Zukunft – Spezial

© Lumppini
Es gibt wohl nichts Komplexeres als das Leben an sich und so ist die Vielfältigkeit, die jeden das ganze Leben über begleitet, unbegreiflich groß. Doch was bewirkt diese Vielfältigkeit im Menschen und warum kommen einige damit zurecht und andere weniger?
Zukunftsangst hat wohl jeder schon mal gehabt und doch gibt es ganz unterschiedliche Ausprägungen und Elemente dieser Angst. Das Leben in unserer hochkomplexen Gesellschaft bietet zahlreiche Chancen und genauso viele Abgründe. Wie soll man also damit umgehen und am besten jeden Abgrund überspringen und nur die Chancen am Schopfe packen? Auf diese Frage ein Patentrezept zu finden, wäre wohl der goldene Schlüssel zum glücklichen und sorgenfreien Leben. Wir vom WANTED-Magazin haben uns trotzdem auf die Suche gemacht und schnell festgestellt, dass auch wir diesen Schlüssel nicht finden werden. Trotzdem haben wir mit der Zeit festgestellt, dass man den Schlüssel vielleicht gar nicht braucht, denn manchmal helfen auch unkonventionelle Methoden, wie etwa durch das Fenster einzusteigen oder von der Brechstange Gebrauch zu machen – alternativ klopft man einfach ganz höflich und gelassen an die Tür der Zukunft.
Das Leben verläuft nie auf geraden Wegen und ein schönes Sprichwort von Goethe besagt: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“ Doch wie viel können wir aus diesen Lebensweisheiten ziehen? Was ist die Quintessenz und wie wenden wir diese an?
Wir vom WANTED-Magazin haben deshalb mit Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen gesprochen, um herauszufinden, ob und inwiefern sich Parallelen beim Nachdenken über die eigene Zukunft auftun.
Was hindert den Menschen daran, gelassen in die Zukunft zu blicken? Warum lassen wir die Dinge nicht einfach auf uns zukommen?
Angst vor etwas ist sinnvoll, um Risiken bewerten zu können und hilft einem dabei, die Situation richtig einschätzen zu können. Ängste sind genau wie Schmerzen ein Instrument, um Auswege zu suchen.
Die moderne Gesellschaft fordert sehr viel von uns und bietet uns immer geringere Ziele an. So zumindest empfinden es viele.
Im Vordergrund steht die Leistung. Wir definieren uns immer mehr durch Abschlüsse, Zertifikate und Weiterbildungen. Das verursacht in den Menschen nicht nur Druck, sondern auch Unzufriedenheit bis hin zu Angst.
Hinzu kommen gesellschaftspolitische Themen wie Angst vor Terror, Kriegen und Flüchtlingszuströme. Die Sorge vor einer Rezession und ein stärkeres Auseinanderdriften Europas stehen aktuell zusätzlich im Vordergrund und beeinflussen eine optimistische Sicht auf die Zukunft.
Das Positive daran: Ein gewisses Maß an Zukunftsangst ist manchmal sogar nützlich. Dadurch kann eine extra Portion an Energie aktiviert werden, die hilfreich sein kann, die alltäglichen Herausforderungen meistern zu können.
Außerdem ist Angst vor der Zukunft im Jugendalter etwas ganz Normales. Ein kleiner Trost: Mit zunehmendem Alter nehmen die Zukunftsängste wieder ab, können aber im höherem Alter wieder erneut eine Rolle spielen, da heutzutage die finanzielle Zukunft nicht eindeutig gesichert ist oder viele Menschen auch alleine leben und keine gesellschaftlichen Aufgaben oder Pflichten haben.
Zukunftsängste beschäftigen sich oft mit dem Job, der Familie und der Gesundheit – liegt dies an der Essentialität der Dinge oder worin sehen Sie die Hauptursache?
Zunächst muss man verstehen, was Angst überhaupt bedeutet. Ein bisschen Angst ist lebenswichtig, um in gefährlichen Situationen schnell davonlaufen zu können oder sich zu schützen. Angst ist ein Grundgefühl. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen wie etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. Krankhaft übersteigerte Angst wird als Angststörung bezeichnet. Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die sinnesschärfender Schutzmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten wie z.B. Flucht einleitet.
Diese Aufgabe kann sie nur erfüllen, wenn weder zu viel Angst das Handeln blockiert noch zu wenig Angst reale Gefahren und Risiken ausblendet. Die körperlichen Symptome der Angst sind normale, also nicht krankhafte physische Reaktionen, die bei einer realen oder fantasierten Gefahr die körperliche oder seelische Unversehrtheit, im Extremfall also das Überleben, sichern sollen.
Sie sollen ein Lebewesen auf eine Kampf- oder Flucht-Situation vorbereiten. Dies zeigt sich durch körperliche Symptome, wie eine gesteigerte Herzfrequenz.
