Belastung oder Ausgleich?

Ein Kommentar von Joshua Brauns

„Fitness. Schon allein dieses Wort. Und dann noch der allgegenwärtige Trend, dem sich keiner entziehen kann: Den Whey-Shake in der einen Hand, die Kurzhantel in der anderen. Stundenlang vor dem Spiegel posieren, nur für das perfekte Foto. Anstrengen bis zum Umfallen, statt die Beine nach erledigter Arbeit hochzulegen. Eine Belastung folgt der nächsten. Hart arbeiten – und dann noch hart trainieren? Warum sollte man sich diesen Irrsinn antun?“

Eigentlich bin ich der falsche Ansprechpartner für diese Frage. Ich habe das Gefühl, dass ich sie nicht unvoreingenommen und distanziert genug beantworten kann. Meine Voreingenommenheit rührt daher, dass ich die „Muckibude“ selbst fast jeden Tag aufsuche und ich eine Woche ohne Training kaum ertragen kann. Letzteres befähigt mich aber, die Frage zumindest fachgerecht beantworten zu können. Und das ist ja schonmal ein Anfang. Also, auf geht’s!

Dass man Fitness und verallgemeinert Sport als Belastung ansieht, ist grundsätzlich keine falsche Annahme. Der innere Schweinehund muss besiegt werden. Der Körper muss ein Maximum an Energie aufwenden. Das Training geht auf die Pumpe. Und einen Tag später wird man mit Muskelkater bestraft. Wahre Worte, kein Zweifel. Aber trotzdem wäre es zu einfach, Fitness als unnötige Belastung abzustempeln. Im Vorfeld ist diese Annahme berechtigt, aber wenn man diesem Sport eine Chance gibt und dranbleibt, widerfährt einem nur Gutes.

Eine gewagte These, dessen bin ich mir bewusst. Was führt mich also zu dieser Behauptung? Ganz einfach. Es ist meine eigene Erfahrung. Ich sehe diesen Sport nicht als Belastung an – ganz im Gegenteil: Ich denke, dass er mich entspannt. Vielleicht nicht währenddessen, aber auf alle Fälle danach. Die Erschöpfung danach tut gut. Glückshormone fluten den Körper. Man fühlt sich wie Hercules. Und eines Tages sieht man auch so aus … Spaß beiseite. Dennoch – man fühlt sich gut. Oder zumindest besser als vorher. Weil man sich selbst bezwungen und – im besten Falle – verbessert hat.

Das Training hat eine positive Wirkung auf das Gemüt – und auf die Psyche: Wird das Training erstmal zur Gewohnheit, ist es auch nicht mehr schwer, sich für andere „Belastungen“ zu motivieren, die auf kurzfristige Sicht vielleicht keine Freude entstehen lassen, sich aber langfristig umso mehr auszahlen. Ich denke, dass sich diese Aussage auch auf die Ernährung übertragen lässt, die für das Wohlbefinden und Aussehen eine genauso tragende Rolle spielt. Ob man die Traum gur durch eine Gewichtsabnahme oder durch Muskelaufbau herbeiführen möchte – um das richtige Training und die richtige Ernährung kommt man nicht herum. Und warum auch?

Nach einigen Workouts kommt der Punkt, an dem man feststellt, dass das Ganze auch während des Trainings oder des Ausprobieren gesunder, neuer Gerichte Spaß macht … Ein weiterer Punkt, warum ich das Training nicht als Belastung, sondern vielmehr als Ausgleich betrachte, ist, dass man das Studio bei noch so schlechter Stimmung wieder gutgelaunt verlässt. Man schaltet einfach den Kopf aus. Stress wird ab- und Muskeln werden aufgebaut.

Insofern kann man wohl von einer Balance sprechen, die sich durch die gleichberechtigten Faktoren Arbeit (=Kopf) und Sport (=Körper) einstellt. Des Weiteren ist es kein Geheimnis, dass Sport das Selbstvertrauen stärkt. Wenn Erfolge sichtbar werden und man gefestigter und fokussierter durchs Leben läuft, strahlt man das auch aus – sieht man vielleicht nicht selbst sofort, aber alle Mitmenschen. Trotzdem – letzten Endes tut man es für sich selbst, und tut sich damit auch selbst einen Gefallen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Sport ist gut. Und der Fitnesstrend hat seine Berechtigung.

Mit diesen Gedanken will ich keinesfalls den Eindruck vermitteln, dass es falsch wäre, auf Fitness (oder allgemein auf Sport) zu verzichten. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber für alle, die überlegen, damit anzufangen bzw. dranzubleiben: JA! Und gib nicht auf. Es zahlt sich aus. Tu es einfach. Tu es für dich, das hast du dir verdient!

Über Joshua Brauns 24 Artikel
Der Lektor, der sich für Sport, Reisen und Musik begeistert - und darüber auch gerne schreibt. Viel Spaß beim Lesen!

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