360-Grad-Perspektiven

ein Interview mit Jonas Ginter

Der Bremer Jonas Ginter ist außergewöhnlich, denn wenn er behauptet, er habe seine Augen überall, dann ist das nicht nur irgendeine Floskel, sondern eine wahre Aussage. Im Frühjahr 2014 gelang ihm nämlich eine Sensation: Er stellte ein einminütiges Video ins Netz, worin er mit dem Fahrrad an der Weser entlang radelt. An sich noch nichts Besonderes, doch der Zuschauer wird seinen Augen kaum trauen, denn die Bewegtbilder nehmen die Umgebung im 360-Grad-Winkel auf. Diese außergewöhnliche Perspektive bescherte Jonas Ginter über 2 Millionen Klicks und Anfragen aus der ganzen Welt – ein wahrer Hype um die Rundumperspektive begann.

Worin besteht das Neue in deiner Erfindung?
Das Ganze ist nicht ganz so einfach. Ich selber bin keineswegs der Erfinder der 360-Grad-Perspektive, sondern ich bin lediglich einer der Pioniere. Mir gelang es nach jahrelangem Tüfteln, die 360-Grad-Perspektive in Bewegtbildern darzustellen und als ich meinen ersten Versuch dazu ins Netz stellte, wurde das praktisch über Nacht millionenmal angeklickt.

Wie fühlt sich das an, wenn man über Nacht zum „You-Tube-Star“ wird?
In erster Linie natürlich klasse, aber das mein Video derartig viral ging, das hätte ich mir nicht ausgemalt. Ich glaube, dass man so etwas auch nicht vorausberechnen kann. Ich war eben einer der Ersten auf einem Gebiet, welches die Menschen fasziniert und so erkläre ich mir den Hype.

Wie lang war der Weg bis hin zu diesem ersten Video?
Ich war schon einige Jahre davor völlig begeistert davon, alles auf einem Bild sehen zu können. Und so begann mein Interesse für diese Rundumperspektive. Ich habe zwar Journalistik studiert, aber war schon immer ein Bastler. Ich glaube, nur so kann man verrückt genug sein, um sich so an einer Sache festzubeißen.

Letzten Endes mit großem Erfolg. Du hattest seitdem zahlreiche Aufträge überall auf der Welt.
Ja, das ist immer noch unfassbar für mich. Das Video war in gewisser Hinsicht ein Segen für mich, denn so wurden viele Firmen auf mich aufmerksam und so flatterten die ersten Jobs ins Haus. Seitdem war ich in vielen Ländern der Welt – Thailand, Spanien, Norwegen …

Was war dein spannendster Auftrag?
Puh, das ist echt schwer. Gerade letztens haben wir unser Gestell auf ein Segelflugzeug montiert, um die Aufnahmen zu machen. Minuten vorher habe ich erfahren, dass ich mitfliegen soll – da hatte ich schon ein bisschen Angst … Aber genau diese Erlebnisse faszinieren mich an meinem Job und das macht den Reiz für mich aus. Wir müssen immer wieder neue Probleme lösen und uns den Gegebenheiten anpassen.

Sind nicht auch andere große Unter- nehmen daran interessiert?
Natürlich. Es ist aber noch ein bisschen „Wild- west“ – alle probieren noch rum und so denke ich, dass 2016 das Jahr für die 360-Grad-Brillen wird. Ich weiß, dass fast alle großen Technikunternehmen auf diesem Gebiet forschen und aktiv sind. So hat Facebook die 360-Grad-Brille „Oculus“ für 2 Milliarden gekauft. Wir produzieren sozusagen für solche Brillen das Material.

Was macht das Ganze so extrem schwierig?
Das Schwierigste daran ist die Nachbearbeitung. Nach einem Drehtag haben wir manchmal 700 Gigabyte Material, weil wir in bis zu 9K filmen. Das Ganze muss äußerst aufwendig am Computer bearbeitet werden und durch riesige Rechenleistungen entsteht dann nach mehreren Tagen der Film.

Hast du den Weg komplett alleine bestritten?
Anfangs war es wirklich ein Ding nur für mich. Ich habe mich daran versucht und aus Interesse daran rumgebastelt. Erst auf der Zielgerade hatte ich Unterstützung von den Jungs von Hacker e.V. aus Bremen. Die haben für mich das Gerät mit dem 3D-Drucker produziert und mir in einigen Fragen zur Seite gestanden. Jetzt habe ich natürlich ein kleines Team um mich herum, da wir sonst die Vielzahl von Aufträgen gar nicht erledigen könnten.

Vielen Dank für das Interview!
(lacht) Sehr, sehr gerne! Es freut mich immer wieder, wenn ich Leuten von meinem Projekt berichten kann, weil es einfach genau mein Ding ist! Jeder sollte genau das machen, was ihm entspricht!
Spektakuläre Bilder unter: http://www.jonasginter.de

Über Florian Krüger 74 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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