissen in diesem Zusammenhang aber auch viele neue, höchstinteressante Folgefragen aufgekommen, deren Beantwortung wir unbedingt vorantreiben wollten. So haben wir im Jahr 2014 das Projekt um weitere drei Jahre verlängert und in dieser Zeit weitere, wichtige Erkenntnisse für die Zukunft der Energieversorgung gewinnen können.

Gab es auch an manchen Stellen Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Die Basis für ein erfolgreiches Projekt ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Projektteilnehmern, Partnern und Kommunen vor Ort. Und dies haben wir im e-Home Projekt sechs Jahre sehr erfolgreich gestaltet. Wie der Name „e-Home Energieprojekt 2020“ bereits vermuten lässt, ist die Forschung an der Zukunft aber auch keine standardisierte Arbeit, sondern agiles und jeden Tag erneut spannendes Projektgeschäft. Insbesondere beim Einsatz von neuen Technologien tauchen hier und da natürlich mal Schwierigkeiten auf, weil es sich um Prototypen handelt, die erst in einigen Jahren massenmarkttauglich sein werden und in unserem Projekt aktiv erforscht werden sollen. Dort wo es mal etwas hakt, kann man erfahrungsgemäß manchmal sogar die wirklich wichtigen Erkenntnisse für die Beantwortung unserer Zukunftsfragen gewinnen, wie z.B. für die Marktreife von Technologien. Zu einem Projekt gehört das Austesten und Ausprobieren, um wirklich ernsthafte Forschung zu betreiben. Dank der tollen Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten wir dadurch in sechs Jahren e-Home Projekt sehr interessante Forschungsergebnisse gewinnen.

Wie haben die Teilnehmer ihr e-home wahrgenommen und wie fällt ihr Fazit aus? Gab es Probleme? Was waren die Vorteile?
Die Teilnehmer sind das Herz unseres e-Home Projekts. Ohne ihre aktive Projektmitarbeit wäre ein so großer Praxistest von Forschung am Stromnetz gar nicht denkbar. Wir haben in den sechs Jahren des Projekts viel von und mit unseren Projektteilnehmern lernen können. Unsere Maßgabe ist es stets, die Haushalte kontinuierlich informiert zu halten und auch mit Problemen im Projekt offen und auf Augenhöhe umzugehen. Das Feedback unserer Teilnehmer zeigt uns, dass wir mittlerweile auf eine sechs Jahre lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit zurückblicken können, wo sich der eine auf den anderen stets verlassen kann und auch der persönliche Kontakt nicht zu kurz kommt. Insbesondere dieser persönliche Kontakt vor Ort ist aus unserer Sicht ein entscheidender Erfolgsfaktor für die tolle Zusammenarbeit.

Worin liegt nun der Schlüssel, dass eine Trendwende in Sachen Energieversorgung herbeigeführt wird? Bisher gibt es nach wie vor verschwindend wenig Photovoltalkanlagen und auch wenig Häuser mit Wärmepumpen.
Die Energiewende ist insbesondere in den letzten gut fünf Jahren rasant vorangegangen. Im Bereich Photovoltaik und Windenergie hat es in Deutschland einen starken Schub hin zu erneuerbaren Energien gegeben. Dieser Trend ist mittlerweile bereits zu einem Richtungsentscheid in der breiten Bevölkerung gewachsen, sodass wir die Trendwende aus unserer Sicht bereits erreicht haben und schon heute aktiv die Zukunft mit mehr und mehr erneuerbaren Energien gestalten.

Warum betrifft uns das Energieversorgungsproblem alle? Könnte man eine komplette Umstellung in großen Teilen Deutschlands der ländlichen Region tatsächlich schaffen?
Insbesondere Avacon als ländlich geprägter Netzbetreiber gestaltet das Thema Energiewende bereits seit vielen Jahren aktiv mit. Denn gerade im ländlichen Raum findet die Energiewende statt – dort sind die Orte, wo Photovoltaikanlagen, Windräder und Biogasanlagen stehen. Wie bereits erwähnt, ist bei uns im Netz die komplette Umstellung rechnerisch bereits Realität, da wir mehr erneuerbaren Strom aufnehmen als an unsere angeschlossenen Kunden insgesamt abgegeben wird. Von den ländlich geprägten Regionen wird daher ein wichtiger Impuls in Richtung der Ballungsgebiete für die komplette Umstellung auf erneuerbare Energien in Deutschland ausgehen.

Elektroautos waren auch Teil des Projektes – Zukunft oder Nischenprodukt?
Die Elektromobilität ist insbesondere für uns als Netzbetreiber eines der spannendsten Themen in der nahen Zukunft. Im e-Home-Projekt sind wir vor sechs Jahren mit der Idee gestartet, dass sich Elektromobilität in unserem überwiegend ländlichen Versorgungsgebiet unter bestimmt Aspekten durchsetzen wird. Unser Forschungsansatz besteht aus dem Einfamilienhaus (zuhause Laden) in Kombination mit einer Photovoltaikanlage (Laden mit Grünstrom) und dem Pendler-/Zweitwagenbereich (moderate Entfernungen). In rund sechs Jahren Fahrpraxis hat sich diese Idee bestätigt. Unsere Projektteilnehmer haben ihre anfängliche Skepsis gegenüber der Technologie Elektroauto komplett abgelegt und fahren mit dem Elektroauto inzwischen oft häufiger als mit ihrem Erstwagen. Das spricht für sich, denke ich. Ein kleines Zahlenbeispiel: Zu Beginn des Projekts haben wir die jährliche Fahrleistung unserer Teilnehmer im Schnitt auf ca. 5.000 Kilometer geschätzt. Die Auswertung nach sechs Jahren gelebter Elektromobilität zeigt, dass die Elektroautos im Schnitt sogar über 10.000 Kilometer jährlich gefahren wurden, also doppelt so viel! Dieser Trend zeigt, dass der Elektromobilität langfristig die Zukunft gehören wird – mit den aktuell auf den Markt kommenden neuen Generationen von Elektroautos mit deutlich höherer Reichweite möglicherweise schon sehr bald!

Über Florian Krüger 63 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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