Island Roadtrip entlang der Südküste

Island-Roadtrip

Island ist ein großes Naturschauspiel

Ein Island-Roadtrip an der Küste – eine tolle Vorstellung, die wir in die Tat umgesetzt haben. Wir sind Mitte Februar sechs Tage an der Südküste gefahren – einmal von Reykjavik bis Höfn im Südosten der Insel und wieder zurück. Insgesamt rund 800 Kilometer voller eindrucksvoller Naturschauspiele und grandiosen Erlebnissen. Folgenden Kommentar mussten wir uns von einem gelassenen Kontrollbeamten anhören, der dafür zuständig war, die Ringstraße aus Reykjavik heraus abzusperren: „Welcome to Iceland“. Wie konnte es dazu kommen? An der Südküste tobte ein heftiger Sturm und dieser sorgte immer wieder für starke Schneeverwehungen auf der Straße. Daher gab es laut der Einsatzkräfte kein Durchkommen – wir wurden mit der Aussage vertröstet, uns noch einige Stunden mit dem Weiterfahren gedulden zu müssen. Im ersten Moment fiel uns die Kinnlade runter und wir wussten nicht, ob wir weinen oder lachen sollten. Eine Straßensperrung wegen der Wetterlage? In Deutschland ist das ein seltenes Phänomen und gerade in Island ein großes Problem, weil keine naheliegende Umleitung bereitgestellt wurde, sondern alle Straßen in Richtung Vik auf der Südküste gesperrt waren. Später breitete sich der Sturm aus und es wurden immer mehr Straßen auf der Webseite für isländische Straßenverhältnisse rot markiert, was die Unbefahrbarkeit jener Wege bedeutete. Im Nachhinein kennen wir die Domain noch auswendig: www.road.is. Gut, zugegebenermaßen ist sie auch nicht sonderlich kompliziert, aber wie oft haben wir an unserem ersten vollen Tag nach der Anreise diese Seite aufgerufen?

Im Winter auf Island immer www.road.is

Reykjavik ist eine beschauliche Stadt, die vor allem im Zentrum sehr schön ist: Kleine Läden reihen sich in den Fußgängerzonen rund um die Kirche Hallgrimskirkja aneinander. Uns ging es aber weniger um eine Städtereise, als darum, Abenteuer in der wilden Natur Islands im Winter zu erleben. Da ist ein Nachmittag in dem Cafè Kaffitar zwar schön (vor allem, wenn es Kaffee gibt, den man selbst nachfüllen kann), aber die Sehnsucht nach den großartigen Naturszenerien befriedigt es auch nicht. Somit warteten wir und warteten; und luden die Webseite immer und immer wieder neu.

Islands Wasserfall Seljalandsfoss bei Nacht

Mit unserem schneeweißen (im verschneiten Island also fast schon tarnfarbenen) VW Polo ging es am Abend aus Reykjavik los in Richtung unserer zweiten Unterkunft in Vik. Am Tag zuvor hatten wir den Mietwagen direkt am Flughafen in Keflavík abgeholt. Es ist allemal eine spannende Erfahrung, die Ringstraße im Stau zu erleben, denn so viele Autofahrer wie auf den ersten Kilometern zwischen Reykjavik und Selfoss haben wir auf unser ganzen weiteren Reise nicht getroffen. Zur Erklärung: Die Ringstraße führt einmal um die komplette Insel und ist dabei meist einspurig, manchmal auch zweispurig, aber insgesamt in einem hervorragenden Zustand. Alle anderen Straßen sind hingegen ein Überraschungspaket, da man nie genau weiß, wie es um die Straßenverhältnisse steht. Im Sommer ist das sicher ein willkommenes Abenteuer (zumindest mit dem richtigen Auto, am besten mit Allrad-Antrieb), im Winter eher eine Herausforderung. Wir entschieden uns schließlich, der Ringstraße zu folgen und die Schotterpisten lieber zu Fuß zu beschreiten. Es war schon lange dunkel, als wir auf der Ringstraße plötzlich weit entfernt ein großes Licht wahrnahmen. Der Wasserfall Seljalandsfoss liegt direkt an der Ringstraße und ist aus Richtung Selfoss super von weitem zu erkennen. Bei Nacht wird dieser angestrahlt – sonst wären wir vermutlich daran vorbeigefahren, da wir ihn auf unser Rücktour sowieso noch bei Tageslicht anschauen wollten. Wir wagten den Abstecher und wurden nicht enttäuscht. Eine wahnsinnige Erfahrung, wenn man vor einem über 100 Meter hohen Wasserfall steht und dem mächtigen Rauschen lauscht. Man spürt das feine Spritzwasser im Gesicht und fühlt sich am Fuße des Wasserfalls gegenüber den Wassermassen winzig, aber auch irgendwie geerdet und angekommen. Spätestens jetzt machte sich Erleichterung breit, dass unser Abenteuer Island noch einiges mit uns vorhatte.

