In ein neues Leben eintauchen

von Jasmin Fohne

Elf Monate als Au Pair in Madrid 

29.08.2016 – Die Spannung steigt …

Liebes Tagebuch,

heute beginnt es endlich – das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens. Nachdem ich nun mehrere freie Monate nach dem Abitur genossen habe, werde ich jetzt für elf Monate als Au Pair nach Madrid fliegen… aaah, wie aufregend! Was mich wohl erwartet? Wie werde ich in die Familie aufgenommen? Mögen mich die Kinder? Mag ich das Essen? Werde ich danach fließend Spanisch sprechen? Fragen über Fragen schwirren mir im Kopf herum …

05.09.2016 – Meine ersten Tage

Nach einer Woche hat sich bereits herausgestellt, dass die ganzen Sorgen umsonst waren. Nachdem ich mich tränenreich von meiner Familie und Freunden verabschiedet habe, hatte ich gleich das Glück, ein anderes Au Pair im Flugzeug kennenzulernen, sodass ich schon mal nicht alleine dastand. In meiner Gastfamilie wurde ich total liebevoll aufgenommen und ich habe mich sofort wohlgefühlt. Ich kümmere mich um drei Kinder namens Sofía, Carmen und Gonzalo, welche 6, 8 und 9 Jahre alt und wirklich zuckersüß sind.

Die Familie wohnt außerhalb von Madrid in Alcobendas und ich brauche mit der Metro – das Metrosystem in Madrid ist übrigens hervorragend – und Bus leider mindestens eine Stunde ins Zentrum. Aber dafür habe ich ein eigenes Zimmer, Badezimmer und wirklich total Glück mit meiner Gastfamilie, denn in Madrid gibt es seltsamerweise sehr viele Au Pairs, die ihre Familie wechseln. Womit ich auch nicht gerechnet hätte, ist, dass so viele Eltern möchten, dass die Au Pairs mit den Kindern deutsch sprechen. Die Sprache scheint hier wohl beliebt zu sein, jedoch antworten mir meine Gastkinder oft auf Englisch. Für mich selbst ist es manchmal sehr verwirrend, zwischen Englisch, Spanisch und Deutsch zu wechseln. Nervig ist es auch, wenn mir im Zentrum die Kellner auf Englisch antworten, weil sie hören, dass ich keine Einheimische bin. In der ersten Woche hatten die Kinder noch Ferien, sodass ich den ganzen Tag mit ihnen verbringen konnte und täglich von 11-14 Uhr und von 16:30-20 Uhr mit ihnen im Schwimmbad war, welches sich direkt vor der Haustür befindet. Dazwischen haben wir natürlich die typisch spanische Siesta abgehalten und abends habe ich sie immer geduscht und ihr Essen zubereitet (an die spanischen Essenszeiten muss ich mich jedoch noch gewöhnen). Manchmal bringen sie mich ganz schön auf die Palme, aber trotzdem habe ich sie jetzt bereits in mein Herz geschlossen.

Gleich am ersten Wochenende ist meine Gastfamilie jedoch weggefahren und somit hatte ich sturmfrei und konnte mit meiner Freundin, welche ich im Flugzeug kennengelernt hatte, die Stadt erkunden. Wir waren natürlich erstmal an der Gran Vía shoppen, haben eine Stadtrundfahrt gemacht, waren an der Puerta del Sol (der berühmteste Platz in Madrid), Tapas und Churros essen und Sangria trinken. Außerdem waren wir im Parque del Retiro und sind anschließend auf den Rastro gegangen – dies ist ein Flohmarkt mit 1300 Ständen und mehr als 80.000 Besuchern. Also ein Ort, den man bei seinem Madridbesuch unbedingt aufsuchen sollte und der für viele Madrider am Sonntag zum Alltag gehört.

06.10.2016 – Der Alltag ist da

Liebes Tagebuch,

heute Morgen bin ich wie immer um 5:30 Uhr aufgestanden und war noch viel zu müde. Naja, ich habe mich dann umgezogen, gefrühstückt und für die ganze Familie das Frühstück vorbereitet. Um 7:15 Uhr wecke ich die Kinder, sorge dafür, dass sie sich etwas anziehen und ihre Haare machen, frühstücke mit ihnen und helfe ihnen dann beim Zähneputzen. Eigentlich sollen sie das Haus um 8:15 Uhr zusammen mit den Eltern verlassen, aber das klappt natürlich nicht immer…Jeden Morgen um 9 Uhr nehme ich den Bus zur Sprachschule, zu der ich täglich von 10:30-11:30 Uhr gehe und die mir wirklich viel Spaß macht und mich und meine Kenntnisse voranbringt. In meinem Kurs sind junge Leute aus aller Welt, welches das Ganze noch viel interessanter macht.

Nach der Sprachschule habe ich bis 17 Uhr Freizeit, denn die Kinder gehen auf eine Privatschule und kommen erst so spät nach Hause. In dieser Zeit treffe ich mich entweder mit Freunden oder gehe ins Fitnessstudio. Doch wo lernt man hier gut Leute kennen? Am besten in der Schule, beim Feiern oder über Facebookgruppen – aber manchmal wird man auch einfach mitten auf der Straße angesprochen. Das ist das Aufregende an solch einer großen und weltoffenen Stadt.

