Wieso eigentlich immer „wäre, würde, hätte“?!

Eine Reise quer durch Europa

Hallo, ich bin Vanessa, bin 18 Jahre alt und habe in diesem Jahr mein Abitur gemacht. Doch nicht nur das bestandene Abitur war in diesem Jahr ein Highlight: zusammen mit meiner besten Freundin Rebecca war ich fünf Wochen lang in Europa unterwegs. Für uns war diese Reise lange ein Traum. „Das können wir ja irgendwann mal machen, so eine Reise wäre echt cool! Und was wir wohl alles sehen würden?!“ ABER: Warum eigentlich immer „wäre, würde und hätte“? Wieso nicht einfach mal machen? Nun, darauf hatten wir keine Antwort. Also überlegten wir uns, dass wir unseren Traum verwirklichen wollen und begannen mit der Planung – mit der Planung für unser Abenteuer Europa. Es war ziemlich viel Arbeit. Unterkünfte, Flüge, Züge, Busse und das Wichtigste: die Route! Das war das Beste, denn wir konnten einfach aussuchen, wo wir hinwollten.

Traum verwirklicht!

Norwegen? Irland? Spanien? Am liebsten überall hin! Nach langem hin und her und der dritten Neuplanung stand unsere Route fest: Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, England und Schottland. Die letzte Woche vor der Reise waren wir mit nichts anderem beschäftigt als planen, planen, planen. Und dann ging es auch schon los.

Vom Bremer Flughafen flogen wir nach Porto, schnappten unsere Rucksäcke vom Fließband und das Abenteuer konnte beginnen. In den nächsten fünf Wochen besuchten wir Porto, Lissabon, Sintra, Cabo da Roca, Madrid, Barcelona, Bordeaux, Paris, Brüssel, Brügge, London, Bath, Peterborough, Stamford und Edinbugh. Es war einfach unglaublich. Wir lernten viele verschiedene Menschen aus Europa und sogar aus Neuseeland, Brasilien, Peru, Ecuador und von den Philippinen kennen. Am ersten Abend zum Beispiel trafen wir in Porto ein älteres brasilianisches Ehepaar. Sie saßen am Tisch neben uns. Unsere Tische standen im voll besetzten Restaurant dicht beieinander. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über die Reisepläne, ihre bisherigen Erlebnisse und natürlich über Brasilien und Deutschland. Sie zeigten uns brasilianisches Geld, das wir bis dahin noch nie gesehen hatten und erklärten uns den Wert der Scheine. So waren die kleinen Begegnungen unglaublich interessant.

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Insgesamt waren alle Orte jeweils auf ihre Art für uns spannend und einzigartig. Ich würde sehr gerne über alles genau berichten, möchte mich aber hier auf einige besondere Erlebnisse beschränken. Zum Beispiel während der Zeit, in der wir in Lissabon waren, fuhren wir auch an einem Tag nach Cabo da Roca. Das ist der westlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Dort bewunderten wir die traumhafte Aussicht über die Steilküste auf den Atlantik. Die Sonne schien und es war schön warm. Das Wasser war hell- und dunkelblau und es ragten einzelne Felsen direkt vor der Küste aus dem Wasser. Die Wellen waren hoch und schäumten, wenn sie gegen die Steine stießen. Es war einfach wunderschön. Und am Horizont konnte man sogar schon die Freiheitsstatue erahnen.

Das Nächste, über das ich berichten möchte, ist unsere Fahrradtour durch Brüssel. Am Bahnhof liehen wir uns Fahrräder und dann ging es quer durch die Stadt. Unterwegs sahen wir „Maenneken Pis“, ein Wahrzeichen von Brüssel, an einer Straßenecke und beschlossen einen kleinen Abstecher zu Fuß in die belebte kleine Straße direkt daneben zu machen. Es gab mehrere kleine Läden, einige verkauften Souvenirs oder typisch belgische Waffeln, die wir unbedingt probieren mussten. Die Auswahl war riesig. Wir konnten zwischen verschiedenen Obstsorten und Schokolade und Sahne in allen möglichen Variationen wählen. Danach fuhren wir bei schönstem Sonnenschein an einem schmalen Fluss entlang und betrachteten die bunten Mini-Windräder, die neben dem Wasser aufgebaut waren.

In London, wo wir beide schon einmal waren, haben wir im Hyde Park die Eichhörnchen mit Toastbrot gefüttert. Die süßen Tierchen kamen zu uns und waren ganz zutraulich.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie eines zu mir kam und mir das Toast aus der Hand gefressen hat. Dabei berührte mich das Eichhörnchen mit seinem süßen kleinen Händchen, während es sich das Toaststückchen stahl. Leider mussten wir feststellen, dass die Tiere, nachdem sie das Brot genau inspiziert hatten, es fallen ließen, weil es ihnen nicht schmeckte. Da war das Interesse an uns nicht wirklich von Dauer. Anders aber bei einem Mann, der Erdnüsse dabei hatte.

