„Unsere Musik hat es verdient“

ein Interview mit Tom Thaler & Basil

Es ist ein kalter, regnerischer Dezemberabend im Bremer Bahnhofsviertel, als uns das Duo Tom Thaler & Basil (Tom Ulrichs & Marius Förster) im Tower willkommen heißt. Dass das Gespräch an diesem Tag stattfindet, ist eigentlich ein Zufall. Ursprünglich war der Gig in Bremen schon für Anfang Oktober eingeplant. Wie dem auch sei, die Jungs sind ja auch nicht zum ersten Mal in Bremen. „Wir haben hier schon ein paar Mal gespielt“, merkt Tom Ulrichs direkt zu Beginn an. Und auch wir erinnern uns an den Auftritt auf der Breminale im Jahr 2015. Seitdem ist einige Zeit vergangen, Singles und Alben wurden veröffentlicht, die Musik und Künstler haben sich weiterentwickelt. Es ist an der Zeit, um ein Update im Backstage des Towers zu Pommes, Burgern und stillem Wasser zu bitten. Das Interview führen wir mit Sänger Tom Ulrichs, sein Kollege Marius Förster bereitet sich derweil auf den anschließenden Gig vor. 

Ihr vereint Musikrichtungen, an deren Kombination sich die wenigsten Künstler wagen. Wie hat das alles angefangen? Wie kommt man darauf, House bzw. elek- tronische Beats mit Hip Hop in Einklang zu bringen? Angefangen hat alles damit, dass Basil House- und Techno-Beats produziert hat. Dann bin ich mit Basil und seinem Kumpel nach Stuttgart gefahren. Ich wollte eigentlich schlafen, aber die beiden haben gerade produziert und dann habe ich einfach angefangen, auf die Beats zu rappen. Ich habe festgestellt, dass es ganz gut funktioniert. Wir haben dann recht schnell auch die ersten Tracks neben dem Studium aufgenommen. Unsere ersten Demos haben wir in einem Ferienhäuschen von Marius in Holland aufgenommen. Mittlerweile geht unsere Musik ja gar nicht mehr so in die Deep-House-Richtung, sondern wird eher von Hip-Hop und Funk beeinflusst.

Wäre eure Musik nicht kommerziell erfolgreicher, würdet ihr auf altbewährte 0815-Hip-Hop-Beats zurückgreifen? Wir machen uns grundsätzlich keine Gedanken um das Kommerzielle und wie man mit der Musik jetzt den Nerv der Zeit trifft. Ich glaube, dafür gibt es auch einfach gar kein Rezept. Wir haben mit der Musik so angefangen, weil wir Bock drauf hatten und die ist dann relativ poppig geworden. Und ich glaube, das ist es, was einige als kommerziell empfinden. Uns hat Deep House aber nach einer Zeit gelangweilt, weil das Tempo und das Gefühl immer gleich sind. Ich bin auch Hip-Hop Fan und komme gar nicht aus dem Elektrobereich. Deshalb haben wir uns für unser neues Album „Malu“ dazu entschieden, neue Wege zu gehen und unser Potential besser auszuschöpfen. Des- halb haben einige unserer Fans, die unsere alten Sachen wie „Hier mit dir“ oder „Forrest Gump“ gefeiert haben, anfänglich Probleme damit gehabt oder mussten sich erstmal langsam an das Album gewöhnen. Für uns war es aber eine gute Entscheidung, weil wir Bock darauf hatten und uns in fünf Jahren damit noch wohlfühlen wollen.

Da es ja wirklich unkonventionell ist: Ist es schwieri- ger, auf Tanzbeats zu rappen oder geht dir das sogar leichter von der Hand? Ich mache das mit dem Rap-Ding ja auch schon recht lange und einfacher sind definitiv die 90 BPM Standard Hip-Hop-Beats, weil die Deep House Beats häufig ja auch melodischer sind. Wirklich schwer fielen mir die aber auch nicht. Am anspruchsvollsten waren dann tatsächlich die Beats für unser aktuelles Album.

