Joris – Interview

WANTED im Gespräch mit dem dreimaligen Echo-Gewinner

Joris hat sich mit seinen Chart-Erfolgen „Herz über Kopf“ und „Bis ans Ende der Welt“ in die Herzen vieler (weiblicher) Radiohörer katapultiert.

Der 26-jährige Singer-Songwriter hat im Frühjahr 2015 sein Debütalbum „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ veröffentlicht und einige Konzerte gegeben. Eines davon war die Breminale im vergangenen Jahr, bei der das WANTED-Team auf Joris aufmerksam geworden ist. Der lebt ja nicht nur im Radio, sondern auch auf der Bühne! Fast unmöglich zu beschreiben, wie gut der Auftritt war. Als er dann erzählte, dass er aus Stuhr komme, war die Stimmung ungebrochen. Und für uns stand fest: Den müssen wir mal interviewen.

Wenn seine Stimme nicht so einzigartig wäre und seine Texte nicht immer wieder aufs Neue berühren würden, wäre Joris sicherlich schon weg vom Fenster der erfolgreichen Singer-Songwriter der Republik. Dem ist aber nicht so. Wir haben es ausprobiert. Es vergeht seit Monaten kein Tag in Deutschland, an dem seine Songs „Herz über Kopf“ und „Bis ans Ende der Welt“ nicht mindestens einmal im Radio laufen.

Es ist ein kalter Montagnachmittag, als das Handy stumm vibriert. „Verborgene Nummer“ – uns ist klar, dass nur Chartstürmer ihre Nummern unterdrücken und nehmen ab. „Hi, Joris hier“. Er ist es wirklich. Ja, DER Joris. Der aus dem Radio. In den ersten Momenten sind wir unfassbar aufgeregt, bis wir uns endlich fangen und bemerken, dass er ja voll bodenständig geblieben ist. Ein sympathischer Kerl, der viel unterwegs ist. Eine Schulterverletzung, die ihn zum Reflektieren animiert. Und 26 Jahre harte Arbeit am Glas … Aber wir wollen auch nicht zu viel vorwegnehmen, also – PLAY!

Du hast letztes Jahr auf der Breminale gespielt. Wie hast du deinen Auftritt in Erinnerung?
Das war extrem geil, wie immer (lacht). Ich fühle mich auf Bühnen einfach sehr wohl. Bei der Breminale hatten wir einen Wohnwagen als Backstage-Bereich und mit der Bühne war das eine Herausforderung, weil die Fläche aufgrund der Weser und des Deichs eingeschränkt war.

Der Abschluss deiner „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“-Tour fand in Bremen statt. Gab es da einen besonderen Grund für?
Wir mussten die Tour und die Auftritte verschieben, weil ich mir die Schulter letztes Jahr verletzt habe. Die Tour endete deswegen in Bremen, aber nur, weil wir unbedingt in Bremen feiern wollten (lacht).

Wie fühlt es sich an, die Charts zu erobern?
Es ist ein toller Beigeschmack. Viel toller ist es jedoch, auf den Konzerten zu sehen, dass alle deine Musik kennen und die Songs mitsingen können. Das ist teilweise sehr skurril, weil das ja eigentlich „meine“ Musik ist, aber natürlich auch ein sehr schönes Gefühl.

Hattest du mit dem Erfolg gerechnet?
Ich habe immer daran geglaubt, dass meine Musik besonders ist, aber mit Erfolg kann man nie rechnen.

Wie verändert der Erfolg dein Leben? Wie sehen die positiven und negativen Auswir- kungen aus?
Ich denke, das Positive und Negative ist oft das Gleiche. Letztes Jahr war ich nur zehn Nächte in meiner WG zuhause und sonst reist man immer rum. Andererseits habe ich mir dieses Leben immer so gewünscht. Meine Band und die Crew ist zu einer zweiten Familie für mich geworden – keine Ruhe kann sich aber auch negativ auswirken.