Vermutlich kommt er jeden Tag, um die Eichhörnchen zu füttern, denn gleich drei Tierchen liefen zu ihm und krabbelten auf seinen Arm, um an die leckeren Nüsse in seinen Händen zu gelangen. Sie fühlten sich augenscheinlich bei ihm sicher, denn wenn sie sich vor anderen Besuchern erschreckten, flüchteten sie schnell zu ihm. Am Bahnhof Kings Cross begaben wir uns auf die Spuren von Harry Potter. Wie in den Büchern und Filmen gibt es dort das Gleis 9 3⁄4. Daneben befindet sich ein Harry Potter Laden, in dem man Zauberstäbe, Umhänge, Schals, den Schnatz und auch besondere Süßigkeiten kaufen kann, die man aus der Geschichte kennt.

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Das Besondere an „Bertie Botts Bohnen“ ist, dass diese „Süßigkeiten“ verschiedene Geschmacksrichtungen haben. Und mit besonders meine ich besonders ekelig. Es gibt natürlich die „normalen und leckeren“ Bonbons mit Kirsche, Tutti-Frutti, Grüner Apfel oder Zimt. Aber dann gibt es auch Wurst, Erde, verschimmeltes Ei, Popel und Erbrochenes. Und für alle die sich fragen: ja, es schmeckt dann wirklich nach Erbrochenem. Kein Scherz! Und da in einer Packung die Geschmacksrichtungen zufällig ausgewählt werden, hat man entweder Glück – oder auch nicht. Um unser Harry Potter Erlebnis perfekt zu machen, besuchten wir noch Leadenhall Market, eine feste Marktpassage, in der die Winkelgasse gedreht wurde. Dort ist auch der Eingang, der die Kulisse für den Eingang vom Tropfenden Kessel aus dem Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ war. Als letzte Stadt in unserem Programm, besichtigten wir Edinburgh. Dort herrschte eine tolle Atmosphäre. Auf der linken Straßenseite gibt es große Geschäfte, wie H&M oder auch Primark und auf der rechten Seite befindet sich ein 300 Millionen Jahre alter Vulkan, auf dem die 1000 Jahre alte Burg von Edinburgh steht. Wenn man auf der „Royal Mile“ entlang spaziert, kommt man sich vor wie im Mittelalter.

Man läuft auf die Burg zu, um einen herum sind alte Gasthäuser und auch eine alte Kirche. Auf der Straße sind Künstler wie Feuerspucker und Männer mit Schottenrock und Dudelsack, die die Atmosphäre perfekt machen.

Da wir noch einiges mehr von Schottland kennen lernen wollten, nahmen wir zusätzlich an einer sogenannten „Nessie-Tour“ teil. Wir fuhren an einem Tag 550 Kilometer quer durch Schottland von Edinburgh über Loch Ness nach Inverness und Pitlochry zurück nach Edinburgh. Die Gruppenleiterin erzählte uns Geschichten über die Highländer, über die Landschaft, die Gebäude und auch über Kulissen vom Harry Potter Dreh in den Highlands. Doch das Wichtigste für uns war natürlich Loch Ness. Dort besichtigten wir die Urqhuart Castle, eine Ruine, und machten eine Bootstour über den 1,5km breiten, 37km langen und 230m tiefen See. Nessie haben wir dabei leider nicht zu Gesicht bekommen, aber wir haben erfahren, dass es von Loch Ness aus einen unterirdischen Tunnel gibt, der in den Atlantik führt. Möglicherweise war Nessie also gerade einfach nicht zu Hause.

So, damit bin ich jetzt auch am Ende. Denn von Edinburgh ging es mit dem Flugzeug wieder zurück nach Bremen. Ich bin sehr froh, dass wir diese Reise wirklich gemacht haben. Wir haben interessante Menschen und Orte kennen gelernt. Viel neues Essen probiert und festgestellt, dass es doch sehr interessante Unterschiede in Kultur und Lebensweise in Europa gibt. Und eines habe ich ebenfalls gelernt: Europa ist unglaublich schön. Porto, Lissabon, Madrid, Barcelona, Bordeaux, Paris, Brüssel, Brügge, London, Bath, Stamford und Edinburgh – von jeder dieser Städte hängt jetzt eine Postkarte in meinem Zimmer. Wenn mich nun jemand fragt, was das Beste war? Einfach die Tatsache, dass wir unser Abenteuer Europa gewagt haben. Kein wäre, würde oder hätte, wir haben gemacht, was wir so gerne wollten: unseren Traum verwirklicht.

– Vanessa Siemer (18)

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