Insta-Star im Interview: „Ich denke nur in Bildern“

Patrick Schrankler hat als Patrickdossantosaveiro 180.000 Follower auf Instagram.

Blogger patrickdossantosaveiro

Was entgegnest du Menschen, die behaupten, dass Instagram oberflächlich sei?
Einerseits haben die Leute recht und andererseits auch wieder nicht. Für die Menschen, die kein Instagram haben oder nicht so in der Szene drinstecken, erscheint die Plattform im ersten Moment oberflächlich, weil sie ja „nur“ meine Bilder sehen. Daher kann ich (@ Patrickdossantosaveiro bei Instagram) ja auch als Person nur mein Äußeres zeigen und den Ausschnitt genau festlegen. Dennoch versuche ich als Person hinter den Bildern zu stehen, mich also nach außen hin authentisch zu präsentieren. Ich poste nur Content, hinter dem ich stehe. Es ist teilweise oberflächlich, aber es steht schon Patrick als Person dahinter. Ich komme mir selbst nicht oberflächlich vor, weil ich viel mehr damit verbinde.
Deine Follower würden mehr als viermal das Weserstadion füllen. Kann man diese Zahlen richtig einordnen?
Auf keinen Fall, das ist schon gewaltig (lacht). Alles passiert eben im virtuellen Raum – es sei denn, ich laufe durch die Stadt, werde gesehen und angesprochen, dann spürt man es natürlich schon. Es ist dann schon so, dass es heißt: „Lass uns mal ein Bild machen“ oder „können wir auch noch ein Bild machen?“. Es ist für mich schon krass, wo sich das mit Instagram hinentwickelt hat. Trotzdem habe ich noch genügend Freiraum, man wird ja auch nicht überall erkannt.
Außer in Nürnberg, da ist es wirklich gewaltig, hier kennt mich praktisch jeder! Wenn ich mal entspannt shoppen gehen möchte, ist das schon schwierig. Viele schreiben mir dann auch im Anschluss bei Instagram, dass sie mich gesehen, aber sich nicht getraut hätten, mich anzusprechen. Mich freut es aber natürlich auch irgendwo, denn daran sieht man ja, dass die Menschen feiern, was ich auf Instagram mache.
Geht auch eine Verantwortung mit solch einer Reichweite einher?
Ja, natürlich! Ich finde, dass man bei 180.000 Followern eine Vorbildfunktion haben sollte, weil meine Community schon ganz genau darauf schaut, was ich eigentlich für Bilder poste. Ich habe auch minderjährige Follower, da muss man natürlich auch in gewisser Weise Rücksicht nehmen und ein wenig aufpassen. Mich erreichen viele Nachrichten, in denen es heißt, dass ich zum Beispiel in Sachen Mode für denjenigen ein Vorbild bin. Das macht mich schon wahnsinnig stolz und deshalb versuche ich dieser Rolle auch bestmöglich gerecht zu werden.
Haben es dir die Leute anfangs schon zugetraut?
An der Stelle muss ich immer darauf hinweisen, dass mich alle belächelt haben, als ich vor fünf Jahren als Blogger auf Instagram angefangen habe. Die haben über mich gelacht und es mir in der Form, wie es heute ist, nicht zugetraut. So war es zum Beispiel in meiner Fußballmannschaft und heute verbeugen sich die Leute praktisch vor mir – das bestätigt mich schon. Es war so, dass es die Leute zu der Zeit wirklich nicht nachvollziehen konnten, wie ich auf die Straße gehen und da Bilder machen kann, die ich dann später auf Instagram hochlade. Somit habe ich schon ganze Arbeit geleistet in den letzten Jahren und mein Hobby zum Beruf machen können.

Ich war zu der Zeit schon eine Art Pionier, was die deutsche Instagram-Szene angeht.