Viks Schwarzer Strand bei Sonnenaufgang

Auch bei einem der berühmtesten Wasserfälle, Skogafoss, machten wir Halt. Dieser war allerdings nicht beleuchtet und so konnte man diesen nur erahnen. Ebenfalls erahnen konnte man die Nordlichter, welche in leichtem Grün über dem Wasserfall schimmerten. Wir trafen eine Gruppe Fotografen, die noch eine lange Nacht vor sich hatten, da sie warten wollten, bis die Nordlichter intensiver über den Himmel ziehen würden. Fasziniert von diesem Gedanken blieben wir auch kurz stehen, folgten dann jedoch der Vernunft und fuhren weiter in Richtung unserer Unterkunft – ein Guesthouse mit Gemeinschaftsbad etwas außerhalb von Vik. Diese Art von Unterkunft ist durchaus üblich für Island und auch wir haben damit nur gute Erfahrungen gemacht. Kein Luxus, aber dafür durchweg nette Leute und eine sehr herzliche Atmosphäre (der ein oder andere Geheimtipp für einen lohnenswerten Abstecher ist dann auch mal drin). Am nächsten Morgen weckten uns die ersten Sonnenstrahlen und trieben uns in Richtung des schwarzen Strandes, wo wir noch bei Sonnenaufgang eintrafen. Ein mystischer Ort, an dem das Wasser auf den tiefschwarzen Strand trifft und herrliche Kontraste zaubert. Wenn man sich von den Wellen abwendet, schaut man auf die hohen Steilküsten, wo viele Vögel ihr zu Hause haben. Bei unserem Besuch waren die Wellen recht hoch und die Sonne tauchte alles in ein angenehm warmes Licht, wobei es ansonsten eisig kalt war. In vielen Bereichen der Insel ist man ungestört und sieht nur wenige Menschen. An den Hotspots jedoch trifft man zu normalen Tageszeiten immer Touristen, sodass ein Schnappschuss ohne „Touri“ manchmal gar nicht so einfach ist. Vor allem im Sommer früh aufzustehen oder lange wachzubleiben, empfiehlt sich schon, da dieses antizyklische Vorgehen spannende Eindrücke liefern kann. Auf Island sehen die Orte nämlich immer anders aus – das Licht, die Wetterlage und die Natur stehen in einem ständigen Wandel. Manchmal scheint die Sonne und fünf Minuten später fährt man durch einen unvorhergesehenen Schneesturm.

Diamond Beach – Gletscherbrocken funkeln wie Diamanten

Ein ganz besonderer Ort auf dem Weg von Vik nach Höfn entlang der Südküste ist der Diamond Beach, wo immer wieder neue Eisbrocken an den Strand gespült werden. Diese funkeln bei einem Besuch wie unzählig viele überdimensionale Diamanten und lassen in Kombination mit den Wellen des Atlantischen Ozeans eine ganz besondere Atmosphäre entstehen. Einige 100 Meter weiter, nur eine Brücke entfernt, ist ein weiterer Hotspot zu finden – die Gletscherlagune. Hier schwimmen einige kleine Eisberge im Wasser und sorgen mit ihrem Schmelzen für einen steten Zufluss von Eiswasser. Beim Da hinschmelzen konnten wir noch einigen Seehunden beim Tauchen zuschauen und es war ein niedlicher Anblick, wie sie immer wieder verspielt aus dem Wasser geguckt haben. Als wir nach einigen weiteren Stunden auf der Ringstraße (und unzähligen kurzen Stopps) in Höfn ankamen, hatten wir unseren Wendepunkt erreicht. Wir waren jetzt entlang der Südküste von Westen bis Osten gefahren und wollten von hier aus wieder umdrehen.Gerne hätten wir noch mehr Zeit für eine komplette Umrundung gehabt, aber das ließ unser Budget nicht zu und auch die zeitlichen Kapazitäten waren bereits ausgelastet. Im Sommer scheint eine Umrundung innerhalb von einer Woche möglich, aber im Winter braucht man mindestens zwei, denn die Wetterlage ist unberechenbar. Häufig kann man lange nicht das Tempolimit von 90 km/h fahren, da die Verhältnisse zu schwierig sind.

