Europareise – acht Tage, sechs Länder

WANTED auf einer Tour durch Europa

Hätten wir doch bloß während der Planung einmal den „Vorspulschalter“ drücken können. Das haben wir uns während des Trips des Öfteren gedacht und dennoch möchten wir die Reise nicht zurückspulen, da wir so viel gesehen, erlebt und kennengelernt haben. „Wer eine Reise tut, der kann was erleben“ – das Sprichwort von 1740 – 1815, deutscher Dichter, Redakteur, Erzähler) trifft in der Regel der Fälle zu, doch wir wollten diesen Satz auf die Spitze treiben und mal schauen, was dabei herauskommt. Das Resultat war, dass wir die Reise nach acht Tagen beendet haben und in dem Zeitraum in sechs Ländern zu Besuch waren: Angefangen mit Deutschland (München), weiter über Österreich (Salzburg und Klagenfurt am Wörthersee), nach Slowenien (Ljubljana), über Kroatien (Rovinj) nach Italien (Venedig, Mailand, Bologna) und schließlich von der Schweiz (Zürich) wieder zurück in die Heimat. Ein ziemlich optimistisches und sportlich geplantes Unterfangen? Definitiv! So haben wir (Marie Hilken und Florian Krüger) uns immer wieder folgenden Satz gesagt: Es ist kein Urlaub, sondern eine Reise! Vor dem Trip wussten wir das nicht richtig zu differenzieren, aber jetzt ist uns der Unterschied mehr als bewusst. Aber fangen wir doch einfach mal von vorne an und nehmen euch mit auf eine Reise durch Europa …
Mit fertig gepackten Rucksäcken stehen wir um 05:00 Uhr morgens am Bremer Hauptbahnhof und frösteln (der deutsche Sommer, wie er leibt und lebt). Im Gepäck ist kein Platz für dickere Klamotten und wie sich herausstellen sollte, ist die Entscheidung goldrichtig, da uns auf weiten Strecken der Reise eine Hitzewelle erwartete. Neben der Sommerkleidung hatten wir noch ein wenig Proviant für die Anreise mit: Eine Kulturtasche, Sonnencreme, Sonnenbrillen, Badesachen usw. Im Grunde genommen reichten unsere klassischen Backpacks mit 60 bzw. 90 Liter Fassungsvermögen völlig aus. Durch eine schnelle ICE-Verbindung zwischen Bremen und München konnten wir schon mittags in München essen und taten dies bei schönstem Wetter (der Süden Deutschlands, wie er leibt und lebt) in einer Seitenstraße von der  Fußgängerzone. Diese liegt unweit des Hauptbahnhofes – im Prinzip muss man nur den Ausgang gegenüber der Gleise nehmen und danach weiter geradeaus laufen. Dann stößt man auf den Karlsplatz – auch Stachus genannt – wo ein herrlich inszenierter Springbrunnen die Besucher vor allem im Sommer begeistert. Generell ist es immer eine Empfehlung, beim Essen in die Seitenstraßen zu schauen.
Viel Zeit blieb uns dann in München nicht mehr, da der Zug nach Salzburg und das zugehörige Hotel schon vorgebucht waren. Somit ging es also wieder zurück zum Münchener Hauptbahnhof und rund drei Stunden weiter nach Salzburg. Dort angekommen ging es dann schnellen Schrittes zu unserem Hotel, welches nicht weit von der Salzach (Fluss) lag und die Altstadt durch einen abendlichen Spaziergang gut zu erreichen war. Salzburg ist vor allem für Mozart bekannt, der dort aufwuchs und sein Elternhaus, das noch immer besichtigt werden kann. Eine große Statue findet man auf dem Goetheplatz Platz, der direkt am Ende der Fußgängerzone liegt. Am anderen Ende der Fußgängerzone hat man einen guten Blick auf die höher liegende Burg, von der aus man einen tollen Aussicht über Salzburg hat. An diesem lauen Sommerabend entschlossen wir uns für ein Picknick am Salzach mit Blick auf die untergehende Sonne über der Altstadt – das entlastet die Reisekasse und schafft eine gemütliche Atmosphäre.
