Degen, Mittelalter, schöne Frauen – D’Artagnan im Interview

von Florian Krüger und Marie Hilken

© D'Artagnan/Sony Music

Wenn man an die Show „Die Feste“ von Florian Silbereisen im Fernseher denkt, dann sieht man gleich Helene Fischer vor sich. Na ja, nicht nur Helene Fischer, aber eben den Schlagersänger an sich. Dass dies der Show nicht gerecht wird, wird spätestens dann klar, wenn man sich die große Vielfalt der Künstler anguckt – vom alten Hasen bis zum Newcomer wird ein realistisches Abbild der deutschen Musikszene gezeichnet.

Umso erstaunlicher war es, dass die Band D‘Artagnan mit ihrer Single „Seit an Seit“ die Degen in der Show schwangen und sich einer äußerst guten Kritik erfreuten. Allein 92% wollen laut einer Umfrage der ARD D‘Artagnan wiedersehen und so ist es kein Wunder, dass ihr Debütalbum „Seit an Seit“ gleich mal Platz 7 in den deutschen Albumcharts war und über 12 Wochen in den Top 100 verweilte.

Eigentlich ein absolutes Nischengenre, welches in die Richtung Mittelalterrock und Gothrock geht – aber eben doch ganz anders ist. „Musketierrock“ und D‘Artagnan kommen anders daher und wir vom WANTED-Magazin haben ihrem Erfolgsrezept mal auf den Zahn gefühlt und im Gespräch ei- nige interessante Dinge erfahren.Gesprochen haben wir mit der Hauptbesetzung Ben Metzner (Sänger/ Dudelsack/Flötist), Felix Fischer (Zweitstimme, Gitarrist, Bassist) und Metalgitarrist Tim Bernard.

Ihr spielt in einem sehr ungewöhnlichen und praktisch von euch begründetem Genre „Musketier-Rock“. Beschreibt doch mal, was das Neue an diesem Genre ist?

Eigentlich ist es albern, wenn jede Band ihr eigenes Genre aufmacht (lachen). Aber wir wussten uns nicht anders zu helfen, denn unsere Musikrichtung passte nicht in die bisher bestehenden Genres. Außerdem soll man direkt den Musketier-Film vor Augen haben und dadurch entsteht eigentlich bei jedem ein Bild im Kopf, welches unsere Musik ganz gut beschreibt. So greifen wir etwa im Song „Der Mann mit der eisernen Maske“ die Thematik, um die Erzählungen der drei Musketiere, auf.

In dem Lied geht es darum, dass jeder seine Masken im Alltag hat und dass man aus seinen Ketten ausbrechen kann. Diese Stärke soll mit dem Song vermittelt werden.

Eure Texte sind generell eher Texte zum Mitsingen und eindringliche Themen. Es geht um Degen, Mittelalter und schöne Frauen. Wie sieht eiertypischer Zuhöreraus?

Das ist nahezu unmöglich zu klassifizieren. Auf der Tour haben wir festgestellt, dass wir ein unglaublich vielfältiges Publikum hatten. Das reichte von der Omi mit ihrem Enkel über den Schlagerfan bis hin zum Metalbegeisterten.

Selbst denjenigen, der zum ersten Mal auf ein Konzert kam, hatten wir auch schon mit dabei. Es gibt keine eingeschworene Szene in dem Sin- ne, sondern diese bunte Mischung war eigentlich sehr interessant, da nach dem vierten, fünften Song tatsächlich alle miteinander feiern.

Dennoch scheint eure Sparte zu boomen, denn euer Debütalbum „Seit an Seit“ war direkt auf Platz 7 in den deutschen Albumcharts. Wie erklärt ihr euch diesen Erfolg und wie fühlt sich das an?

Wir hatten zwar auf den Erfolg gehofft, aber dass es jetzt so schnell ging, hatten wir nicht gedacht. Mit unserem Label haben wir allerdings einen sehr großen Unterstützer, das uns sehr viele Chancen eröffnet hat. Im Februar haben wir unser erstes Album rausgebracht und wer kann schon behaupten, nach dem ersten Album ein so großes Interesse auf sich gezogen zu haben?

Andersrum ist dieser Erfolg und unsere vielen Fernsehauftritte für uns noch sehr schwer zu greifen – fast ein bisschen surreal – dennoch genießen wir diese Zeit sehr, da wir mit dem Erfolg haben, was wir lieben und das auch noch mit unseren besten Freunden. Das Glück, das wir gerade haben, ist unfassbar.

Kritiker werfen euch vor, dass ihr nur auf den Zug des Mittelalterrocks mit aufgesprungen seid, da es für die Musikindustrie momentan lukrativ scheint. Was habt ihr diesen Aussagen entgegenzuhalten?

Erstmal ist der Boom der Mittelalterszene nicht mehr so stark, dies war vor 15 Jahren eher der Fall, als Bands wie Schandmaul auf die Erfolgsspur kamen. Jetzt ist es nur so, dass durch Bands wie uns oder aber auch Santiano Folklore salonfähiger wird und im Fernsehen auch mal so etwas gespielt wird und nicht nur Pop.

Ben und Felix waren als Feuerschwanz-Duo ja schon viele Jahre in der Szene aktiv und somit ist man nicht mit aufgesprungen, sondern hat vielmehr die Chance genutzt. Es ist auch der Auftrag von D‘Artagnan, das Thema Folklore noch salonfähiger zu machen, sodass es vielleicht irgendwann auch im Radio gespielt wird.

Ihr verbindet traditionelle Rhythmen mit modernen Einflüssen. Eine sehr spannende und ungewöhnliche Kombination?

Es ist eine Fusion aus Rockinstrumenten, Bor- duninstrumenten und Instrumenten wie etwa Mandolinen, Flöten oder Dudelsäcken. Wir haben diese Kombination jedoch auf eine neue Art und Weise produziert, sodass es mehr in die Pop-Richtung geht. Allerdings sind immer wieder traditionelle Elemente und Melodien mit eingebaut und dadurch haben wir dann unsere eigene Kombination erzeugt.

So typische „Mittelalter-Gassenschlager-Melodien“ finden sich demnach auch immer wieder und haben ja schon in hunderten von Jahren gezeigt, dass sie den Menschen im Ohr bleiben.

Eure Texte sollen auch Themen wie Mut, Ehre und Treue vermitteln. Zwar sind sie einfach gestrickt, enthalten aber dennoch eine Message. Welche Moral soll für euch vor allem durch eure Texte rüberkommen? Was ist euch in eurem Leben vielleicht auch besonders wichtig – in Bezug auf Werte?

Unsere Songs sind sehr offen gestaltet, sodass Grundwerte wie Freundschaft oder Treue vermittelt werden sollen – jeder verbindet dann etwas eigenes aus seinem Leben mit den Songs.

Es klingt immer sehr hochtrabend, wenn wir sagen, dass wir die Welt verbessern wollen. Man kann aber ja im Kleinen anfangen und so ist es für uns auch schon ein Erfolg, wenn zwei Männer Arm im Arm auf unseren Konzerten stehen und mitgrölen, denn das vermittelt ja auch ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Aber unsere Texte sind sehr einfach gestrickt und so sollen einfach gewisse Emotionen rüberkommen – so treiben wir es in den Texten wie zum Beispiel unsere Ballade „Für immer dein“ auf die Spitze und stellen auch irgendwie einen Zusammenhang zwischen dem Altertümlichen und der Realität her.

Vielen Dank für das Interview!

Über Florian Krüger 28 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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