Mainstreamland Australien – Die nackte Wahrheit

ein Bericht von Fabian Aichem

Machen wir uns nichts vor. Fast jeder Schüler, der seinen Abschluss in der Tasche hat, spielt mindestens einmal mit dem Gedanken, Reißaus zu nehmen, den Rucksack zu packen und ins Ausland zu gehen. „Ausland nach der Schule“ ist mittlerweile fast ein Synonym für Work and Travel in Australien geworden und für alle interessant, die in ihrer Heimat keine Freunde haben, für die Mama und Papa immer noch total doof sind und die auch überhaupt keinen Bock haben, sich direkt für ein Studium oder einen Job den Ars** aufzureißen. Spaß beiseite, die Gründe nach Australien zu gehen, sind manchmal sehr verschieden, aber meistens dann doch ziemlich gleich.

Grund Numero 1, äh Number 1: Ich will Englisch lernen 

„Ich will Englisch lernen!“ Theoretisch ein guter Grund, praktisch aber doch nicht so einfach wie gedacht… zumindest als Deutscher. Wer denkt, dass allein Mallorca von uns überschwemmt ist, der irrt sich. Ich denke mittlerweile, dass sich die Zahl von 80 Millionen Deutschen tatsächlich nur auf Deutsche in Deutschland bezieht. Auf der Welt verteilt sind wir sicher über 100 Millionen! In jedem Hostel kann man mit einem deutschsprachigen Anteil von 30-50% rechnen. Wer also durchgehend Englisch sprechen möchte, der sollte sich nicht als Deutscher outen. Aber auch wenn man nicht nur Englisch spricht, wird man merken, wie gut es schon nach ein paar Monaten funktioniert – man braucht hier einfach nur etwas mehr Geduld. Keine Sorge.

Grund Nummer 2: Ich will ‚frei‘ sein 

Hört sich erstmal logisch an. Auch wenn einen die Eltern mit über 18 nicht mehr wirklich bevormundet haben, so war man doch noch nie ganz unabhängig. Sobald man in Australien landet und sich die Preise anschaut, wird aber auch schnell klar, dass das Problem der „Unabhängigkeit“ gar nicht an den Eltern, sondern an den Finanzen lag. Jobsuchen ist angesagt. Die Freiheit kommt eben nicht von alleine.

 Grund Nummer 3: Ich möchte mich selbst kennenlernen

Einer der – meiner Meinung nach – besten Gründe, das Zuhause für etwas längere Zeit zu verlassen. Während man im Freundeskreis, bei den Eltern oder auch in der Schule immer eine feste Rolle mit bestimmten Eigenschaften einnimmt, so hat man die Möglichkeit (sofern man alleine reist), diese Rolle komplett neu zu definieren. Wie du in Australien leben möchtest, ist komplett dir überlassen. Wie wäre es mit einem alternativen Lebens- stil in Melbourne mit einem Barkeeperjob? Oder doch der hartarbeitende Bauarbeiter in Perth bei höllischen Temperaturen? Vielleicht willst du Arbeit und Reisen aber auch strikt trennen und lebst die ersten Monate auf einer Farm im Nirgendwo. Du bestimmst alles, was du tust und ich kann dir garantieren, dass sich dein Selbstbewusst- sein und dein Selbstvertrauen ans Limit bewegen! Und wie man dadurch zwei Fliegen mit einer Klatsche schlägt, erfahrt ihr in Grund 3.

Grund Nummer 4: Ich weiß nicht, was ich sonst nach der Schule machen soll

Für die meisten sBild 51teht ihre Zukunft auch noch nach dem Abi in den Sternen. Ich denke, ich bin nicht der Einzige, der seinen Plan gefühlt 100 Mal umgeworfen und neu gebastelt hat. Die Erfahrungen, die man – wie in Grund 2 be- schrieben – über sich selbst macht, helfen dir unge- mein bei der Wahl, wie es Zuhause weitergehen soll. Ich persönlich bin dankbar, wenn ich mein Studium anfange und mit dem Kopf arbeiten kann, nicht mehr acht Stunden am Tag Stahl schleppen oder die Farbe von Wänden klopfen muss.

Australien bietet wunderschöne Kulissen und wenn man diese mit ein paar Freunden im Cam- per bereist, so möchte ich nicht abstreiten, dass dies vielleicht die beste Zeit des Lebens sein kann. Ich habe Australien aber auch oft verflucht – ich habe mir öfter gewünscht, einfach wieder zu Hause zu sein. Nicht, weil mir mein Bett nicht gefallen hat, oder weil die Arbeit so hart war. Es waren die Menschen, die Deutschland zu meinem Zuhause machen. Meine Familie, meine Freunde und meine Freundin, die mir gefehlt haben und welche man nach solch einem Abenteuer noch viel mehr zu schätzen lernt.

Grund Nummer 5: Ich möchte neue Menschen kennenlernen

Neue Menschen kennenzulernen, ist überall möglich. Menschen aus nahezu allen Regionen der Erde kennenzulernen, klappt in Australien aber besonders gut. Denn auch wenn unzählige Deutsche dort sind – Kim aus Südkorea, Masa aus Japan, Rob und Craig aus Irland, Juan aus Chile und viele viele weitere sind wohl Bekanntschaften, die ich so nirgendwo anders in der kurzen Zeit hätte machen können. Aus einigen Bekanntschaften werden sogar richtige Freunde, wer also denkt, nach dem Abflug in Deutschland hätte man den einzigen Abschied hinter sich, den muss ich enttäuschen.

Australien bietet wunderschöne Kulissen und wenn man diese mit ein paar Freunden im Camper bereist, so möchte ich nicht abstreiten, dass dies vielleicht die beste Zeit des Lebens sein kann. Ich habe Australien aber auch oft verflucht – ich habe mir öfter gewünscht, einfach wieder zu Hause zu sein. Nicht, weil mir mein Bett nicht gefallen hat, oder weil die Arbeit so hart war. Es waren die Menschen, die Deutschland zu meinem Zuhause machen. Meine Familie, meine Freunde und meine Freundin, die mir gefehlt haben und welche man nach solch einem Abenteuer noch viel mehr zu schätzen lernt.

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