Kayef über die Deutschlandtour, verrückte Fans und seine Badewanne

© Kayef/Takeover MGMT.
 Zu aller erst einmal, wie war deine zweite Deutschlandtour für dich?
Ich hätte auf jeden Fall noch Bock weiterzumachen, keine Frage (Bremen ist der letzte Tourstopp der Chaostour gewesen, Anm. d. Redaktion). Trotzdem muss man bedenken, dass ich jetzt eigentlich seit November durchgängig unterwegs war, da ich erst noch mit den „Lochis“ auf Tour war und dann kam jetzt die Chaos-Tour. Gefühlt war ich ein halbes Jahr lang auf Tour und freue mich jetzt auch mal wieder ein bisschen darauf, etwas Anderes zu machen – neue Mucke im Studio machen, wahrscheinlich für zwei Wochen mit Topic nach Australien. Im Herbst geht es dann wahrscheinlich aber schon wieder auf Tour.

Was löst es in dir aus, wenn man sieht, dass in ganz Deutschland hunderte Fans zu deinen Konzerten kommen und deine Texte mitsingen können?
Im ersten Moment kommt da Demut bei mir hoch, es ist einfach überwältigend und mega krass für mich. Es ist jetzt ja auch schon meine zweite Deutschlandtour und viele sind immer noch am Start und fahren dann durch die Nacht zu einem Tourstopp, nur um in der ersten Reihe zu stehen. Ich habe bei meinem Auftritt in Dortmund noch mit zwei Fans geredet, die zu mir meinten: „Ja, wir nehmen jetzt den Flixbus und fahren nach Bremen, um dich da nochmal zu hören.“ Bei den Autogrammstunden ist es für mich auch immer wieder krass zu hören, dass zum Beispiel Freundschaften durch meine Musik geschlossen worden sind. Ich versuche ja auch noch nach wie vor, nach den Auftritten noch mit jedem ein Foto zu machen und Autogramme zu geben.

Stand dieser Plan schon von Anfang an deiner YouTube-Karriere fest oder was würdest du tun, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?
Wenn es nicht geklappt hätte würde ich eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton machen. Das war ja auch die Ausbildung, die ich angefangen habe, aber abgebrochen habe, um die Musik durchzuziehen. Ich denke mal, wenn das mit der Musik nicht mehr laufen würde, dann würde ich Musikvideos für andere Leute drehen und neben der Musik damit meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich habe schon immer gerne gefilmt und bin auch relativ fit, was Fotos und Fotobearbeitung angeht. So etwas würde ich dann auch machen – „irgendwas mit Medien“ halt (grinst).

Siehst du dich eher als YouTuber oder Musiker und wie stehst du zum Rest der aktuellen YouTube-Szene?
Für die meisten Leute bin ich erstmal ein YouTuber und dagegen anzureden, macht halt auch wenig Sinn, vor allem, weil die Plattform YouTube kein Spartenthema mehr ist. Dennoch ist es so, dass ich auf YouTube hauptsächlich Musikvideos und Vlogs – zum Beispiel zur Tour – hochlade. Somit bleibt es jedem selbst überlassen, wie er mich nun nennt, aber in den Köpfen der Leute werde ich das YouTuber Ding nie rausbekommen. Auch, wenn die Umschreibung „Ein YouTuber, der rappt“ so krass vorbelastet ist. Da sind halt auf YouTube ganz schlimme Sachen teilweise unterwegs und da muss man dann mit Qualität rausstechen.

In dem Song „mein Herz“ von vor sechs Jahren stehst du in Justin Bieber Manier vor der Kamera und hast auch damals schon zahlreiche Mädchen begeistert. Was hat sich musikalisch seitdem verändert?
Seitdem hat sich musikalisch alles verändert. Ich habe viel dazugelernt und meinen eigenen Stil gefunden. Früher habe ich noch mehr HipHop gehört und jetzt sind andere Einflüsse in meinen musikalischen Stil gekommen. Natürlich hat sich auch der Style verändert und ich trage die Haare nicht mehr so wie Justin Bieber einst als Pony vor der Cap.

Was ist das Beste an deinem Job?
Richtig krass ist es, dass ich genau das machen kann, was mir Spaß macht. In meinem Team habe ich nur Freunde, mit denen ich schon lange zusammenarbeite und mit denen ich auch sonst einfach freizeitmäßig Musik gemacht hätte. Demnach kann ich auf der Bühne meiner Leidenschaft nachgehen, der Musik und das ist das Größte für mich.

Du hast einen „Badefetisch“. Ist nach der Tour erstmal einen Tag lang Dauerbaden angesagt oder worauf freust dich nach der Tour am meisten?
Ich freue mich auf jeden Fall total auf das Baden, weil ich durch die Tour auch sehr dreckig geworden bin. Auf meine eigene Badewanne freue ich mich hart. Nach manchen Terminen auf der Tour haben wir zuhause geschlafen, weil es so nah war und da habe ich mir immer vorgenommen, dass ich in die Badewanne gehe. Daraus ist dann aber nichts geworden, weil ich einfach so erledigt war. Ich habe auch mal ausgerechnet, dass ich am Tag so circa 3,5 Stunden in der Badewanne sitze, bis ich schon so richtig verschrumpelt bin. Mein iPhone ist jetzt auch dabei draufgegangen – mein Home-Button ist jetzt durch das ganze Baden kaputt gegangen, weil ich das Handy halt auch immer mit in der Badewanne hatte.

Gibt es einen Song, der dir spontan einfällt, bei dem du sagen würdest, dass er dein eigener, persönlicher Favorit ist? Warum ausgerechnet dieser Song?
Von mir persönlich ist es schwer zu sagen, weil eine Zeit lang höre ich es voll oft, weil wir es produzieren und dann höre ich es aber eine Zeit lang gar nicht mehr. Ich glaube, „Relikte letzter Nacht“ ist so vom ganzen Ding her einer meiner Favorits. Ich habe früher so viel Rap gehört und würde jetzt spontan irgendwas Rapmäßiges sagen. Jon Bellion ist für mich auch so einer der besten Artists der Welt. Songs wie „All Time Low“ oder „Guillotine“ feier ich krass, auch wenn ich Jon Bellion jetzt erst seit ein, zwei Jahren kenne. Wenn ich ihn früher gefunden hätte, wäre das bestimmt mein Evergreen. Jeder, der Jon Bellion noch nicht kennt, sollte sich ihn mal anhören.

Du hast die Akustik-EP veröffentlicht und dein neues Album Chaos rausgebracht. Das Eine ist eher ruhig und melodisch und das andere geht mehr nach vorne und mutet energischer an. Was fandest du cooler? In welche Richtung geht dein nächstes Projekt?
Beides war irgendwie cool, aber insgesamt hat mir das Chaos-Album mehr Spaß gemacht, weil ich selber auch viel mehr Sachen höre, die nach vorne gehen und zum Partymachen sind. Deshalb fände ich das cooler. Dieses Jahr steht dann auf jeden Fall auch noch neue Musik an. Mal gucken, ob ich eine neue EP rausbringe oder eine Single für den Sommer – solche Sachen sind auf jeden Fall geplant. Da kommt dann wieder bestimmt sowas wie in die Richtung von „Weck mich nicht auf“, weil das ist jetzt auch so der Lieblingssong von dem Album neben „Schwarzweissgrau“ ist. In die Richtung werden die neuen Produktionen gehen, weil mir das auch am meisten Bock macht zu spielen. Auch wenn wir jetzt im Sommer Festivals spielen, macht das halt am meisten Spaß, die Songs zu zocken, die nach vorne gehen.

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