Wenn die Kinder um 17:30 Uhr aus der Schule kommen, gibt es erstmal Merienda (dies ist eine Zwischenmahlzeit) und dann mache ich mit ihnen Hausaufgaben und wir gehen bis 19:30 Uhr nach draußen, wo noch viele andere Kinder sind. Daraufhin dusche ich sie, bereite das Abendessen zu und bringe sie um 21:30 Uhr ins Bett, was natürlich auch nicht immer so klappt, wie es eigentlich sollte. Dies kann manchmal ganz schön turbulent sein – langweilig wird einem mit drei Kindern jedenfalls nicht. Nachdem sie im Bett sind, räume ich die Küche auf, putze die Schuhe der Uniformen und lege mich dann selbst schlafen. Die Eltern haben mir heute gesagt, wie zufrieden sie mit mir sind. Sowas zu hören tut natürlich sehr gut!

Samstag, 8.10.2016 – Besuch aus Deutschland

Liebes Tagebuch,

heute ist ein ganz besonderer Tag, denn meine zwei besten Freundinnen aus Deutschland kommen mich für fünf Tage besuchen. Dies ist wohl das Gute, wenn man in Europa bleibt (es sind übrigens immer noch 25 Grad hier). Mein Wecker hat heute um 8:15 Uhr geklingelt, dann habe ich geduscht, Hausaufgaben für die Sprachschule gemacht und gefrühstückt. Später habe ich mich dann auf den Weg zum Flughafen gemacht, um die beiden zu empfangen. Als ich sie endlich in die Arme schließen konnte, fühlte sich das seltsamerweise etwas unreal an, aber ich freue mich riesig, dass sie hier sind.

Um 15 Uhr sind wir an ihrem Apartment angekommen, sind dann erstmal was Leckeres essen gegangen und haben einen Plan für die nächsten Tage erstellt. Eigentlich hätte ich abends arbeiten müssen, jedoch hat mich meine Gastmama spontan um 19 Uhr angerufen und meinte, dass sich mein Gastpapa den Arm gebrochen hat und sie somit heute Abend zu Hause sind und ich ruhig mit meinen Mädels feiern gehen kann. Glück im Unglück würde ich sagen! Bis 00:30 Uhr haben wir in ihrem Apartment gechillt (vorher beginnt das Nachtleben in Madrid nämlich nicht), dann waren wir in einer total überfüllten Bar namens Copas und wollten dann eigentlich ins Kapital (einer der größten Clubs in Europa), jedoch wurden wir von einem Typen angesprochen, der uns für fünf Euro in einen anderen Club gebracht hat. Ob man es glaubt oder nicht, aber nachts ist hier mehr los als am Tage und manchmal kommt man gar nicht durch die Menschenmengen hindurch. Bis 4 Uhr haben wir zu typisch spanischer Musik getanzt und sind danach in San Gines Churros essen gegangen (dies macht so gut wie jeder nach dem Feiern).

Bis 6 Uhr habe ich dann auf einem Stuhl in dem Apartment von meinen Freundinnen geschlafen und dann die erste Metro genommen, bis ich dann tatsächlich um 8:20 Uhr zu Hause war. Da die Kinder leider schon um 10 Uhr wach waren, hat sich das mit dem Schlaf erledigt….aber dafür hatte ich eine unvergessliche Nacht!

Samstag, 29.10.2016 – Auf geht‘s nach Segovia

Liebes Tagebuch,

heute hat mein Wecker schon um 5:20 Uhr geklingelt, denn ich fahre heute mit einer Freundin nach Segovia & La Granja. Dies sind Städte, die anderthalb Stunden entfernt von Madrid liegen und auf jeden Fall sehenswert sind! Zum Glück gibt es eine Organisation namens BeMadrid, welche solche Fahrten zu günstigen Preisen anbietet. Somit war ich auch schon in Salamanca, Avila und sogar ein ganzes Wochenende in Valencia. Dabei lernt man nicht nur das Land besser, sondern auch Leute aus der ganzen Welt, kennen.

Bereits um 08:30 Uhr waren Katinka und ich am Treffpunkt, jedoch ist der Bus erst um 9:15 Uhr losgefahren, denn die Spanier sind halt nicht die pünktlichsten. Um 11 Uhr sind wir angekommen und haben uns zuerst ein Schloss angeguckt und danach eine Stadtführung gemacht. Wir hatten wirklich traumhaftes Wetter und Segovia bietet so tolle Ausblicke! Danach hatten wir noch Freizeit und sind um 17 Uhr nach La Granja weitergefahren. Dort haben wir uns einen Park angeguckt, in den der König Spaniens mehrmals im Jahr kommt. Dies war wunderschön, denn man konnte deutlich sehen, dass der Herbst beginnt.

Montag, 21.11.2016 – Vorfreude auf Weihnachten in der Heimat

Ich muss zugeben, dass ich – nachdem meine Freundinnen aus Deutschland weg waren – ein wenig Heimweh hatte, aber jetzt geht es mir unglaublich gut und ich liebe mein Leben hier! Es ist eine der besten Erfahrungen, eine neue Kultur, neue Leute und ein fremdes Land kennenzulernen und die Sprache jeden Tag ein bisschen besser zu sprechen und zu verstehen. Trotzdem kann ich es nun kaum erwarten, am 23. Dezember für zwei Wochen nach Hause zu fliegen und alle wiederzusehen! Dies wird mir nochmal ordentlich Motivation für das darauf folgende halbe Jahr geben.

Über Wanted 22 Artikel
Jung. Dynamisch. Anders. Frischer Wind in der Medienlandschaft durch Themenvielfalt und Qualitätsjournalismus. Lässig und professionell.

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