Model im Interview: „bam, zack, Mailand!“

© Bernd Opitz

Wie kommt man in so jungen Jahren darauf, Model zu werden? War es ein Kindheitstraum oder purer Zufall?

Von mir persönlich war das nie wirklich ein Traum. 2015 wurde ich dann jedoch in Groningen auf der Straße von einem Modelscout angesprochen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich jedoch noch nicht meinen Realschulabschluss in der Tasche und habe erstmal abgelehnt und mich auf die Schule konzentriert. Im Oktober 2016 wurde ich dann nochmal angesprochen und habe die Chance dann genutzt – also keine Eigeninitiative. Zu dem Zeitpunkt habe ich auf einem Fest in meinem Heimatort in der Nähe von Oldenburg für meinen Friseur gemodelt. Als ich dann von der Bühne runterkam, hat mich tatsächlich ein Mann angesprochen, mir seine Karte gegeben und gesagt, dass ich mich melden soll.

Du warst schon als Model in Mailand. Worauf kommt es als Model wirklich an? Ist das in jungen Jahren anders als bei den Erwachsenen?

Meine Mutteragentur ist MGM und in Mailand war ich bei einer Agentur, die NEXT heißt und weltweit vertreten ist. Ich bin also bei NEXT in Mailand untergekommen und war dann für drei Wochen mit meinem Vater in Mailand. Dort habe ich mein Buch und mein Sedcard für die Agentur erstellt und war bei vielen Testshootings und Castings. Es ging im Prinzip darum, mit der Agentur zu arbeiten und habe mich auch Kunden vorgestellt, um präsent zu sein. Es war definitiv cool, mit richtig vielen Eindrücken. Im Grunde war es direkt aus meinem Dorf nach Mailand – so nach dem Motto „bam, zack, Mailand!“. Das Verhältnis in Mailand war auch ein ganz anderes, denn bei den Castings in Deutschland hatte ich immer Herzrasen und große Anspannung und in Mailand habe ich gelernt bei großen Kunden, mit teilweise dreimal so viel Models wie in Deutschland, ruhig zu bleiben und nicht so angespannt zu sein.

Viele Models sind sehr präsent auf den sozialen Netzwerken – du zeigst dich jedoch sehr privat und authentisch. Wie wichtig ist die Selbstdarstellung als Model?

Wenn ich ein Shooting hatte und da ein schönes Bild entstanden ist, dann möchte ich das auch gerne zeigen und teile es auf Instagram. Aber auf der anderen Seite ist es mir wichtig, dass ich mich authentisch zeige und deshalb poste ich auch nicht jeden Tag etwas. Ich bin da nicht so aktiv und eigentlich sollte ich mich als Model schämen, weil die Darstellung in den sozialen Netzwerken schon dazugehört. Dennoch ist es mir wichtig, dass ich da meinen Stil beibehalte und die Leute, die Interesse an mir haben, mich von meiner privaten Seite sehen. Ich verstelle mich nicht und deshalb habe ich auch nicht diesen Drang, jeden Tag etwas von jeder Situation zu posten. Natürlich geht es im Modelbusiness aber auch um Selbstdarstellung. Deswegen war es bei den Castings in Mailand immer so, dass ich mit meinem Vater im Auto saß und da war ich ganz ich selbst. Als ich dann mit meinen hohen Schuhen ausgestiegen bin, wusste ich, dass ich stark sein muss und habe bei den Kunden auch in gewisser Weise versucht, mich in den Vordergrund zu spielen. Im privaten Leben ist mir das gar nicht wichtig, aber das Umschalten klappt ganz gut.

© Berry Behrendt
© Berry Behrendt

Du gehst momentan noch zur Schule – gab es auch schon Schwierigkeiten durch die Doppelbelastung?

Bei den drei Wochen in Mailand hatte ich Glück, weil es die drei Wochen vor den Sommerferien waren. Dementsprechend waren die Klausuren durch und die Noten standen fest. Zum Glück habe ich einen Schulleiter, der das selber total feiert. Das liegt sicher auch daran, dass ich gut in der Schule bin und somit keine Probleme habe. Da ich jetzt in der 11. Klasse bin, merke ich schon ein bisschen mehr Druck, da alles für mein Abitur zählt. Somit wird es zwischendurch schwieriger – einerseits durch den Lernaufwand und andererseits auch durch die Anzahl der Stunden. Es gab auch schon Jobangebote, die ich ablehnen musste, weil ich eben nicht drei Wochen in der Schule fehlen kann. Ich bin dann persönlich immer im Zwiespalt, weil ich auf der einen Seite weiß, was das für eine große Chance ist – auf der anderen Seite steht die Schule trotzdem im Vordergrund. Mein Ziel ist es, erstmal die Schule zu beenden, damit ich danach studieren kann. Trotzdem ist es so, dass es mir nicht egal ist – ganz im Gegenteil: Manchmal liege ich abends im Bett und denke so „toll, wieder eine Chance verpasst“. Andersrum muss ich mir auch treu bleiben und kann es irgendwie nebenbei machen.

Was hälst du von Germany’s Next Topmodel? 