Es sind einige EPs und Singles in den letzten Jahren veröffentlicht worden. Was hat sich über die letzten Jahre in eurer Musik getan? Inwiefern habt ihr euch weiterentwickelt? Wir haben uns auf jeden Fall weiterentwickelt und haben auch eine Menge Zeit investiert. Ich meine, die „Hier mit dir“-EP war ein Stück weit auch ein Zufallsprodukt, weil wir Songs gemacht haben und uns dachten: „Klingt doch ganz geil.“ Dann haben uns auch paar Leute da draußen gefeiert. Wir wussten aber auch, dass wir uns weiterentwickeln wollen. Dann kam unsere „Techno ist tödlich, Rap aber auch“- EP, bei der wir dann so ein bisschen beide Seiten beleuchtet haben. Und jetzt waren wir für unser Album ein Jahr lang im Studio. Ich habe die Texte alle nochmal auf links gedreht und teilweise nochmal in einer anderen Version produziert. Somit hoffen wir auch, dass man unsere musikalische Entwicklung hört und sich das Training gelohnt hat, weil es sonst wirklich schade wäre. Ich bin aber auf jeden Fall zufrieden damit.

 Auch Robin Schulz hat sich mit seinem Remix von „Hier mit dir“ in die Charts katapultiert. Seid ihr auf ihn zugegangen oder kam er auf euch zu? Wie lief das Ganze ab? Das war eigentlich auch ein Zufallsprodukt. Robin ist zur gleichen Zeit wie wir zu Warner Music gekommen und wir hatten dann beide den selben A&R, der uns und Robin Schulz betreut hat. Wir wussten, dass wir Remixes von Produzenten machen lassen wollen und so kam es, dass Robin unseren Song auf den Ohren hatte. Danach kam sein Album und es ging überkrass bei ihm ab. Als wir zu Warner kamen und mit ihm zusammengearbeitet haben, kannte ich ihn noch gar nicht – das ging bei ihm ja erst danach richtig ab. Seitdem haben wir ihn noch zweimal gesehen und jetzt fliegt er mit seinem Privatjet durch die Gegend (lacht).

Sind eure Texte autobiographisch oder wovon lasst ihr euch hauptsächlich inspirieren? Teilweise sind die Texte schon autobiographisch, ich starte häu g mit einem Textfragment. Ich habe dann eine Idee – bei dem Song „Tauchen“ kam mir die Idee sogar unter der Dusche. Das Lied ist ein bisschen an den Song „Mindsex“ von Dead Prez angelehnt. Erst kam dann die Hook, dann der Feature-Sänger und erst dann habe ich den Text geschrieben. Es ist aber nicht der Moment passiert, dass ich mich ins Nachbarmädchen verliebt habe und mir daraus meine Inspiration gezogen habe. Es hat schon auf einer textlich abstrakteren Ebene funktioniert. Es ist somit vielleicht weniger emotional, als man im ersten Moment annehmen würde.

Was steht als Erstes – der Beat von Basil oder deine Lyrics? Der Regelfall ist, dass der Beat zuerst steht. Früher war es dann meist so, dass er mir einen Beat rübergeschickt hat und ich dann darüber gerappt habe. In letzter Zeit lief aber davon vieles parallel ab, da wir ja zusammen im Studio waren und wir so in einem noch größeren Austausch standen und uns mehr angepasst haben. Genauso war es auch mal andersherum: Dass es erst eine Textidee gab und wir darum einen Beat gebaut haben.