Damals gab es keine Blogger, wie man sie heute kennt. Vielleicht war das auch ein Grund, warum die Leute so verhalten reagierten, denn das kannte einfach keiner. Heute ist es ja fast normal geworden, aus seinem Leben zu posten, aber der frühe Anfang hat mir bei meiner hohen Followerzahl schon geholfen.
Ich habe zusammen mit Daniel angefangen (@magic_fox, aktuell: 1,4 Millionen Follower) und uns bei 5000 Followern gegenseitig Shoutouts gegeben – schon im Rückblick unglaublich, was sich aus den Anfängen bis heute getan hat. Für mich war in den Anfängen so krass, dass ich von „Live fast die young“ 40 Klamotten zugeschickt bekommen habe, um diese dann auf den Bildern zu tragen. Instagram hat mein Leben komplett verändert, auch wenn solche Sätze klischeehaft klingen.
Skizziere mal einen typischen Tag von Patrickdossantosaveiro.Instagramblogger patrickdossantosaveiro
Es dreht sich jeden Tag um Bilder, also ich muss täglich shooten gehen, mich stundenlang vorbereiten und die Bilder sehr lange nachbearbeiten. Darauf lege ich sehr großen Wert, das ist auch so ein wenig mein Markenzeichen. Für mich ist es wichtig, dass ich in der unglaublich großen Masse an Bildern heraussteche. Das tue ich unter anderem über meinen Style und die Art der Bilder, aber auch über die Nachbearbeitung, wo ich mit Programmen wie Lightroom oder Photoshop arbeite, um den Bildern den letzten Schliff zu verleihen. Es dauert dann zwar zwei bis drei Stunden pro Bild, aber das macht meine Qualität im Endeffekt aus.
Du verdienst dein Geld mit Social Media. Ist der Job wirklich so leicht wie er aussieht?
Das ist er definitiv nicht. Es ist eben die Kunst, ihn so leicht aussehen zu lassen. Wie eben angesprochen macht die Planung, das Shooting an sich und die Nachbearbeitung einen sehr großen Teil in meinem Alltag aus und kostet somit auch viel Zeit.
Wenn ich das mal vergleichen würde, dann arbeite ich stundenmäßig deutlich mehr als jemand, der klassisch nine to five im Büro arbeitet. Es ist tatsächlich ein 24-Stunden-Job, denn die Gedanken kreisen fast immer um die Bilder und mein Profil (@ Patrickdossantosaveiro). Klar ist es auch mein Alltag, den ich da zeige und deshalb lässt sich vieles verbinden, aber ganz abschalten ist schwierig. So kommt es vor, dass ich nur noch in Bildern denke. Es ist schon verrückt, dass ich immer als erstes schaue, ob sich ein Platz für gute Fotos eignet, wenn ich durch die Stadt fahre. Man entwickelt mit den Jahren einen ganz besonderen Blick, den man aber auch nicht einfach ablegen kann (lacht).

Ich bin praktisch immer auf „Locationsuche“.

Es ist auf keinen Fall eben rausgehen und ein Bild machen. Zeitweise kann das schon sehr anstrengend sein, weshalb ich als Ausgleich viel Sport treibe. Ich habe mein ganzes Leben Fußball gespielt, das geht momentan leider nicht mehr, aber Fitness hilft mir da momentan sehr.
Dein Plan B für die Zeit nach Instagram?
Eigentlich habe ich eine Ausbildung zum Hairstylisten gemacht, aber in diesem Beruf möchte ich nach meiner Zeit mit Instagram nicht wieder arbeiten. Vielmehr könnte ich mir vorstellen, dass ich in den Marketingbereich reinrutsche, denn ich habe tagtäglich mit Marketing zu tun und „vermarkte“ mich ja als Person permanent auf den sozialen Netzwerken.
Somit würde ich schon sagen, dass ich mit Marketingspezialisten konkurrieren könnte, weil ich nochmal ganz andere Blickwinkel durch meine praktischen Erfahrungen mitbringe. Denkbar wäre auch ein Job in der Fotobranche, weil ich schon unzählige Bilder gemacht habe und natürlich ein Auge für die Location, die Perspektive, das Licht, die Nachbearbeitung usw. habe. Jetzt ist Instagram aber mein Hauptberuf und für die Zeit danach fühle ich mich auch gut aufgestellt.
Was würdest du jungen Menschen raten, die auch gerne Influencer werden würden?Influencer Patrickdossantosaveiro
Ich bekomme solche Fragen jeden Tag gestellt und antworte immer, dass der wichtigste Punkt tatsächlich die Geduld ist. Man muss dranbleiben und genau da liegt für viele auf den schnelllebigen sozialen Plattformen das Problem. Viele sind unzufrieden, wenn sie nach einigen Wochen noch keine Erfolge sehen und verlieren dann den Ehrgeiz und brechen das Projekt wieder ab. Bei mir sehen ja viele jetzt auch nur das mein Account Patrickdossantosaveiro 180.000 Follower hat, aber bedenken nicht, dass ich mir diese Community über vier, fünf Jahre harte Arbeit aufgebauthabe. Man muss daneben natürlich Ideen mitbringen, um irgendwie aus der Masse an Bildern herauszustechen. Eine Art Markenzeichen ist entscheidend – bei mir ist es unter anderem die aufwendige Nachbearbeitung der Bilder, aber da muss jeder seinen eigenen Stil finden. Ehrgeiz hat sich auch bei mir noch als wichtiger Faktor herausgestellt, da man auch an seine Visionen glauben muss und nur so auch längere Passage des Stillstandes überwinden kann. Bei den ganzen Faktoren muss man trotzdem festhalten, dass ich genau zur richtigen Zeit begonnen habe. Außerdem hatte ich eine Menge Glück.
Wie gehst du mit Hatern um?
Also Hater hat man auf dem Level immer. In dem letzten Jahr habe ich davon ehrlich gesagt nicht mehr so viel mitbekommen. In den Jahren davor habe ich schon einige Nachrichten oder Kommentare von Hatern bekommen. Ich habe das dann meistens ignoriert und versucht, nicht länger darüber nachzudenken, weil man schnell merkt, dass die Kritik aus der Luft gegriffen ist und aus dem Hate mehr der Neid spricht. Im Endeffekt ist es einfach wichtig, mit Hatern umzugehen und sich nicht von seinem Weg abbringen zu lassen, denn genau das wollen sie erreichen.

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