Ich gucke es immer zusammen mit meiner Mama, aber ich würde trotzdem nicht hingehen. Früher in der Schule haben schon viele gesagt: „Oh, Faja, geh doch mal zu Germany’s Next Topmodel“. Ich habe aber immer gesagt, dass ich daran kein Interesse habe, weil es von Jahr zu Jahr härter wird und sie gehen auch von Jahr zu Jahr schlechter mit den Kandidaten um. Irgendwie nimmt auch jede der Kandidaten in der Staffel gefühlt drei Kilo ab und bekommt Ernährungspläne aufgedrückt – mir ist das zu viel Drill und vielleicht auch ein bisschen zu viel im Mittelpunkt stehen. Dazu kommt, dass du immer gefilmt wirst und dass sie dir das Wort im Mund umdrehen. Also für mich wäre das nichts, aber ich gucke es dennoch regelmäßig – ist ja auch irgendwie Unterhaltung, Heidi Klum zuzusehen. Ich will es gerne auf meinem eigenen Weg schaffen und nicht alleine über die Fernsehpräsenz.

Ist es heutzutage wirklich noch sehr wichtig, als Model bildhübsch zu sein oder ist eine eigene Persönlichkeit ausschlaggebend? Wie hast du das bisher erlebt?

Also aus meiner Perspektive kommt es tatsächlich darauf an, dass man Lust auf den Job hat, authentisch und höflich ist. Man sollte nett zu den Leuten sein und sich auch in irgendeiner Art und Weise einbringen. Bei den Castings in Mailand habe ich viele Models kennengelernt – viele waren älter als ich, einige aber auch erst 16. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass die meisten schon sehr viel Routine hatten. Dementsprechend waren auch viele sehr, sehr selbstbewusst. Sie fühlen sich schön und zeigen es dir auch. Ich habe mich dann immer so ein bisschen wie ein Küken gefühlt. Von den Jüngeren waren viele auch nicht höflich und deshalb braucht man aus meiner Sicht in der Modelwelt schon ein hartes Fell. Von den Älteren, sprich um die 25 oder älter, haben mich einige dagegen sehr gut aufgenommen und auch mal etwas gefragt oder mich in ein Gespräch verwickelt.

Du warst auch für Danny Reinke auf der Berliner Fashion Week. Muss jeder mal die Berliner Fashion Week gesehen haben?

Es war schon cool, auf der Berliner Fashion Week dabei gewesen zu sein. Es gab ziemlich viele Eindrücke, zum Beispiel habe ich viele bekannte Fotografen aus der Modebranche gesehen. Im Endeffekt sollte sich jeder Interessierte das mal angucken, weil es auch als Zuschauer viel zu sehen und erleben gibt. ich war als Model bei einer installierten Show von Danny Reinke und bin dementsprechend gar nicht gelaufen, sondern stand mit 20 weiteren Models auf einem Podest, wo ich die Klamotten des Labels präsentiert habe und die Fotografen uns fotografieren konnten.

Wie schwierig ist es, im Modelbusiness Fuß zu fassen?

Ich habe das oft erlebt, dass meine Freundinnen gesagt haben: „Oh, du verdienst ja so viel an einem Tag.“ Andersrum denken auch viele, dass ich ein Fotoshooting habe und alles ist ganz schön und entspannt – so ist es aber gar nicht. Es macht zwar total Spaß, aber ich fahre dann nach so einem 9-Stunden-Tag nach Hause und bin richtig platt. Ich schlafe dann erstmal nur noch und am liebsten zwei Tage durch. Du bist während des Jobs für den Kunden eben nonstop da – ich bin die ganze Zeit konzentriert, selbst wenn mein Make-up gemacht wird. Auch wenn ich dann vor der Kamera stehe, muss ich immer voll da sein und 150% geben. Ich gebe immer mein bestes und das ist sehr anstrengend für den Kopf und den Körper. Bei den Shootings wird auch viel an einem herumgezupft und man muss sich oft umziehen. Eine gewisse Stabilität ist wichtig, da man die Kritik des Kunden einstecken muss. Die ganze Zeit hohe Schuhe zu tragen, ist für mich als Speaker-Läufer nicht leicht. Trotz der Intensität bereitet es mir aber viel Freude.
Was ich besonders cool finde, sind Testshootings, da man sich dort mehr ausprobieren kann und es viel entspannter ist. Bei diesen Testshootings wird man von einem Fotografen geshootet, wofür ich kein Geld bekomme und der Fotograf auch nicht – im Endeffekt haben wir dann aber beide Bilder.
© Berry Behrendt
© Berry Behrendt

Stört dich die Oberflächlichkeit gar nicht am modeln?

Das war auch der Grund, warum ich von mir aus nie auf das Modeln gekommen wäre, weil ich sonst eher so auf menschlicher Ebene bin. Mir ist viel wichtiger, wie der Mensch ist und warum er so ist. Dieses Oberflächliche ist eigentlich gar nichts meins, aber ich kann das gut trennen. Ich weiß, wenn ich bei einem Job bin, dass ich mich anders verhalte, als zu Hause bei meiner Familie oder bei Freunden. Ich kann die Oberflächlichkeit komplett abspeisen und für die Zeit während des Jobs ist es dann auch okay.

Wenn du mal träumst und sagen solltest, wo du dich in 10 Jahren siehst, wie würde dein Leben aussehen?

Ich wäre noch erfolgreicher im modeln als jetzt, weil ich mehr Zeit investieren kann. Ich glaube aber auch, dass ich bis dahin studiert habe und das irgendwie miteinander verbinden kann. Mit Mode möchte ich jedoch eher nichts studieren – vielmehr interessiere ich mich für Innenarchitektur, Psychologie und Philosophie. Aber wie ich meine Schwerpunkte dann setze, wird sich dann noch zeigen. Wichtig ist mir nur, dass ich sowohl mein Privatleben, das Modeln als auch einen möglichen Hauptberuf gut unter einen Hut bekomme.
Über Florian Krüger 28 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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