Beiderseitige Gastfreundschaft

Ein Willkommensgruß

Dies ist ein Bericht der „Schlafschafe“, welches eine Inititative ist, die sich gegen Vorurteile und Stammtischparolen richtet. Dabei leisten sie Aufklärungsarbeit und waren in einer der regionalen Flüchtlingsunterkünften zu Besuch.

Wir trafen dort eine Familie, die uns herzlich bat, in ihr kleines Reich einzutreten, welches sie nun seit über zwei Monaten bewohnen. Nach Deutschland kamen sie mit dem Bus, 600 Euro kostete sie die Reise aus der alten Heimat Serbien. Zunächst in einem Camp in Braunschweig untergebracht, sollte die Reise für sie bald weitergehen. In einer Flüchtlingsunterkunft in Niedersachsen leben sie nun zu fünft auf ungefähr 30 m2. Obwohl sie selbst wenig besitzen, bieten sie uns direkt ihren Kuchen an, auf den sie selbst verzichteten. Bei Kaffee und Kuchen erzählt uns Lucija*, die schon erstaunlich gutes, verständliches Deutsch spricht, obwohl sie erst seit September Deutsch lernt, dass die Reise nach Deutschland unproblematisch verlief.

Auf unsere Nachfrage, wie der Alltag der Familie aussehe, erklärt Lucija, dass ihre zwei Brüder derweil ein Praktikum in einem örtlichen Betrieb absolvieren würden, sie selbst zur Schule ginge und die Eltern sich um den Einkauf kümmerten. Gerne würden die Eltern von Lucija wieder einer Tätigkeit nachkommen, doch ist es ihnen als Asylbewerber vorerst verboten, einer Arbeit nachzukommen. Besonders freut sich die Familie über die Toleranz und Akzeptanz gegenüber Muslimen in Deutschland, die es ihnen gegenüber in anderen Ländern nicht immer gab. Hier können sie Moscheen besuchen und ihre Religion frei ausleben, ein hohes Gut für Lucijas Vater.

Dieser war 27 Jahre lang einer Bürotätigkeit nachgekommen, ehe er seine Arbeit verlor. Die Chancen auf Arbeit waren nicht gut, die Ersparnisse sanken, auch das Haus konnte nicht länger finanziert werden. Faktisch stand für ihn die Existenz seiner Familie auf dem Spiel, weshalb er sich entschloss, die Reserven zu nutzen, um nach Deutschland zu reisen – auf der Suche nach Arbeit.

Neben des Geldes war aber auch die Medizin ein Grund für die Familie, nach Deutschland zu ziehen. Neben diversen verschreibungspflichtigen Medikamenten benötigte die Familie dringend ärztliche Versorgung, die sie in Serbien nicht bekommen konnte. Um in Deutschland Anschluss zu finden, besuchen die Eltern von Lucija regelmäßig Sprachkurse, besuchen aber auch gerne die türkischen Märkte in Bremen. Lucija selbst lernt die Sprache jeden Tag in einer Integrationsklasse, in der sie bereits einige Freundschaften mit Menschen unterschiedlichster Nationalitäten geschlossen hat. Auch ihre Brüder werden mit guten Sprachkenntnissen im Zuge ihres Praktikums ausgestattet.

Als besonders rührend empfanden wir die Gastfreundschaft, mit der uns begegnet wurde, wir revanchierten uns mit Sachspenden. Auch wenn diese Menschen selbst wenig besaßen, so waren sie reich an Menschlichkeit. Wir haben abgemacht, dass wir einander nun öfter besuchen werden.

*Name wurde geändert

– ein Bericht von Siard Schulz (18)

Viele weitere Infos gibt es hier: www.facebook.com/schlafschafe

Über Wanted 22 Artikel
Jung. Dynamisch. Anders. Frischer Wind in der Medienlandschaft durch Themenvielfalt und Qualitätsjournalismus. Lässig und professionell.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.