Am nächsten Morgen mussten wir wieder um 04:30 Uhr aufstehen, um unseren Zug um 05:10 Uhr von Salzburg nach Klagenfurt zu bekommen. Mit müden Beinen und schweren Rucksäcken ging es also wieder los – motiviert durch die Gedanken an den türkis-blauen Wörthersee. Drei Stunden später fanden wir uns in Klagenfurt wieder und gingen erstmal in Richtung Altstadt. Meistens hilft Google Maps oder einfach ein einheimischer Passant, wenn man den Weg nicht kennt. Dieser führte uns über einen schönen Markt und schließlich zum neuen Platz. Dort gibt es ein Tourismusbüro, in dem man uns darüber aufklärte, dass jeden Freitag um 10:00 Uhr eine kostenfreie Stadtführung stattfindet. Eigentlich sind wir nicht so der Typ „Reiseführer und Stadtführung“, sondern eher „Erkunden-auf-eigene-Faust“. Trotzdem ließen wir die schweren Rucksäcke (der Rücken tat jetzt schon weh) im Tourismusbüro und ließen uns 90 Minuten durch die Altstadt führen – zusammen mit unserem Gästeführer war das auch sehr interessant und vor allem die Namensgebung für die Stadt und die Geschichten um den Lindwurm sind ein Markenzeichen der Stadt. Aber natürlich zählen auch das alte Rathaus oder der etwas unscheinbare Dom (wird oft mit dem Rathaus verwechselt, der jedoch von innen wesentlich prunkvoller ist, als es von außen scheint) zu den Sehenswürdigkeiten.
© Marie Hilken
© Marie Hilken
Das Seehotel lag direkt am Wörthersee und dort fuhren wir völlig verschwitzt nach einem Mittagessen am alten Rathaus hin. Wir konnten bei 36 Grad Außentemperatur eine Abkühlung kaum erwarten und gingen direkt nach dem Check-In an den Wörthersee. Das größte Strandbad Europas an einem Binnengewässer lag direkt bei uns und trotzdem entschieden wir uns aus Platzgründen dafür, ein Tretboot zu leihen und trafen damit genau die richtige Entscheidung (Eindrücke davon gibt es in unserem Video zur Reise auf YouTube: www.youtube.com/jungundgeistreich).
Von Klagenfurt fuhr am nächsten Morgen um 09:00 Uhr ein Bus direkt nach Ljubljana, die wenig bekannte Hauptstadt Sloweniens. Die Wenigsten werden wohl als ihr Lieblings-Reiseziel Slowenien angeben und doch weiß dieses Land zu erstaunen: Rund ein Drittel  ist naturgeschützt – das merkt man sogar schon an den Stadträndern bzw. in Ljubljana selbst. Slowenien legt Wert auf nachhaltigen Tourismus und hat eines der fortschrittlichsten Müllentsorgungssysteme in Europa. Außerdem gibt es in Ljubljana überdurchschnittlich viele Leihfahrräder in der Stadt und bietet zudem eine autofreie Zone. Zwar ist die Altstadt nicht gerade groß, aber dafür macht sie einiges her – auch die Burg über der Stadt ist eine absolute Empfehlung, wo wir in dem hochwertigen Burgrestaurant gegessen haben und über die kostengünstige Rechnung fast schockiert waren – ein Volltreffer, vor allem am Mittag (abends nur Menüs und nicht à la carte; Reservierung empfohlen). Das Hotel war zwar sehr groß, aber trotzdem sehr kulant (nachdem wir versehentlich nur ein Zimmer für eine Person gebucht hatten). Hotels und Transfers hatten wir generell erst über Internetportale am vorherigen Abend für den nächsten Tag gebucht.
© Marie Hilken
© Marie Hilken
Richtig fies wird es, wenn man morgens um 04:00 Uhr aufsteht, um pünktlich am Busbahnhof zu sein und der Bus dann nicht kommt. Ausgecheckt hatten wir auch schon und so saßen wir sonntagmorgens um 06:00 Uhr in der Innenstadt und sahen einigen Partygängern beim Torkeln zu. Was sollten wir machen? Der nächste Bus fuhr erst wieder um 15:00 Uhr nach Rovinj, Kroatien. Die Servicehotline verließ sich mehr auf ihre Computerdaten und nicht auf das, was wir vor Ort gesehen hatten. Ein Glück, dass uns unser Hotel uns nochmal kostenfrei bis 12 Uhr einchecken ließ, damit wir eine Mütze Schlaf bekommen konnten. Der zweite Anlauf funktionierte dann zum Glück und so landeten wir nach einer holprigen Fahrt am Abend in der schönen Stadt Rovinj, die direkt am Meer gelegen ist. Eine außergewöhnlich tolle Altstadt, die auf einem Hügel gebaut ist und die kleinen Gassen ein wenig an Venedig erinnern – überall gibt es wieder etwas zu entdecken. Und auch wenn der Strand nur aus Kies und Steinen besteht, war das Wasser unglaublich klar und das Schnorcheln funktionierte ideal. Neben Rovinj gibt es einige im Grünen gelegene Strandabschnitte – das bietet sich an für Spaziergänge und Sonnenbäder.
