U23-Profi: „Fussball ist ein Tagesgeschäft“

ein Interview mit Dominic Volkmer

Es ist gut vier Jahre her, als sich die Spreu vom Weizen trennt. Die Spreu ist zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, ihrem fußballerischen Potenzial sind klare Grenzen aufgezeigt worden, sie hat ihren Leistungszenit eindeutig erreicht. Der Weizen ist zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt, das fußballerische Potenzial noch nicht ausgeschöpft und die Leistung soll ab diesem Zeitpunkt Schritt für Schritt steigen. Die Spreu trägt den Namen Joshua Brauns, der Weizen hört auf den Namen Dominic Volkmer. Jetzt, vier Jahre später, gibt es für die ehemaligen Fußballkameraden vom SC Weyhe ein Wiedersehen im Bremer Weserstadion. Inzwischen steht Dominic Volkmer für die U23 des SV Werder Bremen auf dem Platz und sicherte ihnen sogar mit seinem Kopfballtor am letzten Spieltag der Saison 2016/2017 den Klassenerhalt. Wie er es in die Dritte Liga geschafft hat, er den heutigen Alltag erlebt und seine Zukunft am besten verlaufen soll, verrät er uns im exklusiven WANTED-Interview.

Wie sieht dein Alltag als Fußballpro aus? Mein Alltag ist nicht komplett anders als bei anderen Leuten, die arbeiten gehen. Wir stehen auch morgens auf, frühstücken und gehen dann auf den Trainingsplatz. Auch wenn wir nicht zweimal pro Tag Training haben, haben wir einen geregelten Tagesablauf, auf den sich der Körper einstellen kann, damit man in den Spielen immer maximal fokussiert ist. Die Physiotherapie nach den Spielen gehört auch zur Pflege dazu, also es ist meistens mehr, als sich die Leute vorstellen. Dennoch denke ich, dass wir hinsichtlich des Zeitaufwands einen privilegierten Job haben.

Du spielst in der Innenverteidigung. War das schon immer deine Lieblingsposition? Nein, ich habe früher lieber im Mittelfeld gespielt, weil ich damals das Gefühl hatte, man nimmt am Spielgeschehen teil. Ich wurde dann beim VfB Oldenburg umfunktioniert. Jetzt ist es so, dass ich mich auf der Position sehr wohl fühle, da der Spielaufbau meistens von dieser Position beginnt und man das Spiel direkt vor sich hat.

Die Aufmerksamkeit liegt meistens auf den Torjägern. Als Verteidiger gerät man hauptsächlich in den Fokus, wenn man wichtige Zweikämpfe verliert. Ist die Position des Innenverteidigers nicht undankbar? Nein, das nde ich gar nicht. Die Aufmerksamkeit kommt auch eher von außen, von den Fans und weniger vom Trainerteam. Natürlich ist es so, dass  im Fußball die Tore entscheiden und die Tore schießen letztendlich die Stürmer. Als Verteidiger muss man sich auch vor Augen halten, dass nur noch der eigene Torwart einen gegnerischen Spieler aufhalten kann, wenn uns mal ein Ding durchrutscht. Aber nichtsdestotrotz fühle ich mich absolut wohl. Ich wäre auch nicht unbedingt als Stürmer geeignet (lacht).

Du hast in der Jugend eine Zeit lang beim SC Weyhe Fußball gespielt. Was war der Schlüssel zur Karriere im Profibereich? Über Weyhe hat mich mein Weg nach Oldenburg ge- führt, wo ich meine letzten Schritte zur Pro karriere machen konnte. In Weyhe habe ich vier bis fünf Jahre gespielt und konnte dort in einen Fußball hineinschnuppern, der mit dem Aufstieg und den Spielen in der Regionalliga wirklich leistungsorientiert war. Das hat mich sehr weitergebracht, ich konnte viel lernen und hatte ein tolles, familiäres Umfeld. Es war eine schöne Zeit, da zu spielen.

Wusstest du von Anfang an, dass du das Zeug zum Pro hattest oder gab es Momente, in denen du diesen Weg nicht wirklich für möglich gehalten hast?Nein, ich war schon immer realistisch und zu dem Zeitpunkt, wo ich in Weyhe gespielt habe, war es schon so, dass andere Jungs deutlich weiter waren als ich. Da habe ich mein Augenmerk auch eher auf die Schule gelegt, aber wollte trotzdem immer so hoch spielen, wie es irgendwie ging. Es hat in Weyhe immer gut geklappt mit der Schule und der Häu gkeit an Trainingseinheiten. Aber dass es hierfür reicht, hätte ich damals nicht gedacht.

Wie bewertest du die Talentförderung im Fußballbereich in Deutschland und speziell bei Werder? Generell in Deutschland ist es so, dass die Bundesliga-Mannschaften ihre U23 in der Regionalliga haben. Werder Bremen ist die einzige Mannschaft, die ihre U23 in der Dritten Liga hat, was einfach eine große Plattform für die Spieler ist. Ich glaube, dass zwischen Regionalliga und Dritter Liga noch mal ein riesiger Unterschied ist, den ich letztes Jahr auch kennenlernen durfte. Da lernt man dann auch mal andere Seiten des Profifußballs kennen und ich glaube, dass das für die Entwicklung junger Spieler ganz wichtig ist – da können wir in Bremen schon recht stolz drauf sein, dass wir in der Dritten Liga spielen.

Du bist 21 Jahre jung. Wie stellst du dir die nächsten drei Jahre vor, wenn sie optimal verlaufen? Ich denke nicht zu weit in die Zukunft. Ich habe in den letzten Jahren kennengelernt, dass Fußball ein Tagesgeschäft ist. Das ist keine Floskel, das meine ich wirklich so. Es kann sich mit jedem Tag alles ändern. Man kann ein gutes Spiel machen, man kann sich verletzen – was natürlich keiner hofft. Es ist einfach so, dass ich mich in Bremen sehr wohl fühle und ich den nächsten Schritt gehen will.

Wir danken für das Gespräch und wünschen alles Gute für den Klassenerhalt und den nächsten Schritt!

von Florian Krüger & Joshua Brauns

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