Neben individuellen Reaktionen hat das Zeigen von Angst – etwa durch den charakteristischen Gesichtsausdruck oder durch Sprache gegenüber anderen – den sozialen Sinn, um Schutz zu bitten.
In unserer Gesellschaft definieren wir uns grundsätzlich über Beruf, Familie und Gesundheit. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Werbung im Fernsehen: „Mein Haus, mein Auto, meine Familie“. Alle drei Bereiche stehen in direkter Abhängigkeit. Bei einem Ungleichgewicht kommt schnell das gesamte Konstrukt ins Schwanken. Dies ist jedoch sehr pauschal. Jeder Mensch ist individuell und hat seine Prioritäten woanders.
Die Bedürfnisse nach Sicherheit sind somit unterschiedlich ausgeprägt. Der Eine ist ängstlicher als Andere. Manche Menschen lieben das Unbekannte – es gibt ihnen Kraft. Andere wiederum streben nach der gewissen Sicherheit und Vertrautheit. Zusammenfassend ist es ein Zusammenspiel aus unseren genetischen Faktoren, aber auch der Erziehung und unseren Erfahrungen in der Kindheit und Jugendzeit. Alle Faktoren haben einen großen Einfluss auf unsere Zukunftsängste.
Wie sollte man am besten auf solche Gedanken reagieren? Wie lassen sich diese Gedanken verdrängen?
Eine interessante Frage, die gleichzeitig eine Antwort implementiert.
Verdrängung ist nie eine gute Lösung, wird aber tatsächlich von allen Menschen betrieben. Verdrängung hat zwar die Aufgabe, kurzfristig den Selbstschutz der psychischen Stabilität zu wahren; langfristig kann diese Haltung einen ernsthaft krank machen und somatische, psychosomatische oder psychiatrische Erkrankungen auslösen.
Aber auch in schwierigen Zeiten gibt es Perspektiven – man muss sie nur sehen.
Hilfreich für die Bewältigung von Zukunftsängsten ist vor allem ein gesundes Selbstvertrauen. Dies gilt es zu stärken. Denn je mehr wir an uns und unseren Fähigkeiten zweifeln, desto mehr Sorgen machen wir uns. Das persönliche Handeln und Denken ist die entscheidende Komponente für ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Deshalb ist es ratsam, sich Gedanken über die eigenen Talente, Fertigkeiten und Eigenschaften zu machen. Das hilft, die eigene Leistung besser einschätzen zu können, und eine positive Sicht auf die Dinge zu erlangen.
Kann man solche „schwarzen Gedanken“ auch umwandeln in eine Form von Positivität? Gibt es da einen Trick?
Phantasieübungen können hier helfen, das eigene Ziel wiederzufinden. Was für einen Wunsch verfolge ich? Wie sieht diese Ziel aus? Wie kann ich es erreichen? Welche Stärken habe ich? Es hilft, Antworte auf diese Fragen zu finden. Auch Selbstgespräche können den Rücken stärken oder auch professionelle Hilfe durch einen Psychologen, Psychiater oder Lebenscoach.
Prävention, anstatt Angst und Sorge!
Grundsätzlich gilt es für unser seelisches und körperliches Befinden, dass das Gefühl der Kontrolle besonders wichtig ist. Das bedeutet: aktiv werden und das Leben in die Hand nehmen.
Positives Denken kann trainiert werden.
Die Lebenseinstellung beginnt im Kopf. Es hat etwas damit zu tun, was man vom Leben erwartet und was man befürchtet. Es kommt darauf an, was der Mensch in seinem Leben für positive aber auch negative Erlebnisse in seinem Gedächtnis gespeichert hat. Hat sich der Mensch besonders viele traurige Erlebnisse und Niederlagen gemerkt, werden die Gedanken eher negativ sein.
Somit kann auch das positive Denken trainiert werden. Werden die positiven Ereignisse im Leben eines Menschen wahrgenommen und gespeichert, führt es im Gehirn dazu, dass es aufgrund dortiger Verarbeitung und Vernetzung zu einer positiven Lebensgrundeinstellung kommt.
Diese positive Lebensgrundeinstellung hat eine enorme Dynamik für das weitere Leben. Das bedeutet, Negatives wird in den Hintergrund gestellt und das positive Denken bestimmt den Denkinhalt. Das soll bedeuten, dass man seine Resilienz, d. h. die Fähigkeiten Krisen zu meistern, trainieren kann. Resiliente Menschen sind selbstbewusster, optimistischer und halten sich für glücklicher.
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Jung. Dynamisch. Anders. Frischer Wind in der Medienlandschaft durch Themenvielfalt und Qualitätsjournalismus. Lässig und professionell.

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