Anti-Establishment

Wie Pegida die heterogene Masse vereint - Ein Bericht von Siard Schulz

Pegida vereint schon seit über einem Jahr die Massen und nimmt terroristische Anschläge und die Flüchtlingskrise immer wieder als Anlass, um mehr Anhänger für ihre Bewegung zu mobilisieren. Grund für viele „aufrechte Deutsche“, sich in Dresden mit den zahlreichen Dresdenern zu solidarisieren. Wir als Schlafschafe nahmen dies als Anlass, Pegida aus nächster Nähe zu beobachten und tauchten ein in eine Atmosphäre, die Mensch erstmal sacken lassen muss. Eine Vielzahl an Eindrücken machte es zunächst gar nicht möglich, die Frage nach dem Interesse der Masse zu bestimmen.

Heute sind wir uns sicher, dass es nicht den einen Grund gibt, sondern dass genau dieser Pluralismus Pegida auszeichnet. Zum einen ist es der Antikapitalismus und Antiamerikanismus, der auf zahlreichen Plakaten thematisiert wurde. Im gleichen Atemzug ist deshalb auch die Sympathie mit Wladimir Putin zu betrachten, der zur Zeit versucht, die Macht des „Hauptfeindes“ Pegidas , dem IS, einzudämmen. Der Islam ist seit Beginn der Bewegung das Feindbild schlechthin. Mit Parolen wie „Asylmafia stoppen“ oder „Islam heißt Unterwerfung“ hat es viele Menschen auf den Platz der Semperoper gezogen. Das ist das Ergebnis der Ideologie, die von Vordenkern à la Tatjana Festerling, Lutz Bachmann und Akif Pirinçci monatelang installiert wurde.

Die Masse richtet sich darüber hinaus gegen die GEZ-Gebühren, da die „Lügenpresse“ ohnehin gleichgeschaltet sei und nie die Wahrheit berichten würde. Deshalb gab es vor der Veranstaltung einen Aufruf an alle Dresdener, sich an einer Unterschriftensammlung gegen die GEZ-Gebühren zu beteiligen.

Damit in Einklang steht der Protest gegen die Regierung, die – laut Pegida – eine antideutsche Politik, also gegen das eigene Volk, praktiziere. Frau Dr. Angela Merkel wird als Bundeskanzlerin zum Sündenbock einer „verfehlten“ Asylpolitik, die Signale im Sinne einer unbegrenzten Zuwanderung aussende. Orbán wird hingegen als Held gefeiert, da Ungarn sich durch den Zaun zwischen Ungarn und Serbien sowie Rumänien zunehmend abschottet und die Flucht so für Zehntausende erschwert.

Unterhält man sich mit den Leuten, so fällt auf, dass Unwissenheit und Ängste die Debatte dominieren. Vor allem ältere MitbürgerInnen sorgen sich um ihre Renten, Eltern um die Zukunft ihrer Kinder, Rechtspopulisten und Nationalisten um den Erhalt der deutschen Kultur und Tradition. Die Vordenker Pegidas haben es tatsächlich geschafft, Angst zu schüren, der sich in Hass wandelte. Anders ist das Attentat auf Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, nicht zu erklären. Die Politik hat die seit Jahren vorherrschende Politikverdrossenheit unterschätzt und erhält nun die Quittung: Die CDU fiel seit September 2013 um 8 Prozentpunkte auf 34 % (Insa-Wahltrend; Stand: 10.11.15). Der Bonner Parteienforscher Tilman Mayer meint: „Bei unter 30% ist die Kanzlerin weg“. „Gegen das europäische (Meinungs-)Diktat“ – das ist die Devise, die Pegida verfolgt.

Die Politik muss nun handeln und seine Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und mit ihnen in den Dialog treten. Andernfalls könnte sich die Lage weiterhin radikalisieren. Die Gefahr, dass Personen aus dieser ungewissen Situation Kapital schlagen wollen, ist hoch. Die AfD steht in ihren Startlöchern, allen voran Björn Höcke; aber auch die CSU geht mit Horst Seehofer auf Stimmenfang.

 

Mehr Einblicke gibt es hier: www.facebook.com/schlafschafe

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