© Marie Hilken
© Marie Hilken
Auf der nächsten Fahrt nach Venedig ging es wieder mit dem Bus weiter (häufig die kostengünstigste Variante) und wir hatten schon ein bisschen Wehmut, nun wieder das Hotelzimmer zu verlassen – langsam setzte das Gefühl ein, dass wir lieber länger an einem Ort verweilen wollten. In Venedig kamen wir abends gegen 21:30 Uhr an und als wir durch die verlassenen Gassen von Venedig liefen, kam uns alles ein wenig surreal vor. In dem Gassen- und Brückenwirrwarr weiß selbst Google Maps nicht weiter und eine Fahrt mit dem Wasserbus über den Canal Grande hätte sich sicher gelohnt (7€ pro Person). Unser Hotel lag 200 Meter entfernt vom Markusplatz und war nur so kostengünstig, weil wir es einen Abend zuvor gebucht hatten. Venedig ist wirklich einzigartig und so aßen wir in der Nähe der Rialtobrücke eine Pizza vom Imbiss, da schon alle Küchen geschlossen hatten – trotzdem ein einmaliges Erlebnis.
Am nächsten Tag wirkte Venedig dann schon ganz anders – Touristenmassen begruben die Stadt förmlich unter sich und es gab kaum ein Durchkommen. Trotzdem lohnt sich ein Blick in den Markusdom oder in den Dogenpalast. Vor allem empfehlenswert und nicht ganz so bekannt ist das Guggenheim Museum, wo einige Picassos hängen, der Ausblick vom Balkon wunderschön ist und alles sehr stilvoll anmutet.
Unsere Reise ging weiter durch Italien, wo wir uns an den zwei darauffolgenden Tagen dann Mailand und Bologna anschauten. Mailand kann vor allem durch den Dom punkten und natürlich durch die vielen tollen Boutiquen, die es überall gibt – Mailand genießt nicht umsonst den Ruf als Modemetropole. Bologna ist da schon etwas anders, begeistert aber durch die alte Architektur und viele historische Überreste. Die zwei Türme sind sehr hoch und wirken wirklich bedrohlich schief – dennoch stehen sie nach wie vor und sind das Wahrzeichen der Stadt. Ein heißer Tipp noch: Viele italienische Restaurants in den Städten legen eine Sommerpause ein, weshalb es teilweise nicht leicht war, ein geeignetes Restaurant zu finden.
Von Bologna ging es dann nach Zürich, wo wir mit einem Temperaturunterschied von 20 Grad empfangen wurden (von 35 Grad auf 15 Grad) und uns fast schon wieder beheimatet fühlten. Zürich hat natürlich auch nicht mehr den südlichen Flair und die Luft ist glasklar. Die Berge umrahmen die Stadt und somit kann man in Zürich wunderbar die Altstadt erkunden – aber bitte nicht zu viel kaufen, denn die Preise sind im Vergleich zu Deutschland enorm hoch – man kann meist mit dem Zweifachen rechnen.
© Marie Hilken
© Marie Hilken
Nach einer Zugfahrt mit vielen Verspätungen kamen wir dann nachts in Bremen an. Der Rücken schmerzte, die Füße taten weh und die Reisekasse war auch am Ende. Trotzdem haben wir so viele Geschichten zu erzählen und somit könnte dieser Reisebericht vermutlich auch das halbe Magazin füllen. Letztlich war es eine Bereicherung, weil wir uns einfach ins Abenteuer gestürzt haben und geguckt haben, was dabei rauskommt – es lief nicht alles rund, aber letztlich war es doch eine runde Sache.
Über Florian Krüger 28 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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