Bestseller-Autor: Sebastian Fitzek im Interview

"Die menschliche Psyche ist wie die Tiefsee"

© FinePic, Muenchen/ H.Henkensiefken

Man kann kaum noch einen Schritt in die Buchhandlung setzen, ohne dass man seinen Namen in den Regalen der Bestseller nicht sieht. Er schrieb sich im wahrsten Sinne des Wortes seine eigene Erfolgsstory – und diese wird von Buch zu Buch besser.

Alles nahm seinen Lauf, als er 2006 sein erstes Buch „Die Therapie“ veröffentlichte. Dieses Buch ist an Außergewöhnlichkeit kaum zu übertreffen und vielleicht gerade deshalb so interessant. Im Prinzip beschränkt sich das Buch auf einen Schauplatz und ist dennoch sehr facettenreich. Unglaublich ist aber vor allem der psychologische Aspekt.

Nicht umsonst schreibt Sebastian Fitzek, als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren, vornehmlich Psychothriller. Genau an dieser Stelle zeigt gleich sein erstes Werk „Die Therapie“, wie tief die menschliche Psyche wirklich reicht und am Ende des Buches stellt man sich als Leser vor allem die eine Frage: „Wie kann man so etwas Wahnsinniges zu Papier bringen?“ Die Bücher von Sebastian Fitzek polarisieren – aber auch die Person dahinter interessiert die Leser.

Viele Lesungen veranstaltet er und gibt sich dabei immer ein wenig undurchschaubar. Sicher ein Teil des Image, doch wir fragen uns, wie der Familienvater zum Schreiben kam und was ihn dabei bewegt …

Es folgten nach seinem ersten Werk bis heute noch 12 weitere Psychothriller. Viele davon wurden Bestseller und füllten deutschlandweit die Buchregale. Jedem wird wohl einer seiner erfolgreichsten Psychothriller „Passagier 23“ ein Begriff sein. Auch über dieses könnte man sehr viel sagen, weil es ein sehr gelungenes und komplexes Buch ist, aber dazu später mehr in einer ausführlichen Kritik. Ausschließlich Psychothriller zu schreiben, ist ziemlich außergewöhnlich und genau das war einer der Aspekte, warum wir uns sehr über das Interview mit Sebastian Fitzek gefreut haben. Der bekannte Autor hat uns einige, schöne Einblicke geben können und seine Arbeit aus einer ganz anderen Perspektive gezeigt. Wir empfehlen jedem einfach einmal selbst eines der zahlreichen Bücher in die Hand zu nehmen und in die Gedankenwelt des Autors einzutauchen. Jetzt wollen wir euch nicht länger auf die Folter spannen und präsentieren nun die Antworten von Sebastian Fitzek auf unsere Fragen:

Wie kamen Sie zum Schreiben? Wovon handelte Ihre erste „Geschichte“?

Ich kam, so wie die meisten Autoren, über das Lesen zum Schreiben. Nach jedem guten Buch stellte ich mir die Frage, ob es mir eines Tages auch selbst einmal gelingen könnte, ähnliche Emotionen hervorzurufen, wie sie durch das Werk ausgelöst wurden, das ich gerade verschlungen hatte. Meine erste Geschichte handelte von einem verwunschenen Zauberhaus, und die habe ich in der vierten Klasse verfasst. Allerdings ohne Veröffentlichungsambitionen.

Wobei bekommen Sie die besten Inspirationen?

Aus dem Alltag. Nichts ist inspirierender als die Realität.

Sie schreiben vornehmlich Psychothriller. Worin liegt für Sie der Reiz sich mit den menschlichen Abgründen zu beschäftigen?

Die menschliche Psyche ist wie die Tiefsee, ein kaum erforschter Ort voll von teilweise unerklärlichen Geheimnissen. Was ist interessanter, als sich mit den Mysterien zu beschäftigen, die alle in uns selbst angelegt sind?

Wie schaffen Sie es, sich in solche Charaktere hineinzuversetzen und welche Rolle spielt dabei Ihr Team und die damit verbundene Recherchearbeit?

Ich habe kein Team für Recherche, ich muss mir alles selbst anlesen und erarbeiten, schon weil ich beim Recherchieren gar nicht weiß, ob und was ich irgendwann einmal gebrauchen könnte. In meine Charaktere tauche ich beim Schreiben ganz von selbst ein, wir Autoren müssen alle multiple Wesenszüge und sehr viel Empathie besitzen, um das zu schaffen.

Sie schreiben in der Danksagung von Passagier 23, dass Sie sehr viel Zeit zum Schreiben im Keller verbracht haben, sodass sich Ihre Kinder fragten: „Was macht der ‚fremde‘ Mann dort im Keller?“ Wie problematisch ist es wirklich?

Nun, ich bin während der intensiven Schreibphasen sicher nicht der sozialkompatibelste Mensch. Aber keine Sorge, meine Kinder erkennen mich noch.

Was war früher Ihr Traumberuf? Wollten Sie schon immer Autor werden?

Nein. Tennisspieler und Schlagzeuger. Das Autorendasein schien mir viel zu anstrengend, ständig schreiben.

In Ihrem neuesten Buch „Das Joshua-Profil“ hatten Sie vor dem Release auf Ihrer Website ein interaktives Gewinnspielangeboten, in welchem der Leser selbst Kommissar spielen konnte. Inwiefern sind Sie Befürworter des digitalen Wandels und als wie wichtig halten Sie ihn?

Ich schätze es sehr, wenn Menschen lesen. Ganz egal auf welchem Weg sie dazu herangeführt werden und mit welchem Medium sie das tun.

In dem Thriller „Das Joshua-Profil“ ist der Protagonist ein erfolgloser Thriller-Autor und kämpft mit seinem Familienleben und muss sich vor seiner erfolgreichen Frau behaupten. Das Buch erntete – wie fast immer – zahlreiche gute Kritiken, doch inwiefern thematisieren Sie damit auch die Branche und das Leben des Schriftstellers an sich?

Natürlich fiel es mir hier etwas leichter, mich in die Rolle hineinzuversetzen und ich musste weniger über den Alltag eines Schriftstellers recherchieren. Ansonsten aber stehen komplett andere Themen im Mittelpunkt, wie zum Beispiel die Vorhersehbarkeit von Verbrechen.

Vielen Dank für das Interview!

 

Rezension – Passagier 23

Der Kreuzfahrttourismus boomt und der Urlaub auf hoher See wird immer begehrter. Sebastian Fitzek kreiert in unnachahmlicher Manier einen Psychothriller der Extraklasse und das mitten auf dem Kreuzfahrtschiff „the Sultan of the Sea“.
Die Wendungen sind jedoch rasanter als die eines Schnellbootes und der Plot plätschert nicht dahin, sondern fließt wie ein reißender Strom – unmöglich ihm zu entrinnen. Beim Lesen fragt man sich immer wieder, wie man eine solche Geschichte entwerfen kann. Fitzek beweist also mit „Passagier 23“ das er einer der besten seines Faches ist und das er auch auf hoher See nicht die Kontrolle verliert – und das die vollen 427 Seiten nicht.

Über Florian Krüger 28 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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