Islands Schönheit – man kommt aus dem Staunen nicht heraus

Eins ist uns jedoch besonders aufgefallen – es war zu keinem Zeitpunkt komisch, dass wir fast den gleichen Rückweg fuhren, da man am liebsten immer wieder anhalten und staunen möchte. Kilometerlange Straßen, wo links und rechts nur unberührte Natur ist, die vor allem mit ihren Schneemassen und den eindrucksvollen Vulkangesteinen punkten konnte. Zu der Einsicht, dass Island eine Vulkaninsel ist, gelangt man schnell, denn links und rechts des Weges liegt überall Vulkangestein. Einige kann man auch besichtigen – so waren wir bei dem Vulkankrater Kerid, in dem ein herrlich blauer See liegt. Allerdings lohnt sich der Besuch nicht unbedingt im Winter, weil der See zu dieser Jahreszeit von Schnee und Eis überdeckt ist und somit praktisch nicht sichtbar ist. Generell hat Island ein relativ hohes Preisniveau (die altbekannten, skandinavischen Verhältnisse), aber es ist mit dem Flugzeug mit rund vier Stunden Flugzeit allemal gut zu erreichen. Mit „Wow-Air“ ist es auch preislich ieinem durchaus fairen Bereich. Es wird kaum mit isländischen Kronen bezahlt, sodass eine Kreditkarte völlig ausreicht, da man selbst erlebt, dass andere Touristen ihr Kaugummi mit der Kreditkarte bezahlen. Die Einwohner sprechen häufig Englisch, aber Radiosender gibt es nicht wirklich viele während der Reise, sodass man sich ein paar gute CDs (für das Roadtrip-Feeling) einpacken sollte, wenn man denn mit dem Auto unterwegs ist. Apropos Auto – das Reisen ohne Auto ist sicher eine Herausforderung. Eine organisierte Busreise wäre bestimmt auch eine gute Möglichkeit! Per Anhalter zu fahren ist nicht jedermanns Sache und alles Andere ist auf Island eher ausgeschlossen – vor allem im Winter. Es mag sein, dass das Fahrrad im Sommer noch eine Möglichkeit ist oder das Motorrad. Größere Städte gibt es neben Reykjavik eigentlich kaum welche und als wir in unserer dritten Nacht in Höfn ankamen, mussten wir feststellen, dass der einzige Supermarkt bereits um 19:00 Uhr geschlossen hatte. Wenigstens fanden wir noch ein kleines Bistro, wo wir uns einen Hamburger und einen Salat gönnten. Im Hinblick auf das Essen können wir uns nur ein kleines Urteil erlauben, da wir uns viel aus dem Supermarkt besorgt haben (zu stolzen Preisen – das meiste muss ja auch erstmal auf die Insel kommen).

Icelandis Streetfood – eine klare Empfehlung

Typisch für Island sind natürlich viele Fischgerichte und auch Suppen werden gerne serviert. So haben wir uns am letzten Abend isländisches Streetfood bei einer sehr angesagten Adresse in Reykjavik besorgt („Icelandic Streetfood“). Hier gibt es Lamm- oder Fischsuppe im Brötchen und der freundliche Besitzer schenkt gerne auch nochmal Suppe nach. Leider war es bei unserem Besuch sehr voll, sodass die Suppe bei Schneeregen im Freien gegessen haben – auch ein Erlebnis! Während des Roadtrips haben wir auch gelernt, mit gewissen Umständen gelassener umzugehen. Das Wetter gibt den Takt vor und daran muss man sich eben anpassen. Die Isländer sind da entspannter und so erinnerten wir uns immer wieder gerne an das Zitat aus der Überschrift. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher nach Selfoss, um den Golden Circle zu fahren, der auch von Reykjavik sehr gut zu erreichen ist (ab Reykjavik werden auch geführte Bustouren angeboten). Neben dem Kratersee gibt es hier noch dampfende Schwefelquellen zu bestaunen und vor allem den Wasserfall Gullfoss, der in mehreren Stufen verläuft und wirklich eindrucksvoll aussieht. Einer Erzählung nach versuchte in den 1920er Jahren ein Energieunternehmen, dem Besitzer des Landstückes den Wasserfall abzukaufen, sodass sie dort ein Wasserkraftwerk errichten konnten. Der Besitzer entgegnete jedoch nur Folgendes: „Ich verkaufe meinen Freund nicht!“

Spektakuläre Urlaubsbilder garantiert

Nach sechs spannenden Tagen ging unsere halbe Rundreise dann in Reykjavik zu Ende. Als Fazit lässt sich festhalten, dass Island eine Reise wirklich wert ist.Wer jedoch den klassischen Entspannungsurlaub sucht, ist auf Island falsch aufgehoben. Auf Island geht es darum, die Natur in ihrer ganzen unberührten Schönheit auf sich wirken zu lassen und mit dem nötigen Respekt spannende Abenteuer in ihr zu erleben.

Über Florian Krüger 28 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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