Ihr habt zu den Songs „Cooler als ich“, „Tauchen“ und „Serena“ sehr aufwendige Videos produziert. Wie lief der Dreh und die Bearbeitung ab? Wir haben uns darum auch einen Kopf gemacht. Wir wussten, dass die erste Single „Cooler als ich“ sein soll und haben uns dann mit unserem Busenfreund Basti [Sebastian Mowka, Photographie; Anm. d. Red.] hingesetzt und überlegt, wie wir das umsetzen können. Marius kam dann auf die Idee mit dem Auto und dem kleinen Jungen. Daraufhin haben wir ein Skript geschrieben und dieses dann einer Produktionsfirma gegeben. Die haben das dann noch ein bisschen ausgearbeitet, aber die Kernidee kam von uns und das war uns auch ganz wichtig, weil wir schlechte Erfahrungen damit gemacht haben, den Song einfach abzugeben und zu sagen: „Dreh mir mal ein Musikvideo dazu.“ Es sollte irgendwie alles aus einem Guss kommen. Die Graphiken von dem aktuellen Album „Malu“ kommen auch größtenteils von meiner damaligen Mitbewohnerin, die eine überkrasse Graphikerin ist und ich Glück hatte, gerade mit ihr zusammenzuwohnen. Es ist einfach cool, weil man abends mit einem Wein am Tisch sitzt und so lange überlegt, bis die Idee steht. Bei der Community kam es gut an, allerdings könnte es noch größere Wellen schlagen.

Seid ihr der Auffassung, dass eure Musik bisher genug Wertschätzung erfahren hat? Auf das aktuelle Album haben wir viele positive Reaktionen bekommen. Die Fans haben unsere Entwicklung miterlebt und konnten sehen, wie wir jetzt von den Deep-House-Rappern, die ein bisschen Pop gemacht haben, unseren Weg gegangen sind und einen eigenen Stil gefunden haben. Von daher freue ich mich über diese Entwicklung und dass unsere Mühen auch wahrgenommen wurden. Insgesamt könnte es aber schon noch bekannter sein, weil ich finde, dass es unsere Musik verdient hat. Das muss ich ja auch als Musiker so empfinden, der viel Arbeit investiert. Auf der anderen Seite gönne ich es aber auch allen anderen Künstlern, bei denen die Musik bei den Kids besser ankommt.

Was hat sich im Leben von Tom Thaler & Basil geändert, seitdem ihr in der Hauptstadt lebt? Berlin hat keinen großen Einfluss, weil wir unsere Tage größtenteils nur im Studio verbracht haben. Es war nicht so, dass wir uns jede Nacht im Berghain durchgemacht haben – was sowieso auch nicht so mein Ding ist. Bei Marlon [Marlon Tubach, Composer, Anm. d. Red.] haben wir im Studio die Platte produziert und der hat sein Studio eben in Berlin. Hätte Marlon sein Studio in Bremen gehabt, wären wir vielleicht auch in Bremen gelandet. Ist trotzdem cool, wie es gelaufen ist, weil viele unserer Freunde aus Mannheim mittlerweile auch in Berlin wohnen. Dennoch bin ich nicht derjenige, der sich im Nachtleben komplett austobt.

Wenn ihr in die Zukunft blickt, wie sind da so die Perspektiven? Die Musik ist mein Hauptfokus im Leben, auch wenn ich nebenbei noch woanders arbeite. Basil produziert wie ein Verrückter und hat nebenbei auch noch ein Rockalbum mit dem Titel „Torn Palk“ produziert. Er ist also ganz wild auch auf anderen musikalischen Gefilden unterwegs. Und natürlich wollen wir weitermachen, aber ich denke, jetzt machen wir erstmal wieder eine EP, bevor man sich an das nächste Album setzt. Wir hoffen natürlich auch, dass wir im Sommer ein paar geile Festivals spielen, weil live auftreten sehr viel Spaß macht und motiviert. Aber natür- lich wäre es auch cool, wenn unsere Fangemeinde weiter wächst und wenn die Leute Bock drauf haben, dann schauen wir mal, wo unsere Reise noch hingeht.

Unsere Reise geht unmittelbar nach dem Gespräch raus aus dem Backstage und rein in den Tower, der sich allmählich füllt. Unterstützt werden TT&B an diesem Abend von Füf , einem Geheimtipp der deutschen Rapszene. Dieser bringt als Voract lässigen Rap auf Beats mit wum- mernden Bässen. TT&B betreten kurz darauf die Bühne und liefern ein Feuerwerk in Wohnzimmeratmosphäre ab, zu dem getanzt und lautstark mitgesungen wird.

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