Wie viele Stunden Arbeit müssen investiert werden, damit du zufrieden bist?
Ich habe für „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ anderthalb Jahre im Studio verbracht. Manchmal dauert es nur einen Tag für einen Song, manchmal ist das ein Prozess über Monate hinweg. Da gibt es keine Faustregel – zum Glück, sonst wäre es Schreiben nach dem Schema F.

Schreibst du deine Texte selber?
Ja, ich schreibe die Texte und die Musik selbst. Auch die Konzerte plane ich selbst mit.

Wodurch sind deine Texte inspiriert – sind sie autobiographisch?
Ein Teil meiner Texte ist autobiographisch. „Im Schneckenhaus“ zum Beispiel oder die Hassliebe bei „Herz über Kopf“ habe ich selbst erlebt. Andere Songs sind wiederum von meinem Umfeld inspiriert. Mein bester Kumpel hat seinen Vater durch Krebs verloren und ich habe bewundert, wie positiv er mit dieser schrecklichen Situation umgegangen ist. Dadurch ist der Song „Bis ans Ende der Welt“ entstanden. Manchmal lasse ich aber auch meinem Wunschdenken freien Lauf.

Die klassische Fragen an die Künstler: Warum machst du überhaupt Musik?
Oh, da gibt es zahlreiche Gründe für. Ich habe schon mit fünf Jahren angefangen, Musik zu machen. Das macht mich einfach glücklich – dass man das Emotionale nicht nur in Sprache, sondern auch in der Musik verpacken kann. Und die Stimmung bei den Auftritten ist noch mal eine Sache für sich.

Wie lange muss man an seiner Stimme arbeiten, damit sie so unverkennbar wird? Oder wurde sie dir in die Wiege gelegt?
Whiskey und Zigaretten – und 26 Jahre harte Arbeit am Glas (lacht). Nein, Spaß beiseite. Ich denke, da ist viel Biologie mit im Spiel und natürlich das Quäntchen Glück.

Du hast deine dritte Deutschlandtour gespielt. Was hat sich geändert?
Grundsätzlich ist es immer etwas Besonderes, auf der Bühne vor einem Publikum spielen zu dürfen. Das ist das, was jeder Künstler will. Deshalb habe ich vor jedem Auftritt tierisch Bock. Geändert hat sich die Größe der Locations, aber ich bleibe mir selbst treu. Ich plane mit meiner Crew immer etwas Neues. Doch der Reiz liegt vor allem darin, dass Dinge passieren, die man nie vorhersehen kann.

Letzten Sommer hast du dir eine schwere Schulterverletzung zugezogen. Inwiefern hat sich das auf dein Leben ausgewirkt?
Vor der Verletzung ist alles an mir vorbeigerast. Manche Dinge konnte man gar nicht mehr richtig wahrnehmen. In dem Sinne hat die Schulterverletzung etwas Ruhe in mir einkehren lassen. Ich hatte viel Zeit, die letzten Monate zu reflektieren.

Und wie hat sich das auf die Entwicklung deiner Musik ausgewirkt?
Es war gut, ein wenig Distanz zu gewinnen. Dadurch gab es auch neue, musikalische Einfälle.

Wann können wir uns auf ein neues Album von dir freuen?

Da mache ich mir keinen Druck. An meinem letzten Album habe ich insgesamt vier Jahre geschrieben … Ich kann dahingehend also noch nichts verkünden.

Wie sieht die typische Promophase für ein neues Album aus?
Also beim letzten Album war es so, dass es im Februar 2015 fertig und abgemischt war. Bis zur Veröffentlichung am 10. April bin ich mit meiner Crew durch Deutschland gereist, um Radiosender zu besuchen – dabei kam es schon mal vor, dass es bis zu drei am Tag waren.

Vielen Dank für das Interview!

Dieses Interview führten Joshua Brauns & Florian Krüger.


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