Neuinterpretation der Bremer Stadtmusikanten

Das Lagerhaus am Sielwall im Bremer Viertel ist komplett gefüllt und die Leute lauschen gebannt den Worten der Künstler. Künstler trifft es zwar schon recht gut, aber Wortakrobaten bringt es wohl doch noch besser auf den Punkt. Dabei gilt es nicht nur, die Worte und den Sinn in Einklang zu bringen, sondern das Ganze dann auch noch ansprechend rüberzubringen.

Schließlich wird der jeweilige Künstler auf der offenen Bühne vom Publikum bewertet. Es gibt eine A- und eine B-Note, die jeweils zu einer Gesamtpunktzahl addiert werden. Diese Noten werden von fünf Zuhörern aus dem Publikum festgelegt und die höchste und niedrigste Wertung fällt jeweils raus. Klingt simpel, ist es auch. Aber kann auch ganz schön hart sein. Denn wer möchte schon als Verlierer des Abends auf der Anzeigetafel stehen? Für das Publikum heißt das jedoch: Spannung pur und viele interessante Vorträge und Texte.

Sebastian Butte ist ein alter Hase in der Szene und weiß genau, wie er seine Worte zum Einsatz bringen kann, damit das Publikum beim anschließenden Applaus so richtig aus sich rauskommt. Im Finale brachte er einen absolut erstklassigen Text auf die Bühne – eine Neuinterpretation der Bremer Stadtmusikanten. Dabei versteht man anfangs gar nicht den Zusammenhang, doch mit der Zeit wird einem klar, worum es geht und man muss innerlich den Hut vor Sebastian Butte ziehen. Er verknüpft dieses so bekannte Märchen mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik und macht das richtig gut. Die Tiere wurden früher auch von ihren Besitzern verjagt und trafen sich, um zusammen Musik zu machen – etwas Besseres als den Tod fände man ja überall. Also warum das nicht einfach auf vertriebene Menschen transferieren und ihnen die Hand reichen?

Es klingt gewagt, funktionierte aber hervorragend und bescherte ihm fast den Sieg des Abends – wenn da nicht nicht der „Fruchternich“ gewesen wäre und im Finale ein Freestyle vom Allerfeinsten dargeboten hätte. Versetzen sie sich einfach mal in die Lage … Sie stehen auf einer Bühne vor einigen hundert Zuschauern und sagen: „Gebt mir mal drei Begriffe und ich baue euch daraus eine Geschichte.“

Am Ende lauteten die Wörter: Disney World, Hotzenplotz und Schaffellmütze. Klingt verrückt? War es auch. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten brachte er sieben Minuten lang einen frei erfundenen Freestyle auf die Bühne. Unglaublich lustige Passagen reihten sich an noch witzigere und im Endeffekt sicherte sich der „Fruchternich“ den Sieg.

So lohnt es sich auf jeden Fall, mal beim Slam Bremen vorbeizuschauen und sich von den Worten inspirieren zu lassen. Vielleicht ist ja jemand so begeistert, dass er sich bald selbst dem Publikum beim Poetry Slam stellt… Auch spontane Entscheidungen sind möglich, denn auf der Webseite des Slam Bremens kann sich jeder anmelden – auch zwei Minuten vor Beginn.

Termine und Infos gibt es hier: www.slam-bremen.de

Über Florian Krüger 28 Artikel
Der Chefredakteur, der den Stift immer zur Hand hat und vor lauter Ideen fast das Schreiben vergisst - aber hat ja geklappt! Voilà ...

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